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Loveparade: Anwalt soll bei Prozess getäuscht haben

Vorgeschobene Erkrankung als Folge : Anwalt soll bei Loveparade-Prozess getäuscht haben

Ein Anwalt soll im Loveparade-Prozess versucht haben, ein vermeintliches Opfer zu vertreten. Auch im NSU-Prozess soll der Mann betrogen und einen Mandanten erfunden haben. Ab Freitag steht der Jurist selbst vor Gericht – wegen Betrugs.

Der Rechtsanwalt eines vermeintlichen Loveparade-Opfers steht von Freitag (7. August) an in Aachen unter anderem wegen Betrugs vor Gericht. Im Loveparade-Prozess soll der 52-Jährige aus Eschweiler erfolglos versucht haben, ein vermeintliches Opfer der Techno-Party zu vertreten.

Dabei war ihm aber laut Anklage bewusst, dass der Betroffene wahrheitswidrig eine Erkrankung als Folge der Loveparade-Katastrophe nur vorgeschoben habe, teilte das Gericht mit. Als die Staatsanwaltschaft Duisburg dann Belege zum Nachweis der Betroffenheit einforderte, soll der Anwalt Mutter und Schwester des Mannes aufgefordert haben, mit eidesstattlichen Versicherungen die Angaben zu bestätigen.

Der Anwalt soll auch beim NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München ein Opfer des Nagelbombenanschlags vom Juni 2004 in der Kölner Keupstraße vertreten haben, das es in Wirklichkeit gar nicht gab. Dafür soll er von 2013 bis 2015 zu Unrecht Zahlungen von insgesamt mehr als 200.000 Euro erhalten haben. Beim NSU-Prozess soll ein echter, mittlerweile verstorbener Nebenkläger dem 52 Jahre alten Anwalt gefälschte Unterlagen des nicht existenten Opfers gegen eine Provision angeboten haben, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Obwohl dem Anwalt klar gewesen sei, dass die Unterlagen gefälscht worden seien, habe er sie beim Oberlandesgericht eingereicht.

Durch bewusste Täuschung habe er vom Bundesamt für Justiz eine pauschale Härteleistung als Opfer eines extremistischen Übergriffs 5000 Euro bezogen, so die Anklage. Den Rest des Geldes soll er als Nebenklagevertreter unter anderem für die Teilnahme an Gerichtssitzungen aus der Landeskasse Bayern bezogen haben. Zu Beginn der staatsanwaltlichen Ermittlungen 2015 hatte er über einen eigenen Anwalt erklären lassen, er sei von einem anderen NSU-Geschädigten getäuscht worden. Dieser Mann habe ihm ein Foto des vermeintlichen Opfers vorgelegt und für die Vermittlung der Mandantin eine Provision verlangt.

(atrie/dpa)