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Duisburg: Link macht Müll zur Chefsache

Duisburg : Link macht Müll zur Chefsache

Der OB eilte am Donnerstag nach Bergheim, um sich über die Zustände in dem Hochhaus zu informieren, in dem Rumänen und Bulgaren leben. Er war von Mitteilungen, dass dort Berge von Unrat lägen, alarmiert worden.

Säckeweise Müll und Unrat, Elektroschrott, Sperrabfälle: Ein unappetitliches Bild bot sich Anwohnern zu Beginn dieser Woche in Bergheim. Vor der Wohnanlage an der Straße In den Peschen, in denen Rumänen und Bulgaren leben, türmte sich ein gewaltiger Müllberg. Letzte Reste waren noch Freitagmorgen zu sehen. Die zuständige Hausverwaltung wirft den Wirtschaftsbetrieben Duisburg (WBD) vor, den Abfall wochenlang und teilweise unbegründet nicht abgefahren zu haben. Mehrfach habe man auf eigene Kosten zusätzliche Container aufstellen lassen, "weil die Müllabfuhr einfach nicht gekommen ist", heißt es. Inzwischen sei ein Rechtsanwalt damit beauftragt worden, die Ansprüche durchzusetzen. Weitere Kosten würden den Wirtschaftsbetrieben in Rechnung gestellt.

Zwangscontainer aufgestellt

Die Beschuldigten weisen diese Vorwürfe weit von sich. "Der Eigentümer hat eine gewisse Anzahl an Containern, die offensichtlich nicht ausreichen", sagt eine WBD-Sprecherin. Die Situation hätte sich in der Vergangenheit so zugespitzt, dass bereits mehrfach Zwangscontainer aufgestellt worden sein, also Müllbehälter, die die Wirtschaftsbetriebe von sich aus nach Bergheim gebracht haben und nun dem Eigentümer sicherlich in Rechnung stellen werden.

Im Angesicht des Müllbergs hat Karsten Vüllings, der für die Bürgerlich-Liberalen in der Bezirksvertretung Rheinhausen sitzt, einen Brandbrief an Oberbürgermeister Sören Link (SPD) geschrieben. Darin spricht er von "Anti-Werbung" für die Stadt. "Ich kann den Anwohnern keine Antworten geben", klagt Vüllings, "diese Hilflosigkeit macht mich wütend." Die tägliche "Müllpatrouille" der Abfallaufsicht sei zwischenzeitlich von "höherer Ebene gecancelt" worden, behauptet er.

Dem widerspricht die Verwaltung: Die Abfallaufsicht sowie die Streifen des Ordnungsamtes seien täglich vor Ort, so eine Sprecherin: "Wir haben an keiner anderen Stelle in der Stadt so einen Personaleinsatz wie dort." Um mit den Mitarbeitern zu sprechen, eilte OB Link am Freitag eigens nach Bergheim. "Ich war heute vor Ort, weil es mir wichtig war, ein Bild von der Problematik zu bekommen. Ich kann die Frustration der Anwohner gut verstehen. Ich möchte aber versichern, dass die Kollegen vom Außendienst des Ordnungsamtes, die Abfallaufsicht und die Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Probleme vor Ort in den Griff zu bekommen." Die Mittel, die der Stadt zur Verfügung stehen, würden voll angewendet. "Es ist allerdings auch klar, dass wir als Stadt keine 24-Stunden-Überwachung leisten können." Die Stadt geht beispielsweise mit Bußgeldern wegen illegaler Müllablagerung gegen den Eigentümer vor.

Doch die Sorge, dass sich hier ein "Brennpunkt" entwickelt, ist offenbar groß. Der Unmut vieler Nachbarn richtet sich seit langem gegen die Bewohner des Hauses, die überwiegend aus Rumänien und Bulgarien stammen. Angeblich nutzen bereits rechte Gruppierungen die Situation, um mit fremdenfeindlichen Postwurfsendungen im Umfeld Hass zu schüren. Im Sommer hatte das Jugendamt fünf Kinder aus dem Haus geholt, weil sie sich dort unbetreut aufhielten.

Dass es Probleme gegeben hat, gibt die Hausverwaltung zu. Inzwischen habe man aber damit begonnen, Personen, die dort nicht gemeldet sind, und "Störenfriede" aus dem Haus zu entfernen. Zudem werde es keinen weiteren Zuzug von Osteuropäern geben, verspricht sie.

(RP/ac)