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Armut in Duisburg: "Man muss etwas für die Bildung machen"

Armut in Duisburg : "Man muss etwas für die Bildung machen"

Mit einer Hilfequote von 17,4 Prozent hat Duisburg im Vergleich zu 14 weiteren Städteregionen die zweithöchste Hartz-IV-Quote unter Jugendlichen im Alter von 15 bis 24 Jahren. Nur Berlin schneidet mit einer Quote von 19,2 Prozent schlechter ab als die Ruhrmetropole. Experten kritisieren das Schulsystem scharf.

Bundesweit waren Mitte des Jahres 8,8 Prozent aller 15- bis 24-Jährigen auf Hartz IV angewiesen. Das geht aus einer Analyse des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) hervor. Dabei gilt zu beachten, dass nicht jeder Hartz-IV-Empfänger auch arbeitslos ist. Einige nehmen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teil, andere besuchen die Schule, sind in Ausbildung oder gehen einer Erwerbstätigkeit nach, sind aber dennoch hilfebedürftig. Das eigene Einkommen ist dann so niedrig, dass die Jugendlichen auf die Grundsicherung angewiesen sind, soweit die Eltern oder andere Familienmitglieder nicht über ausreichendes Einkommen verfügen.

Daher sei das Verarmungsrisiko von Jugendlichen "offensichtlich längst nicht immer Ausdruck nur eigener beruflicher Integrationsprobleme, sondern relativ oft auf das Fehlen Existenz sichernder Arbeitsplätze der Eltern zurückzuführen", heißt es in der Untersuchung.

Auch Karl-August Schwarthans verweist darauf, dass bekannt sei, dass Duisburg generell arm ist. "Das Privateinkommen ist so niedrig, wie in keiner anderen Stadt in NRW. Zudem gibt es die höchste Privatverschuldung im ganzen Ruhrgebiet", sagt der Geschäftsführer der AWO-Integrations GmbH in Duisburg.

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Problematisches Schulsystem

Insgesamt zählt die DGB-Analyse 9071 hilfebedürftige Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren, die im Jobcenter Duisburg gemeldet sind. In Relation zu der gesamten Bevölkerungsgruppe ergibt sich laut Analyse dann die Hilfequote von 17,4 Prozent. Auffällig dabei ist, dass diese Quote der Jugendlichen in Duisburg um 2,1 Prozentpunkte höher liegt, als für alle Personen im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 65 Jahren.

Demnach ist das Verarmungsrisiko der 15 bis 24-Jährigen im Vergleich zur Gesamtheit der erwerbsfähigen Hilfeempfängern besonders hoch. Man müsse dabei aber auch bedenken, "dass in Duisburg viele junge Leute leben", so Schwarthans, der vor allem das Schulsystem als problematisch ansieht: "Das Duisburger Schulsystem, in dem arme oder Migranten-Kinder nicht ausreichend gefördert werden, trägt sicherlich seinen Teil dazu bei". Daher müsse Duisburg erkennen, "etwas für die Bildung zu machen. So könnte man gegen einen Teil der Armut angehen", sagt Schwarthans.

In der Analyse des DGB heißt es, dass es an Hauptschulen dreimal häufiger arme Schüler gebe. Demnach würden sich Eltern armer Kinder häufiger gegen weiterführende Schulen entscheiden, weil ihre Kinder früher Geld verdienen sollen. Die relativ geringen beruflichen Perspektiven würden wiederum Resignation und Mutlosigkeit fördern.

Weitaus höher als die Hilfequote von Jugendlichen, ist indes die Zahl der hilfebedürftigen Kindern unter 15 Jahren: 27 Prozent, so die DGB-Untersuchung, seien in Duisburg auf Hartz IV angewiesen. Um Vereine zu unterstützen, die gegen den Notstand der Kinderarmut angehen, ruft die Sparkasse Duisburg zu der Aktion "Sie sparen — wir spenden" auf. Pro 1000 Euro, die Duisburger und Kamp-Lintforter im Sparkassenbrief Trio zum Zins von 1,5 Prozent anlegen, spendet die Sparkasse 2,50 Euro. Insgesamt 25.000 Euro könnten laut Sparkasse so gespendet werden. Empfänger der Spenden werden der Duisburger Verein Immersatt e.V. und die Kamp-Lintforter Tafel sein.

Hier geht es zur Infostrecke: So hoch ist die Hartz-IV-Quote bei Jugendlichen