Loveparade-Prozess: Veranstalter Rainer Schaller sagt als Zeuge aus

Veranstalter Schaller beim Loveparade-Prozess : Kein Blick zurück

Rainer Schaller ist eigentlich niemand, der gerne zurückblickt. Doch momentan hat er keine andere Wahl. Drei Tage lang muss er im Loveparade-Prozess vor Gericht als Zeuge aussagen – und all die Bilder wieder heraufbeschwören.

Acht Jahre ist es her, dass sich das Leben des erfolgreichen Geschäftsmannes wohl für immer änderte. Die Bilder von der Loveparade-Katastrophe, sagt der Inhaber der Fitnesskette McFit am Mittwoch vor Gericht, seien so emotional – sie ließen ihn nicht los.

Rainer Schaller war Chef der Firma Lopavent, die damals die Loveparade in Duisburg organisierte, bei der 21 Menschen im Gedränge ihr Leben verloren und Hunderte verletzt und traumatisiert wurden. Doch auch am zweiten Tag seiner Aussage vor Gericht will Schaller sich nicht recht an Details der Loveparade erinnern. Viele der Hinterbliebenen geben dem Unternehmer und dem ehemaligen Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland die Hauptschuld an dem Unglück. Als Veranstalter übernehme er zwar die „moralische Verantwortung“, betonte Schaller auch gestern. Auf der Anklagebank sitzen allerdings andere: Sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Beschäftigte des Veranstalters Lopavent müssen sich in dem Verfahren verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem fahrlässige Tötung vor.

Veranstalter Rainer Schaller sagt im Loveparade-Prozess aus

Schaller bleibt dennoch eines der Gesichter der Loveparade-Tragödie. Doch hat sich das Unglück auch auf die Geschäfte seines Fitnessimperiums ausgewirkt, das die Musikveranstaltung damals als riesige Werbeflächen nutzen wollte?

Auch wenn ihn dieser Tagen die Vergangenheit wieder einholt, Schaller schaut mit seinem Unternehmen lieber nach vorn. Derzeit lässt er mit McFit in Oberhausen das größte Fitnessstudio Deutschlands bauen. Es soll „The Mirai“ heißen, was japanisch ist und Zukunft bedeutet. Schaller verspricht in dem riesigen Fitnessstudio freien Eintritt – finanziert werden soll das Geschäft durch Sponsoren. Wenn das Konzept funktioniert, könnte das den Fitnessstudiomarkt revolutionieren. Es wäre das zweite Mal, dass Schaller den Markt aufmischt.

Schaller, der in den 90er Jahren wie seine Eltern als Edeka-Kaufmann ins Unternehmerleben startete, hat mit der Gründung von McFit 1997 das Discount-Prinzip am Fitnessstudiomarkt etabliert. Während bis dahin die Studios viel Wert aus Wellnessangebote wie Saunen oder Schwimmbäder legten, strich Schaller diese Annehmlichkeiten, legte den Fokus auf funktionale Geräte und nahm sogar fürs Duschen Geld. Dafür startete er mit geringen Monatsbeiträgen und machte Fitnessstudios so für eine breite Masse erschwinglich.

Den Geschäften seines Fitness-Imperiums – das auch als Hauptsponsor der Loveparade tätig war – scheint die Katastrophe kaum geschadet zu haben. Seine Firma ist bis heute auf Wachstumskurs. Zwar äußert sich das Fitnessunternehmen auf Anfrage nicht zu den Auswirkungen des Loveparade-Unglücks 2010 auf das eigene Geschäft, allerdings kann man auf der Unternehmenshomepage die Meilensteine der Firmengeschichte nachlesen: 2011, ein Jahr nach der Loveparade, vermeldet McFit erstmals eine Millionen Mitglieder. Ein Imageschaden sieht wohl anders aus. Heute haben die Fitnessstudios nach eigenen Angaben europaweit bereits 1,7 Millionen Mitglieder.

In den Geschäftsberichten, die im Bundesanzeiger veröffentlicht wurden, findet sich ein kleiner Gewinneinbruch im Loveparade-Jahr: Hatte McFit im Jahr 2009 noch gut 25 Millionen Euro Gewinn gemacht, sank die Summe 2010 auf 23 Millionen. Allerdings: Die Umsätze stiegen von 2009 auf 2010 – weil aber Personalkosten und andere Kosten stiegen, blieb unterm Strich weniger übrig. Die Loveparade hatte also offenbar kaum negative Auswirkungen auf die McFit-Kette. Zumal 2011 bereits ein Gewinn von 32 Millionen Euro laut Bundesanzeiger erwirtschaftet wurde.

Nach über zwanzig Jahren gibt Schaller dieser Tage die Geschäftsführung seines Fitness-Imperiums ab. Vito Scavo, der in Italien eine Art Klon der McFit-Studios aufgebaut hatte und inzwischen einige Jahre im deutschen Unternehmen ist, wird die Geschäfte übernehmen. Schaller selbst will sich laut Handelsblatt künftig auf persönlichere Projekte fokussieren. Demnach plant er auf Mallorca ein Resort – die Finca Rustica –, in dem der er Alpakas züchten will. Mit Hilfe der flauschigen Tiere sollen dann verhaltensauffällige Kinder therapiert werden können. 2019 soll dann auch das „The Mirai“ in Oberhausen eröffnen. Während in Düsseldorf weiter nach Schuldigen der Loveparade-Tragödie gesucht wird, schreibt Rainer Schaller an seiner Zukunft.

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