Duisburg: Lokführerstreik verärgert Bahnreisende

Duisburg : Lokführerstreik verärgert Bahnreisende

Ab 14 Uhr ging gestern am Hauptbahnhof auf vielen Gleisen nichts mehr. Die Züge der Linie S 1 fielen bis auf Weiteres aus. Auch viele Regionalbahnen fuhren für den Rest des Tages nicht mehr, zum Beispiel die RB 35 nach Wesel.

Gähnende Leere herrscht gestern Nachmittag gegen 14 Uhr auf Bahnsteig 9 am Hauptbahnhof. Dort ist zwar noch auf einer digitalen Anzeigetafel die Verbindung der Linie S 1 nach Dortmund angegeben, darüber läuft aber eine Banderole: "Zug fällt heute aus". In der Bahnhofsvorhalle schauen die Passanten entweder nach oben auf die Anzeigetafel oder nach unten: aufs Smartphone oder Tablet. Denn Ausweichzüge muss man sich über die Internetseite der Bahn zusammensuchen.

Mit dem offiziellen Beginn des Lokführerstreiks um 14 Uhr entfallen die Verbindungen Duisburg - Mönchengladbach (RE 11), Duisburg - Entenfang (RB 37), Duisburg - Solingen (S 1) sowie Duisburg - Wesel (RB 35). Auch vorher gab es bereits Ausfälle und Verspätungen - auch im Fernverkehr. "Was ist denn los heute?", fragt eine junge Frau im Vorbeigehen.

Vielfahrer Bernd Neumann haben die Zugausfälle kalt erwischt. "Ich wusste erst nichts von dem Streik, das wurde sehr kurzfristig angekündigt." Zwar hat er keinen Termin mehr, möchte aber noch nach Dortmund fahren. "Der Streit zwischen Lokführern und Bahn wird auf dem Rücken der Bahnkunden ausgetragen", findet er. Daran könne auch die Tatsache, dass der Streik in die Herbstferien gelegt wurde, nicht allzu viel ändern. Neumann ist dennoch der Meinung dass der Bahnbetrieb grundsätzlich gut funktioniert. "Wenn man umsteigen muss, muss man eben etwas großzügig planen, damit man den Anschluss auch bei einer Verspätung noch erreicht."

Daniela Willmers sitzt in der Vorhalle auf einer der Bänke und wartet auf eine Verbindung nach Bielefeld. "Ich bin gerade auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und habe meinen Termin schon hinter mir", sagt sie erleichtert. "Ansonsten wäre das schon ärgerlich." Die Abiturientin hat bereits morgens einen früheren Zug genommen, um Verspätungen zu vermeiden. Jetzt muss die einiges an Geduld aufbringen.

Gestrandet ist auch Gabriele Waibel. Sie wollte ihren Bruder in Bad Wildungen besuchen und erfuhr erst am Bahnhof, dass der Intercity nach Kassel, den sie nehmen wollte, ausfällt. "Ich hoffe einfach, dass der Zug doch noch fährt", sagt sie. Unzufrieden ist sie allerdings mit der Informationslage im Bahnhof. "Hier am Gleis müsste es doch jemanden geben, der Auskunft gibt", meint sie. Auch auf eine Durchsage wartet sie lange vergeblich. Schließlich macht sie sich auf den Weg zur Information. Glück gehabt hat Julia Reiff. Ihr Zug nach Stuttgart hat zwar eine halbe Stunde Verspätung, fällt aber immerhin nicht ganz aus. "Ich finde es nicht gut, dass der Streik so kurz vorher erst angekündigt wurde", sagt ihre Mutter Ulrike, die Julia zum Bahnhof bringt. "Wir hatten einen Sparpreis gebucht, dafür muss man die Fahrkarte schon einige Tage vor der Reise kaufen."

Maik Heinrich ist mit seinem Mountainbike zum Bahnhof gekommen. Er überlegt noch, ob er auf die Straßenbahn nach Dinslaken ausweichen soll. Allerdings sei das mit einem Fahrrad oft nicht einfach und die Fahrt dauere etwa eine Stunde. "Morgens konnte ich noch ohne Probleme mit meiner gewohnten Verbindung fahren, allerdings lag das auch daran, dass ich bereits um 4.30 Uhr weg muss", berichtet er.

(RP)