Libanesen und Roma-Clan arbeiten zusammen

Duisburg : Libanesen und Roma-Clan arbeiten zusammen

In Duisburg-Marxloh haben eine kriminelle libanesische Großfamilie und ein Roma-Clan eine Allianz geschlossen. "Die Roma begehen die Diebstähle, und die Libanesen fungieren als Hehler und setzen die Ware ab", sagte ein Bezirksdienstbeamter der Polizeiwache Marxloh unserer Redaktion.

"Das ist ein neues Phänomen. Und wir beobachten diese Veränderung mit Sorge", betonte er. Demnach gebe es in dem Stadtteil im Duisburger Norden derzeit zwei große libanesische Großfamilien, die gegeneinander arbeiteten. "Diese Gruppierungen beanspruchen das Gebiet jeweils für sich. Das heißt, sie teilen es untereinander auf", sagte der Duisburger Polizist. Und eine der Familien habe sich mit den Roma, die über mafiöse Strukturen verfügten, nun Unterstützung geholt.

Polizei in Bedrängnis

Bei den Roma handelt es sich vor allem um Armutsflüchtlinge aus Rumänien, die in Marxloh zu Tausenden in Schrottimmobilien wohnen. "Wir geraten da bei Einsätzen gelegentlich in Bedrängnis", sagte der Beamte. Von einer sogenannten No-go-Area in Marxloh will er aber nicht sprechen. "Die gibt es nicht. Wir trauen uns überall hin", betonte der Beamte. "Natürlich muss man abends etwas vorsichtiger sein. Aber rechtsfreie Räume sind das nicht."

Nach einer Reihe von Übergriffen von kriminellen Ausländern auf Polizisten in Marxloh im vergangenen Jahr werden die Beamten dort seit vielen Monaten von der Bereitschaftspolizei unterstützt. Nach Angaben der Behörden sei durch die erhöhte Präsenz die Straßenkriminalität zurückgegangen. "Das hat sich auf jeden Fall positiv ausgewirkt.

Darum werden die Landeskollegen uns auch in Zukunft weiter unterstützen", so der Polizist. Die vom Land angekündigte Videoüberwachung berüchtigter Plätze in Marxloh ist hingegen immer noch nicht in Betrieb.

Der Fall wird nun auch Thema im Düsseldorfer Landtag. "Diese unheilige Allianz macht deutlich, dass sich in Duisburg-Marxloh kriminelle Strukturen immer weiter verfestigen", sagte CDU-Innenexperte Gregor Golland. "Diese Gruppierungen schicken sich vor Ort offenbar an, das staatliche Gewaltmonopol auszuhöhlen und den Stadtteil unter sich aufzuteilen", so der Unionspolitiker weiter. Auf Antrag der CDU-Landtagsfraktion muss sich deshalb Innenminister Ralf Jäger (SPD) in der nächsten Sitzung des Innenausschusses zu der Situation in Marxloh äußern. "Kriminelle Allianzen dürfen in unserem Bundesland keinen Platz haben", so Golland. Der Minister dürfe davor nicht weiter die Augen verschließen.

Die Duisburger Polizei hat am Mittwoch zu den Berichten Stellung genommen. In einer Pressemitteilung heißt es, dass die "'Zusammenarbeit zwischen Libanesen und Roma-Familienclans in Marxloh' kriminalfachlich nicht zu belegen" sei. Die Aussage basiere auf der persönlichen Einschätzung eines Bezirksbeamten, die sich mit Fakten, konkreten Zahlen oder Daten nicht untermauern lasse.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Nachts unterwegs in Duisburg-Marxloh

(csh)
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