Duisburg: Masern noch immer auf dem Vormarsch

Duisburg: Masern noch immer auf dem Vormarsch

Die Zahl der Erkrankten in Duisburg bleibt weiterhin hoch. Bis zu 20 neue Fälle pro Woche zählt das Duisburger Gesundheitsamt, die Dunkelziffer ist unbekannt. Ein Problem sind die unversicherten EU-Zuwanderer.

Die Masern-Situation in Duisburg bleibt angespannt. Der aktuelle Stand der gemeldeten Duisburger, die an Masern erkrankt sind, liegt bei 253 Menschen. Davon 70 Erwachsene, 136 Kinder und 70 Säuglinge, die besonders gefährdet sind. "Das ist schon eine sehr hohe Zahl", sagt Dieter Weber, Leiter des Duisburger Gesundheitsamtes.

Im Januar hatte es den ersten Krankheitsfall gegeben. Momentan kämen jede Woche etwa 20 Neuerkrankungen hinzu. "Ich befürchte allerdings eine hohe Dunkelziffer", sagt Weber. Denn das größte Risiko stellen Menschen mit ungeklärtem Versicherungsschutz dar, die nicht den Arzt aufsuchen. Das treffe auf einen Großteil der EU-Zuwanderer zu. Bei 17.000 Zuwanderern mit einem hohen Anteil an Kindern sei das eine bedenklich hohe Zahl. Vor allem, weil sich die Krankheit schnell verbreite. Das Problem sei, dass man an diese Personengruppe nur sehr schwer herankomme. "Es ist toll, dass die Medien oft über das Thema berichten und die Menschen daran erinnern, in ihren Impfausweis zu schauen", sagt Weber, aber die am häufigsten betroffene Personengruppe sei eben kaum über die Medien zu erreichen. Von den gemeldeten Fällen seien nur ein Fünftel, also etwa 50 Personen keine Zuwanderer.

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Mit allen Mitteln versuche die Stadt nun, diese Menschen zu erreichen und generell an alle zu appellieren, sich impfen zu lassen. Weber: "Wir haben in den letzten anderthalb Monaten intensive Impfangebote." Glücklicherweise gebe es mittlerweile zahlreiche engagierte Menschen im Kampf gegen die Masern. So hätten sich beispielsweise einige niedergelassene Kinderärzte dazu bereiterklärt, Kinder ehrenamtlich zu impfen, den Stoff dafür bekommen sie von der Stadt gestellt. Auch die Malteser Migrantenambulanz sei unterwegs, impfe und betreibe jeden Donnerstag in ihrer Sprechstunde an der Münzstraße 15-17 Aufklärung. Denn die Zuwanderer zeigten nach Webers Einschätzung zwar eine hohe Bereitschaft, sich und ihre Kinder impfen zu lassen, doch müssten sie natürlich vorher erreicht und dann aufgeklärt werden, was aufgrund der Sprachbarriere oft nicht einfach sei. Das Kindergesundheitsmobil, das jeden Freitag an der Henriettenschule in Marxloh anzutreffen sei, verfolge das gleiche Ziel. Die Resonanz hier sei jedoch wechselhaft.

Die Impfungen seien sehr gut verträglich, doch oftmals fehle einfach das Bewusstsein dafür. Zu informieren sei eine akribische, aufreibende Arbeit. Auch Lehrer würden daher verstärkt mithelfen und Kinder im Zweifel ihre Impfausweise mitbringen und dann erst wieder zur Schule kommen lassen, wenn sie geimpft sind. Das habe dazu geführt, so Weber, dass es in Schulen bisher keine Ansteckungen gegeben habe. Dennoch sei das Risiko hoch. Es genüge schon, sich mit einer Person in einem Raum aufzuhalten. Auch der Verein Bürger für Bürger unterstütze die Stadt, indem sie auf die Migranten zugehe. Weber: "Wir können nur an die Multiplikatoren appellieren, und die helfen auch alle mit." Ziel sei es, die ernsten Fälle so gering wie möglich zu halten und die Menschen zur frühen Impfung zu bewegen. Gerade Säuglinge seien gefährdet, betont Weber. Aus diesem Grund hat die Stadt Duisburg die Impfempfehlung auf neun statt wie bisher elf Monate herabgesetzt. Folgen einer Masernerkrankung können eine Gehirnentzündung sein, die zur Zerstörung des Gehirns führen kann, bis hin zum Tod. "Einer von 1000 verstirbt an Masern", sagt Weber. Die Impfung selbst sei gut verträglich: "Da es sich ja quasi um einen Uralt-Impfstoff handelt, wissen wir auch, wie er wirkt".

(RP)