Duisburg: Mammutaufgabe für die Zoo-Chefin

Duisburg : Mammutaufgabe für die Zoo-Chefin

Trotz rückläufiger Besucherzahlen und Sanierungsstau soll Astrid Stewin den Tierpark wirtschaftlich stabilisieren. Für sie ist das nicht zuletzt auch eine Herzensangelegenheit.

Sie kann richtig gut lachen. Nicht nur hübsch für das obligatorische Foto, sondern aus dem Bauch heraus, sympathisch herzhaft. Ob Astrid Stewin in diesem Jahr auch wirklich gut lachen hat, muss sich noch weisen. Denn die 44-jährige bisherige Prokuristin bei der Stadttochter Octeo soll als neue Vorstandsvorsitzende der Zoo Duisburg-Aktiengesellschaft den strukturell unterfinanzierten Tierpark von den wackeligen Füßen auf wirtschaftlich solidere stellen. Angesichts rückläufiger Besucherzahlen und des Sanierungsstaus in Millionenhöhe ist das eine Aufgabe elefantösen Ausmaßes.

Dass Astrid Stewin zudem weiter als Prokuristin für Octeo tätig ist sowie den Geschäftsbereich Personal- und Managementservice verantwortet, lässt sie fast auf Mammutgröße wachsen. Wie ist das zu bewältigen? "Mit viel Arbeit", sagt sie schlicht, wobei ihr Einsatz für den Dienstleistungsservice Octeo nur "einen kleinen Teil" ihrer Arbeitszeit ausmache. So wird nachvollziehbar, wie die gelernte Industriekauffrau besonders im Personal- und Rechnungswesen Synergien und Verbesserungen für den Zoo erzielen soll, die letztlich einen sechsstelligen Betrag einsparen sollen.

Ein schwierigeres Feld sind die dringend notwendigen Investitionen der Zoo AG für Gebäude- und Gehegesanierung. Da steht einiges an - vom neuen Wirtschaftshof über den maroden China-Garten bis hin zum Delfinarium, dessen Dach und Fassaden 2018 erneuert werden sollen. Die Kosten fürs Delfinarium werden auf 1,2 Millionen Euro geschätzt, die für den neuen Wirtschaftshof auf 4,8 Millionen und die für den China-Garten sind noch gar nicht genau zu beziffern.

"Wir haben eine Prioritätenliste erstellt", erklärt Stewin. Welcher Sanierungsfall im Zoo diese anführt, will sie derzeit noch nicht sagen. "Das muss erst noch abgestimmt werden." Losgelöst von dieser Liste sei allerdings der Wirtschaftshof, betont Stewin. "Dafür bekommen wir aus dem Kommunalen Investitionsprogramm Fördermittel, die den Großteil der Kosten abdecken." Bleibt immer noch ein Eigenanteil für den Zoo. "Ein sechsstelliger Betrag", präziser will die neue Zoo-Chefin sich momentan nicht äußern. Ebenso wenig über das zusätzliche 1,7 Millionen Euro Defizit im Wirtschaftsplan 2017, das Ende vergangenen Jahres entdeckt wurde, und wer es zu verantworten hat. "Das wird eine Sonderuntersuchung klären, die die Stadt veranlasst hat."

Trotz dieser ganzen Probleme hat sie nicht lange überlegt, als ihr der Vorstandsvorsitz angetragen wurde, auch wenn es eine Umstellung ist von einem Betrieb mit 1900 Mitarbeitern zu einem mit 100 plus etwa 60 Aushilfen. ,,Von den ursprünglichen kaufmännischen Aufgaben her ist das kein großer Unterschied", sagt Astrid Stewin.

Dabei sind ihr die Unberechenbarkeiten des Zoo-Geschäfts durchaus bewusst. Das Wetter ist eine der größten. Das kann die ganze Jahresbilanz verhageln. Dennoch glaubt Astrid Stewin fest daran, dass es gelingen kann, mehr Besucher in den Zoo zu locken und den Tierpark attraktiv zu halten. Wichtig ist ihr zudem, dass die Mitarbeiter weiterhin gerne zur Arbeit kommen. "Ich bin wirklich optimistisch", betont sie. "Ich bin hier nicht angetreten mit der Angst, es nicht zu schaffen."

Ihr sei bewusst, dass ein Zoo immer ein Zuschussbetrieb ist. Aber den will sie möglichst bei den 2,5 Millionen Euro belassen, die die Stadt jährlich beisteuert. Die dafür notwendige Tatkraft scheint sie mitzubringen. Selbst eine kurze Begegnung mit einer Mitarbeiterin auf dem Weg zum Fototermin nutzt sie sofort, um diese freundlich zu bitten, ein Angebot noch mal nachzuverhandeln. Ein Zoo ist eben auch ein Wirtschaftsunternehmen.

Aber nicht nur, wie Astrid Stewin klarstellt: "Der Zoo ist auch eine Herzensentscheidung für mich." Schon als kleines Mädchen sei sie oft mit ihrem Großvater aus Meiderich, der immer vom "Tierpark" gesprochen habe, dort zu Besuch gewesen. Möglicherweise war das der Beginn ihrer Zuneigung zur Kaiserberg-Arche und ihren Bewohnern. "Tierliebe muss schon sein. Im Zoo zu arbeiten, ohne Tiere zu mögen, halte ich für unmöglich", meint Astrid Stewin, die zwei ihrer drei Stubentiger zu Hause mit der Flasche groß gezogen hat. "Wir haben die Kätzchen im Mai 2016 auf dem DVG-Gelände gefunden, verlassen von ihrer Mutter." Eine gute Gelegenheit, ihrem ersten Kater Leo, den sie von der Tierrettung übernommen hatte, weibliche Gesellschaft zu bieten. Dachte sie.

"Der Tierarzt stellte dann fest, dass alle vier Jungen Kater waren", erinnert sich die Zoo-Chefin lachend. Ernie und Bert, wie sie die beiden getauft hat, haben sie und ihr Mann trotzdem unter ihre Fittiche genommen. Seit 1. November 2017 ist sie - rein kaufmännisch gesehen - zudem Herrin über etwa 8500 Tiere der verschiedensten Arten. Gibt es da eins, das sie besonders schätzt? "Bei der Vielfalt ist das schwierig, aber ich mag Wombats besonders gerne. Die sind einfach großartig", verrät Stewin.

Obwohl sie ihre neue Aufgabe bereits im November übernommen hat, sieht ihr Büro noch nach Umzug aus. Keine Akten- und Papierstapel auf dem Schreibtisch, stattdessen eine weiße Elefantenstatuette.

Die Fensterbank teilen sich ein Stoffschaf und ein Tasmanischer Teufel mit pinkfarbenen Ohren. Die Kollegen aus der von Astrid Stewin geleiteten DVV-Arbeitsgruppe Panthera, die seit vergangenen Jahres prüft, ob die Stadtholding Hauptgesellschafter der Zoo AG werden soll, haben ihr den Beutelteufel aus Plüsch zum Abschied geschenkt. Eine Anspielung? "Ich hoffe doch nicht", sagt Astrid Stewin und lacht herzhaft.

(RP)
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