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Sören Link renoviert Räume für 40.000 Euro: Leser haben kein Verständnis für teures OB-Büro in Duisburg

Sören Link renoviert Räume für 40.000 Euro : Leser haben kein Verständnis für teures OB-Büro in Duisburg

Geht es um hohe städtische Ausgaben in Zeiten klammer Kassen, reagieren die Bürger meist aufgebracht. So gehen auch unsere Leser hart mit dem Oberbürgermeister Sören Link ins Gericht, der sein Büro für mehrere zehntausend Euro renovieren ließ.

Unter den Stimmen finden sich viel Kritik und Häme, aber auch Verständnis für die kostspielige Umgestaltung. Ein Zusammenschluss ehemaliger OB-Kandidaten hat erste Ideen, wie die Einrichtung sinnvoll genutzt werden könnte.

 Teil der neuen Einrichtung ist auch ein moderner Bürostuhl.
Teil der neuen Einrichtung ist auch ein moderner Bürostuhl. Foto: Archiv

Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, hat der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg ein Jahr nach seinem Amtsantritt eine Umgestaltung seines Arbeitszimmers im Rathaus vornehmen lassen. Neben modernen Büromöbeln wurden auch Glaspaneele angeschafft, an denen Pläne, Karten und Notizen angebracht werden können. Die Kosten belaufen sich insgesamt auf 40.000 Euro. Bei der Umgestaltung mussten strenge Regeln eingehalten werden — das Rathaus und seine Zimmer stehen unter Denkmalschutz.

Leser über scharfe Kritik am Oberbürgermeister

Die Leser auf RP Online haben sich im Kommentarbereich sehr kritisch über die in ihren Augen hohen Ausgaben geäussert. Unverständlich ist für viele, dass so viel Geld in die Hand genommen wird, während im Kommunalhaushalt an allen Ecken und Enden gespart werden muss. Einige Leser ziehen aber auch Parallelen zur aktuellen Nachrichtenlage und sind froh darüber, dass es in Duisburg keinen Bischof wie Franz-Peter Tebartz-van Elst aus dem Bistum gibt, dessen Bischofssitz mindestens 31 Millionen Euro gekostet haben soll.

Was man für 40.000 Euro auch finanzieren könnte

  • Von Tebartz-van Elst : Das ist der umstrittene Bischofssitz von oben
  • Übersicht : So leben die deutschen Bischöfe
  • Nach Affaire Franz-Peter Tebartz-van Elst : Der Lebensstil deutscher Bischöfe

Unser Leser Jürgen Ehls fragt nach der Verhältnismäßigkeit der Ausgaben: "Liebe SPD Wähler, überlegt mal, wie lange Ihr arbeiten müsst, um 40.000 Euro netto in der Tasche zu haben. Die braucht Euer OB allein nur zum Protzen." Andere Leser wie der Nutzer mit dem Namen "bürger1" fragen sich, wofür man 40.000 Euro innerhalb der Stadt Duisburg sonst ausgeben könnte. Er schreibt: "Für eine Restlaufzeit von knapp vier Jahren machen das doch nur schlappe 830 Euro im Monat. Das könnte auch eine schlecht bezahlte Kindergärtnerin sein." Ironisch merkt er an, dass es auch noch schlimmer kommen könnte, wenn er sagt: "Nur gut, dass Duisburg keinen Bischof hat!"

Sauerland saß noch an historischem Schreibtisch

Während sein Amtsvorgänger Adolf Sauerland noch an und auf historischen Möbeln gearbeitet hat, sind unsere Leser verwundert darüber, dass Link nun anderes Material benötigt. Der Leser mit dem Benutzernamen "dicker meyer" kommentiert: "Bis zu seiner Wahl zum Duisburger Oberbürgermeister war Soren Link Oberinspektor bei der Bezirksregierung Düsseldorf und saß in einem ganz einfach und normal ausgestatteten Büro. Aber kaum ist er auf der Kraft- und Parteischiene nach oben gerückt, betrachtet er so wie viele Genossen dieser Art den Staat als persönliche Beute."

Der User "hansreiner" schreibt zudem: "Jetzt kapier' ich auch, warum in Duisburg kein Projekt vorankommt: Die Verwaltungsspitze konzentriert sich voll und ganz auf die Entwicklung ihrer Büros. Die liegen zwar auch in der Innenstadt, aber unter Innenstadtentwicklung versteht man eigentlich etwas anderes." Der Nutzer "Blitzreinigung Yilmaz" ergänzt: "Und was möchte der Mann an die teuren Glaswände hängen? Zeichnungen seiner Luftschlösser oder die Bilanzen seines Versagens?"

Professionalität hat seinen Preis

Neben Kritik und Häme gibt es aber auch Verstädnis für Sören Link. Thomas Quirder ist der Meinung: "Auch wenn ich Herrn Link sonst gerne kritisiere, aber für den obersten Repräsentanten einer großen Stadt muß es erlaubt sein, sein Büro mit repräsentativen Möbeln auszustatten. Auch wenn 40.000 Euro sehr teuer erscheinen, das kosten nun einmal professionelle Büro- und Konferenzmöbel." Auch wenn die Ausstattung an sich zweckmäßig scheint, so hätte sich der Nutzer "Im Dellviertel" eine andere Art der Beschaffung gewünscht und verweist auf die stadteigene Gemeinnützige Gesellschaft für Beschäftigungsförderung. Er sagt: "Dort werden zum Beispiel auch TischlerInnen oder HolzbearbeiterInnen ausgebildet. Oder bei der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung gemeinnützige GmbH. Hier hätte Herr Link sich hervortun können, und seine hehren Ansprüche an die Zukunft der Jugendlichen in Aufträge gießen können."

Ehemalige OB-Kandidaten üben Kritik

Ein Zusammenschluss ehemaliger Oberbürgermeister-Kandidaten hat sich unter der Führung von Rudolf Kley, Bezirksvertreter der Bürger-Union, zum aktuellen Thema zu Wort gemeldet. Die Gruppe begrüßt die Anbringung der Glaspaneele. Sie schlägt vor, dort eine Resolution anzubringen, in der die ehemaligen Kandidaten anprangern, dass sie während der Wahl im Jahr 2012 zu Veranstaltung der Stadt und stadtnahen Organisationen nicht eingeladen worden seien.

(ac)