Duisburg: Literatur kann wieder durchstarten

Duisburg : Literatur kann wieder durchstarten

John von Düffel, Harald Martenstein, Wilhelm Genazino und Iris Radisch lockt der Verein für Literatur und Kunst 2015/16 zu Lesungen in unsere Stadt. Auch Hatice Akyün und Kai Magnus Sting treten in der neuen Zentralbibliothek auf.

Seit dem Frühjahr gab es in Duisburg keine hochkarätigen literarischen Veranstaltungen mehr. Jetzt ist das Stadtfenster mit Volkshochschule und Zentralbibliothek fertig, jetzt kann die Literatur in unserer Stadt wieder durchstarten. Gestern gab der Verein für Literatur und Kunst bekannt, welche schreibende und/oder lesende Menschen er 2015/16 nach Duisburg lockt. Das Motto stammt diesmal von Kurt Schwitters und lautet: "Die Unsterblichkeit ist nicht Jedermanns Sache".

Es beginnt am 4. September mit John von Düffel, der aus seinem neuen Roman "KL - Gespräch über die Unsterblichkeit" liest. Ein namenloser Erzähler fährt nach Paris, um dort mit dem bekannten Modeschöpfer KL (Karl Lagerfeld) über Schein und Sein, über den Tod und das Leben zu sprechen. Gespräche mit BS (Barbara Schöneberger), die den schönen Schein des Fernsehens verkörpert, und mit HS (Heide Simonis), die für die Scheinheiligkeit der Politik steht, schließen sich an. Fiktive Interviews mit Menschen, die in der Wirklichkeit die Fiktion ihrer selbst zu sein scheinen. Der Vereinsvorsitzende Thomas Diederichs nannte das Buch gestern "etwas zum Schmunzeln".

Am 24. September liest dann Harald Martenstein aus der Satire "Schwarzes Gold aus Warnemünde", die er gemeinsam mit Tom Peuckert verfasst hat. Was wäre, wenn in der DDR 1989 gerade noch rechtzeitig Öl gefunden worden wäre? Würde der Petro-Kommunismus im Osten heute die Brüder und Schwestern im verarmten Westen - also auch in Duisburg - finanzieren? Gleichfalls eine Kooperation mit dem Verein Literaturbüro Ruhr in der Reihe "ruhrSpott" ist dann der 23. Oktober, wenn Wilhelm Genazino aus "Tarzan am Main" und anderen Texten liest. Es geht ihm um das "wirkliche" Deutschland, das dort liegt, wo man keine Stadtrundfahrten macht.

Die in Marxloh aufgewachsene Starautorin Hatice Akyün kam durch den Duisburger Bücherbus zur Literatur. Klar, dass sie unbedingt in der neuen Zentralbibliothek lesen wollte, auch wenn dort nur 100 Personen Platz finden. Am 30. Oktober ist es soweit, mit dem Titel ",Verfluchte anatolische Bergziegenkacke'. Oder wie mein Vater sagen würde: Wenn die Wut kommt, geht der Verstand".

"Mein Land und mein Volk" (1935) von Yutang Lin ist bis heute das Standardwerk über China. Es erklärt das chinesische Verständnis von Kunst, Religion, Familie, der Stellung von Mann und Frau sowie chinesische Konzepte des politischen Lebens. W. E. Süskind übersetzte das englischsprachige Original bereits kurz nach dem Erscheinen ins Deutsche. Der Duisburger Professor Thomas Heberer hat das Werk nun neu herausgegeben. Seine Lesung ist am 23. November. Und am 8. Dezember liest der bewährte Schauspieler Wolfgang Hinze seine gekürzte Fassung des Theaterklassikers "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing, über die Utopie einer Verständigung der drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam.

Die großartige Übersetzerin und Vorleserin Elisabeth Edl liest hier am 18. Januar aus ihrer Übersetzung des Romans "Gräser der Nacht" des Literatur-Nobelpreisträgers Patrick Modiano. Als Kontrast präsentiert Kai Magnus Sting dann am 18. Februar seinen kabarettistischen Kriminalroman "Leichenpuzzle". Zum Abschluss am 22. April unterhält sich Iris Radisch mit Wolfgang Schwarzer über ihr jüngstes Buch "Die letzten Dinge", das sind Lebensendgespräche mit betagten Schriftstellern und Philosophen.

(hod)
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