Duisburg: Meister des Puppenspiels begeistert mit Akzente-Stück

Duisburg: Meister des Puppenspiels begeistert mit Akzente-Stück

Dank der Familie Flöz weiß das Duisburger Publikum, dass Figurentheater keineswegs nur Kinder als Zielgruppe haben muss. Mit dem gebürtigen Australier Neville Tranter, der heute in den Niederlanden lebt, war ein vielfach ausgezeichneter Meister des Figurentheaterspiels in der Liebfrauenkirche zu Gast. Dort zeigte er zum einen sein Familienstück "Punch & Judy in Afghanistan" und sein Erwachsenentheater "Babylon", das die RP besuchte.

Dank der Familie Flöz weiß das Duisburger Publikum, dass Figurentheater keineswegs nur Kinder als Zielgruppe haben muss. Mit dem gebürtigen Australier Neville Tranter, der heute in den Niederlanden lebt, war ein vielfach ausgezeichneter Meister des Figurentheaterspiels in der Liebfrauenkirche zu Gast. Dort zeigte er zum einen sein Familienstück "Punch & Judy in Afghanistan" und sein Erwachsenentheater "Babylon", das die RP besuchte.

Neville Tranter ist ein nüchterner Poet unter den Puppenspielern. Sein Stück arbeitet mit Metaphern und Anspielungen, bleibt aber stets geerdet, auch wenn bei "Babylon" Gottvater in Gestalt eines Greises auftaucht, dem die Probleme der Welt über den Kopf wachsen und der seinem Staatssekretär-artigen Engel immer mehr misstraut - vermutlich zu Recht. Tranter beschäftigt sich mit dem tragischen Schicksal von Bootsflüchtlingen. Am Strand von Nordafrika wartet der unruhige Menschenschmuggler-Kapitän auf die letzten Passagiere. Ein alter Mann will seinen Hund mitnehmen, was ihm untersagt wird, und eine alte Frau möchte ihrem Sohn folgen, was vielleicht nur eine Notlüge ist. Dass ausgerechnet Babylon Ziel der Flüchtlingsroute sein soll, ist natürlich als Metapher zu verstehen, schließlich ist biblisch gesehen Babylon genau das Gegenteil eines gelobten Landes. Zum Entsetzen von Gottvater mischt sich unter die Bootsflüchtlinge auch Jesus, der als verträumter Hippie mit einem Schaf unter dem Arm unterwegs ist. Dieses Schaf wird dem Gottessohn am Schluss das Leben retten...

  • Duisburg : Makabre Familie begeistert Publikum

Komik und entlarvendes Spiel mischt Tranter zu einer Geschichte, die das Publikum gebannt verfolgt. Wunderbar, wie Tranter mit seinen halblebensgroßen Figuren umgeht, wie er ihnen Leben einhaucht, sie selbstständig werden lässt und dabei trotzdem als Beobachter und quasi stummer Dialogpartner auf der Bühne präsent bleibt.

Dass die Handlung von der Teufelsgestalt eingerahmt wird, zeigt den Ernst der Lage. Ein grandioser Beitrag zu den Duisburger Akzenten. Das Publikum in der gut besuchten Liebfrauenkirche war begeistert.

(pk)