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Duisburg: Lieder zum Schmunzeln und Nachdenken

Duisburg : Lieder zum Schmunzeln und Nachdenken

Der Liedermacher Helmut Meier war zu Gast in seiner alten Heimat Rheinhausen. Im Komma-Theater besang er mal gesellschaftskritisch, mal ausschweifend detailreich die Welt in ihrer Unzulänglichkeit und Schönheit.

Auf Besuch in der alten Heimat ließ es sich der Rheinhauser Musiker Helmut Meier nicht nehmen, auch für seine erwachsenen Fans ein Konzert zu geben. Der mit Kinderliedern erfolgreiche Wahl-Hamburger, der in den vergangenen Tagen mit der "Kinderliederlandschaft" unterwegs war in Duisburg und am Niederrhein, präsentierte jetzt im Komma-Theater sein Programm "Eisbrecher — Lieder, Songs, Chansons". Aus alten und neuen Texten hat Meier ein Programm zusammengestellt, in dem es um Wege, Begegnungen und den kurzen Moment des Ankommens geht. Mal gesellschaftskritisch, mal ausschweifend detailreich besingt Meier die Welt in ihrer Unzulänglichkeit und Schönheit.

Den intimen Kreis der Zuschauer betrat Meier von hinten, a capella singend durch den Besuchereingang und schlenderte auf die kleine Bühne, auf der lediglich ein Mikrofon, die Gitarre und ein Stuhl von den Scheinwerfern angestrahlt wurden. Spitzzüngig besang er das Warten auf einen Anschlusszug am Münchener Hauptbahnhof. Mit jeder Strophe entführte Meier seine Zuhörer mehr und mehr an seinen Tisch in dieser Wartehalle, zeichnete die Eindrücke mit seinen Worten so genau, dass es einem vorkam, als säße man mit ihm dort.

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"Damit das alles nicht zu ernst wird, gibt es zwischendurch immer wieder einen Text aus dem Fellbacher Amüsiergewerbe", erklärte Meier nach dem ersten von mehreren Chansons seines Programms und versah die Ankündigung seiner Klamauk-Texte aus seinem Kabarett-Programm mit einer Bitte: "Denkt nicht darüber nach, es lohnt sich nicht." Die kurzen Stücke, die sperrige Titel tragen wie "Unverhoffter sozialer Aufstieg" oder "Die Alternative — Geschlechterspezifisches Rollenverhalten und daraus resultierende Auswirkungen auf die Getränkeauswahl" ließen die Zuhörer schmunzeln. Wahrlich nichts, was zur tieferen Analyse einlädt, denn Meier beschreibt in diesen kleinen Einspielern eine Barsituation par excellence.

Wehmütig besang er eine vergangene Liebe, widmete ihr Zeile für Zeile in gleich drei aufeinanderfolgenden Liedern, erzählte von flüchtigen Momenten und dem nur langsam verhallenden Nachklang der Begegnung. Texte, so melancholisch und metaphernreich, dem schönsten französischen Klagelied würdig und dabei dennoch irgendwie nicht schwülstig. Bestimmt schwer, als Besungene bei diesen Worten nicht wieder schwach zu werden. Offensichtlich gehört sie zu einer der Personen, die seine Lieder nicht kennen, denn ansonsten ist Meier nicht bescheiden bezüglich der Wirkung seiner Musik: "Ich habe immer daran geglaubt, dass meine Lieder die Welt verändern. Merkt nur nicht jeder. Klar, kennt ja auch nicht jeder." Eigentlich schade, denn sein Anti-Atomkraft-Song ("Das schönste Atomkraftwerk steht in Kalkar"), in dem er das "Kühlturm-Kettenkarussell" preist, ist es wert. Ebenso, um von der befriedigenden Wirkung des Baggerfahrens zu erfahren: "Bagger fahren ist witzig / Bagger fahren ist schön / das kann man im Gesicht / des Baggerfahrers sehen / Bagger fahren ist herrlich / Bagger fahren macht Spaß / wo so ein Bagger hinrollt /wächst in nächster Zeit kein Gras."

(son)