Duisburg: Meininger Gastspiel

Duisburg : Meininger Gastspiel

Das Theatertreffen der 34. Duisburger Akzente " 500 Jahre Gerhard Mercator" begann sensationell mit Goethes "Egmont" in der Bearbeitung von Schiller mit der kompletten und live gespielten Schauspielmusik von Beethoven.

Die 34. Duisburger Akzente "500 Jahre Gerhard Mercator — Vom Suchen und Finden" sind gerade erst ein paar Tage alt, da haben sie schon ihre erste Sensation. Im ganz gefüllten Duisburger Theater gastierte das renommierte Südthüringische Staatstheater Meiningen in Kooperation mit dem Landestheater Eisenach mit "Egmont" von Johann Wolfgang von Goethe in der Bearbeitung von Friedrich Schiller mit der Schauspielmusik von Ludwig van Beethoven.

Goethe vollendete sein Trauerspiel über den niederländischen Freiheitshelden, der unbekümmert in seine Vernichtung rennt, nach zwölf Jahren 1787. Die Uraufführung war ein Misserfolg, und erst die gestraffte Fassung von Goethes Freund Schiller 1796 brachte dem Stück den Bühnenerfolg. 1810 schrieb Beethoven für Aufführungen am Wiener Burgtheater seine Schauspielmusik. Diese scheint nur 1948 in Weimar wieder einmal komplett verwendet worden zu sein — und jetzt in Meiningen, Eisenach und eben Duisburg.

Traumvision im Kerker

Der junge Regisseur Rudolf Frey und der erfahrene Dramaturg Hans Nadolny haben das ganz großartig hinbekommen, als Generationen übergreifendes Spektakel, als zeitgemäße Inszenierung mit Ehre für den Klassiker der Schauspielmusik. Da Beethoven für die Urfassung schrieb, musste einiges hier wieder eingefügt werden, zum Beispiel Egmonts Traumvision im Kerker, damit das Melodram "Komm süßer Schlaf" gespielt werden konnte.

Der begeisterte Beifall am Ende galt sicherlich nicht nur dem erstklassigen und klugen Konzept, sondern auch den durchweg sehr guten Mitwirkenden. Allen voran Pascal Thomas in der Titelrolle. Unbedingt erwähnt werden muss die junge Opernsängerin Esther Hilsberg als "Klärchen II". Hier wurde aus der Not eine Tugend gemacht, dass eine reine Schauspielerin heutzutage nicht mehr so anspruchsvolle Lieder wie Beethovens "Die Trommel gerührt" und "Freudvoll und leidvoll" singen könnte, schon gar nicht mit einer so wunderbar klaren und warmen Stimme. Die beiden Klärchen waren hier auch geschickt als Alter ego inszeniert, der Sopran als innere oder eben andere Stimme.

Der Clou liegt darin, dass beim Meininger "Egmont" die kleine, aber feine Landeskapelle Eisenach mit auf der Bühne sitzt — an diesem Abend krankheitsbedingt ergänzt durch acht Kollegen von den Düsseldorfer Symphonikern und Duisburger Philharmonikern.

Unter der Leitung von Gregor Rot klang das sogar noch schlanker als gedacht, denn schon während der bekannten Ouvertüre erwiesen sich einige der vermeintlichen Orchestermusiker als die Schauspieler.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Duisburger Akzente starten farbenfroh

(hod)
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