Loveparade-Prozess: Angeklagter lehnt Einstellung des Verfahrens ab

Loveparade-Prozess : Ein Angeklagter lehnt die Einstellung des Verfahrens ab

Im Loveparade-Prozess hat einer der zehn Angeklagten den Vorschlag des Gerichts abgelehnt, das Verfahren einzustellen. Bei dem Angeklagten handelt es sich um einen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent. Gegen ihn müsste dann weiter verhandelt werden.

Wenn der Angeklagte, der Mitarbeiter des Veranstalters gewesen sein soll, bei dieser Haltung bleibe, führe das Gericht das Verfahren gegen ihn fort, erläuterte ein Sprecher des Duisburger Landgerichts. Eine Einstellung des Verfahrens gegen die neun anderen Angeklagten bleibe aber möglich. Dafür müsse der 5. Februar als Stichtag abgewartet werden.

Bis kommenden Dienstag haben die Staatsanwaltschaft und die Angeklagten noch Zeit, ihre Erklärungen zu einer möglichen Einstellung des Prozesses abzugeben. Für jeden einzelnen der insgesamt zehn Angeklagten muss das Gericht dann prüfen, ob von der Staatsanwaltschaft und den jeweiligen Verteidigern übereinstimmende Erklärungen vorliegen, wie der Gerichtssprecher erläuterte.

Das Gericht hatte vor zwei Wochen nach knapp 100 Verhandlungstagen eine Einstellung des Verfahrens vorgeschlagen. Zwar bestehe immer noch eine hinreichende Wahrscheinlichkeit, das den Angeklagten ein Teil der ihnen zur Last gelegten Taten nachgewiesen werden könnte. Es habe sich aber auch herausgestellt, dass die Einschätzung zur Tauglichkeit des Veranstaltungsortes und der Besucherströme fehlerhaft gewesen sei, begründete der Richter seinen Vorstoß. Auch dies sei wohl für den Tod von 21 Menschen am 24. Juli 2010 und die Verletzungen einiger hundert Personen ursächlich gewesen.

Die heute für Großveranstaltungen geltenden Vorschriften in Sachen Sicherheit hätten damals noch nicht existiert. Die Angeklagten seien damals weitgehend gezwungen gewesen, eigene Regelungen zu erstellen. Weil bei der Planung und Durchführung der Loveparade damals viele Organisationen und Personen beteiligt waren, sei die Katastrophe wohl auf ein „kollektives Versagen in der Durchführungsphase“ zurückzuführen.

Vor Gericht stehen vier Mitarbeiter der Veranstalterfirma Lopavent und sechs Bedienstete der Stadt Duisburg, darunter der ehemalige Baudezernent. Sie müssen sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Bei einer Massenpanik auf dem Techno-Festival starben am 24. Juli 2010 in Duisburg 21 Menschen, mehr als 600 wurden verletzt. Das Hauptverfahren findet aufgrund seiner Größe nicht in den Räumen des Duisburger Landgerichts, sondern in den Düsseldorfer Messehallen statt.

(epd/dpa/jeku)
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