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Duisburg: Mercator ist aktuell

Duisburg : Mercator ist aktuell

Dr. Gernot Tromnau, langjähriger Direktor des Kultur- und Stadthistorischen Museums, über den Universalgelehrten, der 1512 in Rupelmonde geboren wurde und von 1552 bis 1594 in Duisburg lebte.

Dr. Gernot Tromnau (72), von 1977 bis zum Jahr 2000 Direktor des Kultur- und Stadthistorischen Museums, hat sich viele Jahre mit Gerhard Mercator (1512—1594) beschäftigt und im Gedenkjahr 1994 eine große und viel beachtete Ausstellung über den Universalgelehrten realisiert. Auch jetzt ist Dr. Tromnau maßgeblich an der Vorbereitung des Mercatorjahres (500. Geburtstag am 5. März 2012) beteiligt. Mit Tromnau sprach Redakteur Peter Klucken.

Sie haben Vor- und Frühgeschichte, Völkerkunde und Geologie studiert und schließlich 1972 in Hamburg in Archäologie promoviert. Das alles hat mit Gerhard Mercator nichts zu tun. Wie sind Sie trotzdem an ihn geraten?

Tromnau Im Januar 1977 übernahm ich die Leitung des damaligen Niederrheinischen Museums in Duisburg, das später in Kultur- und Stadthistorisches Museum umbenannt wurde. Neben den umfangreichen archäologischen Beständen beherbergt das Duisburger Museum eine der bedeutendsten, vielleicht sogar die bedeutendste Mercatorsammlung weltweit. Da war es natürlich meine Pflicht, mich ausführlich mit "Duisburgs größtem Sohn" zu beschäftigen.

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1994, zum 400. Todestag, gab es in Duisburg eine große Mercator-Ausstellung mit Katalogbuch und der Eröffnung der so genannten Mercator-Schatzkammer im damals noch ziemlich neuen Museum am Innenhafen. In diesem Jahr gibt es nun wieder ein Mercator-Gedenkjahr, diesmal ein Jubiläum, weil dessen runder Geburtstag gefeiert wird. Kann die neue Ausstellung etwas anderes bieten als die Wiederholung der Schau 18 Jahre zuvor?

Tromnau Die Mercatorforschung stagniert ja nicht, sie geht immer weiter. So tauchte zum Beispiel nach Ende der Mercator-Ausstellung von 1994 ein Brief auf, in dem Mercator genau beschrieb, wie er sich den Aufbau des Atlanten, der erst ein Jahr nach seinem Tod, nämlich 1595 in Duisburg in erster Auflage erschien, gedacht hat. Ein tolles Dokument, das ich damals der Mercatorsammlung des Museums einverleiben konnte. Das Kuriose ist, dass zuvor in wissenschaftlichen Symposien der Aufbau dieses Kartenwerkes eine große Rolle spielte.

In wenigen Wochen soll auch die Mercator-Schatzkammer, die in den vergangenen Monaten neu gestaltet wurde, eröffnet werden. Dafür gibt es bekanntlich bis zu 100 000 Euro von der NRW-Stiftung. Sie haben dabei vermittelt, heißt es. Was haben Sie getan?

Tromnau Nach den Statuten der NRW-Stiftung können nur gemeinnützige Vereinigungen unterstützt werden. Als Erster Vorsitzender der gemeinnützigen Mercator-Gesellschaft sah ich eine Chance, Gelder für die Neugestaltung der Mercator-Schatzkammer, die nicht mehr den heutigen Ansprüchen und Möglichkeiten gerecht wird, zu bekommen. Hier geht es insbesondere um die bürgernahe Vermittlung des Lebenswerkes Mercators, nicht um eine Wertsteigerung des Museumsbesitzes. Es geht um einen Lernort. Die Mercator-Gesellschaft ist schließlich eine historische Vereinigung, die Menschen dieser Region mit ihrer Geschichte vertraut machen möchte. Deshalb ist die Mercator-Gesellschaft auch der richtige Partner für die NRW-Stiftung.

Sie haben sich nun viele Jahre mit Mercator beschäftigt, beruflich und seit gut zehn Jahren auch privat. Was fasziniert Sie an Mercator?

Tromnau ... dass er immer noch aktuell ist. Die Mercator-Projektion ist die Grundlage für alle modernen Navigationsgeräte, sei es beim Navi im Auto oder sogar bei der Raumfahrt. Und es gibt immer noch etwas Neues zu entdecken, wenn man sich mit Mercator beschäftigt.

Was zum Beispiel?

Tromnau Für mich als Archäologe ist es höchst interessant, auch in Mercators Karten archäologische Eintragungen zu entdecken. Gegenwärtig schreibe ich dazu einen Aufsatz. Offensichtlich muss in der Duisburger Werkstatt Mercators auch eine "Teutschlandkarte" entstanden sein, von der bisher nur die Titelkartusche überliefert ist. Vielleicht findet man demnächst irgendwo auf der Welt mehr darüber. Schließlich war Mercator ein Universalgelehrter. Für die frühe Neuzeit kann man wohl ohne Übertreibung sein Lebenswerk mit einem Nachschlagewerk wie den "Großen Brockhaus" von heute vergleichen.

Was erhoffen Sie sich vom MercatorJahr?

Tromnau Dieses Jubiläum wird sicher nicht nur in Duisburg begangen, sondern auch anderenorts, wie zum Beispiel wenige Kilometer entfernt in Dortmund, aber natürlich auch in Belgien. Ich bin schon gespannt darauf, welche Ergebnisse dabei zutage kommen. Als Duisburger hoffe ich natürlich, dass Mercator auch im Bewusstsein unserer Bevölkerung noch fester verankert wird. Schließlich weiß jeder auf der Welt, was ein Atlas ist, und diese Bezeichnung haben wir dem Wahl-Duisburger Gerhard Mercator zu verdanken.

Hinweis In den folgenden Wochen erscheint an dieser Stelle eine von Dr. Gernot Tromnau geschriebene Artikel-Serie über das Leben und Werk von Gerhard Mercator.

(RP)