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Duisburg: Lesung: Erinnerung an Helmut Schrey

Duisburg : Lesung: Erinnerung an Helmut Schrey

Zur Erinnerung nach seinem Tod hatte sich Helmut Schrey (1920-2012) keine akademische Feier an der Duisburger Universität gewünscht, sondern eine Lesung in der Zentralbibliothek. Jetzt war es mit Hilfe des Vereins für Literatur und Kunst soweit.

Sigrid Kruse und Wilhelm von Hoegen lasen eine Auswahl aus dem literarischen Werk des Verstorbenen, musikalisch umrahmt von den Philharmonixx: Martin Schie (Oboe), Laszlo Kerekes (Fagott) und Christoph Lamberty (Schlagzeug).

Den wesentlichen Teil seines Berufslebens verbrachte Helmut Schrey in Duisburg - als Professor für Anglistik an der Abteilung Duisburg der Pädagogischen Hochschule Ruhr, Gründungsrektor und Anglistik-Professor an der Gesamthochschule Duisburg (1972-1975) und Vorsitzender des Vereins für Literatur und Kunst (1978-1990). Neben diesen kräftezehrenden Arbeiten nahm er sich die Zeit, zu schreiben und Bücher zu veröffentlichen - nicht nur wissenschaftliche, sondern auch schöne Literatur. Im Laufe der Jahrzehnte entstand ein umfangreiches Werk aus Aphorismen, Gedichten, Kurzgeschichten, Erzählungen, Romanen und Lebenserinnerungen.

Bei der Lesung wurde klar, dass Helmut Schrey weit mehr war als ein lokaler Literat, nämlich ein vorzüglicher Autor. Philosophische Tiefe verbindet sich in seinen Schriften mit einem kauzigen niederrheinischen Humor und nicht zuletzt einer schnörkellosen Sprache. Das begann mit einem Ausschnitt aus seiner Autobiografie "Abgesang", in der sich Schrey zur "lebenslangen Verurteilung" zum Aufenthalt in Bibliotheken bekannte - und zu seiner besonderen Liebe eben zur Duisburger Stadtbibliothek. Das wurde hier natürlich gelesen von Sigrid Kruse, die damals ja dort tätig war. Kurios übrigens, dass Helmut Schrey ausgerechnet gegen Druckerschwärze allergisch war - und zwar vor allem bei Büchern seines Fachgebiets, der englischen Literatur des 17. und 18. Jahrhunderts. Gut auch jene von Wilhelm von Hoegen gelesene Kurzgeschichte aus dem Band "Peter Schlemihls Erben", in der sich ein ganz "normaler" Mensch in einer immer altmodischer werdenden Umgebung wiederfindet. Es beginnt damit, dass er von einer vierspännigen Staatskarosse mit zwei Kammerdienern ins Büro und wieder zurück gefahren wird. Bis er schließlich einmal mit der Karosse weiter fährt - zur Grenze des "Vergnügungsparks".

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Helmut Schreys Stimme war in der Zentralbibliothek auch von CD zu hören. In seinen Aphorismen nahm er Redensarten beim Wort. Zum Beispiel die vom Splitter im Auge des anderen, den man im Gegensatz zum Balken im eigenen Auge wahrnimmt: Aus den Balken könne er sich eine Blockhütte bauen, aus den Splittern würden allenfalls Zündhölzer - mit denen könne er aber die Blockhütte anzünden.

Angemessen erschien auch die Umrahmung durch die Philharmonixx und ihre ironisch-barocken, dezent swingenden Stücke der Marke Eigenbau.

(hod)