Duisburg: Malmsheimers fulminanter Ritt durchs Mittelalter

Duisburg : Malmsheimers fulminanter Ritt durchs Mittelalter

Im zweiten Anlauf klappte es. Bereits im Februar sollten Jochen Malmsheimer und Uwe Rössler mit ihrem Programm "2 Füße für ein Halleluja" im Rahmen der "Klinikkultur" in der Buchholzer Unfallklinik auftreten.

Krankheitsbedingt musste dieser Auftritt verschoben werden. Am Mittwochabend stand die kabarettistische Aufbereitung des "Gangs nach Canossa" erneut auf dem Programm. Wie gut gelaunt das Publikum im ausverkauften Veranstaltungssaal des Klinikums war, war aufgrund des zwei Stunden zuvor miterlebten Ausscheidens der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM schwer einzuschätzen. Klinikkultur-Macherin Monika Langenberg versuchte, die Wogen wegen des verkorksten Spiels vorsichtig zu glätten: "Es kann heute Abend nur noch besser werden." Und damit hatte sie völlig Recht.

Malmsheimer, der als TV-Kabarettist in der ZDF-Satire-Sendung "Neues aus der Anstalt" einem breiten Publikum bekannt wurde, sorgte auf seine unnachahmlich wortgewaltige Art gemeinsam mit seinem musikalischen Begleiter Uwe Rössler für allerbeste Unterhaltung. Im Mittelpunkt des mehr als zweistündigen Programms stand König Heinrich IV., der durch seinen Bittgang zu Papst Gregor VII. zu Fuß über die Alpen im Jahr 1077 Geschichte geschrieben hat.

Der Jazz-Musiker und Pianist Uwe Rössler - er leitet auch das Tiffany-Ensemble - sorgte für das entsprechende mittelalterliche "Gefiepe und Gehupe", dem Heinrich IV. ebenso wenig abgewinnen konnte wie die der allgegenwärtigen Grütze als Hauptnahrung, die nur zu Weihnachten mit einigen Rosinen angereichert wurde. Uwe Rössler bekam in dem Rahmen Gelegenheit zu zeigen, welch guter Musiker er ist. Dabei interpretierte er das mittelalterliche Begleitgedudel auf seine Weise. Mal machte er daraus ein feines Jazz-Solo, dann variierte er das Thema in der Art von Bach, Beethoven, Mozart, Chopin oder den anderen Klassik-Größen. Jochen Malmsheimer schilderte auf seine Art, wie Heinrich IV im Jahr 1077 um seinen beruflichen Status als König fürchten musste - die deutschen Fürsten hatten sich mit Papst Gregor gegen ihn verbündet - und er sich aus diesem Grund auf den Weg nach Canossa machte.

Seiner Ehefrau sagte er, er wolle nach Florenz "wegen der Altstadt und um dort Schuhe zu kaufen". Beschwerlich war es wohl auch, ein Navi war nicht zur Hand ("Bis Dienstag geradeaus und dann links") und das winterliche Wetter tat auch sein Übriges.

Heinrich schrieb dazu in seinem Tagebuch: "Der Wind heulte und die Frau auch." Das Warten vor der Burg Canossa war auch nicht gerade königswürdig. Wie alles ausging, ist aus den Geschichtsbüchern bekannt, die Version Jochen Malmsheimers eher ziemlich eigenwillig. Aber höchst intelligent und amüsant.

(RP)
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