Manfred Müller ist es auf der Grafschafter Straße in Baerl zu laut

Verkehrsproblem in Baerl : Zu viel Lärm auf der Grafschafter Straße

Auf der Durchgangsstraße wird es immer lauter. Anwohner Manfred Müller hat sich an die Verwaltung und die Politik gewandt, um für Abhilfe zu sorgen – bisher vergeblich.

An diesem Vormittag ist verhältnismäßig wenig los. Zu hören ist der Straßenverkehr in Manfred Müllers Wohnzimmer in der ersten Etage aber trotzdem. „Wenn nur ein Fenster auf Kipp steht“, wird es aber schon deutlich lauter“, sagt der Rentner. Er und seine Frau hatten im vergangenen Sommer besonders zu leiden: Ohne Lüftung wurde es extrem warm. „Wir haben im Schlafzimmer extra Fliegengitter angebracht, um auch nachts die Fenster auflassen zu können. Das ging aber gar nicht, weil wir wegen des Krachs dann gar nicht mehr schlafen konnten“, berichtet Müller.

Als die beiden das Haus an der Grafschafter Straße im Jahr 2012 kauften, war längst noch nicht so viel los. „Im Lauf der Jahre hat der Verkehr immer mehr zugenommen, und es ist immer lauter geworden.“ Die Grafschafter Straße war schon immer stark durch den Durchgangsverkehr belastet. Sie führt von Moers nach Orsoy und nach Vierbaum. Auch wer zum Baerler Busch oder zur Rheinpromenade will, fährt über die Grafschafter Straße an.

„Es war hier schon immer viel Verkehr, doch seitdem der Edeka-Markt auf der Schulstraße eröffnet wurde, ist durch die vielen Kunden und den Anlieferverkehr noch mehr los“, so Müller. Dass der Supermarkt bei ihm um die Ecke für den Ortsteil ein Gewinn ist, sieht Müller auch, dennoch ist es ihm inzwischen einfach viel zu laut geworden: „Der Durchgangsverkehr, drei Buslinien und die lauten Fahrzeuge der landwirtschaftlichen Betriebe sorgen für einen ständigen Krach“, meint Müller. Im September wandte er sich deshalb an die Stadt und bat um Abhilfe. „Es gilt Tempo 30 – aber nur zwischen 6 und 20 Uhr. Vorher und hinterher kann schneller gefahren werden. Außerdem hält sich ohnehin keiner an die Tempobeschränkung.“

Tempo 30 ist hier auf der Grafschafter Straße in Baerl vorgeschrieben – aber nur tagsüber. Foto: RP/Mike Michel

Das Ordnungsamt teilt Müllers Bedenken allerdings nicht. Ein- bis zweimal im Monat werde an der Grafschafter Straße schließlich geblitzt, teilte man ihm mit. Als Beispiel nannte das Ordnungsamt in seinem Antwortschreiben an Müller folgende Zahlen: Am 12. September 2018 seien zwischen 7.15 und 8.20 Uhr insgesamt 257 Fahrzeuge in der 30er Zone erfasst worden – davon waren 52 zu schnell. Der schnellste wurde mit Tempo 55 erwischt. Diese Kontrollen erachtet die Verwaltung als ausreichend, zumal bei Messungen die Lärmobergrenzen von 70 Dezibel am Tag und 60 in der Nacht an der Grafschafter Straßen nicht erreicht würden.

„Mir reicht das nicht. Warum gilt Tempo 30 nicht für 24 Stunden, und warum gibt es keinen fest installierten Blitzer?“, will Müller wissen. Die Stadtverwaltung sieht für die Grafschafter Straße allerdings keinen Handlungsbedarf, erklärte Stadtsprecher Falko Firlus auf Anfrage unserer Zeitung: „Tempo 30 wurde hier zum Schutz schwächerer Verkehrsteilnehmer eingerichtet, unter anderem auch im Hinblick auf den Kindergarten. Deshalb reicht es auch, das Tempolimit zeitlich zu begrenzen. Und ein fest installierter Blitzer kommt aus Kostengründen nicht in Betracht.“

Da es mit der Stadt nicht klappte, hat Müller sich auch an die Bezirksvertretung gewandt: „Das hat aber auch nichts gebracht. Es wurde nichts unternommen.“ Müller ist nicht der einzige, der an der Grafschafter Straße unter dem Verkehrslärm leidet: Unten in seinem Haus befindet sich ein Reisebüro. Dort wollte der Inhaber im heißen Sommer 2018 zwischendurch gerne mal die Tür öffnen – das ging aber nicht, weil er am Telefon und in Kundengesprächen kein Wort mehr verstand.