Lehrermangel: In Duisburg fallen 5160 Schulstunden pro Woche aus

Lehrermangel: In Duisburg fallen 5160 Schulstunden pro Woche aus

Lehrer, Eltern und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schlagen Alarm: Zuletzt konnte in der Stadt nur noch jede dritte offene Lehrerstelle besetzt werden. Die Rede ist von einer „Bankrotterklärung“ der Landespolitik.

Ilka Heipcke brachte die dramatischen Auswirkungen der Lehrerversorgung an Duisburger Schulen auf den Punkt: „Aufgrund nicht besetzter Stellen fallen in Duisburg in allen Schulformen jede Woche 5160 Unterrichtsstunden aus“, sagte am Mittwoch die Vorsitzende der Elternschaft Duisburger Schulen (EDUS). Gemeinsam mit Vertretern der Schulleitungen der Duisburger Schulen und GEW-Funktionären stellte sie die aktuellen Zahlen des Lehrkräftemangels an den Duisburger Schulen und deren Auswirkungen vor. Für das Land bedeuteten die ausgefallenen Stunden eine rechnerische Einsparung von rund 731.500 Euro pro Woche. Am schlimmsten betroffen sind vor allem die Grund- und Förderschulen sowie die Einrichtungen in sozialen Brennpunkten. Das Grundproblem: Lehrer werden nicht zugewiesen, sondern bewerben sich auf ausgeschriebene Stellen – und offensichtlich wollen viele nicht nach Duisburg, schon gar nicht in bestimmte Stadtviertel.

Zuletzt waren an Duisburger Grundschulen 201 Stellen zu besetzen, eingestellt wurden 89 Lehrer. Das entspricht zwar rechnerisch 44 Prozent, doch in diese Statistik der Bezirksregierung sind auch Sonderpädagogen eingerechnet worden, die nur zusätzlich eingesetzt werden. So kommt die GEW nur auf eine Besetzung von 34 Prozent. „Nur jede dritte offene Stellen an einer Duisburger Grundschule ist besetzt worden“, kritisiert Duisburgs GEW-Vorsitzender Norbert Müller. „Eigentlich gehören nach Duisburg die landesweit besten Lehrer, weil wir hier die größten Probleme haben.“ Die GEW des Landes gab der Stellenbesetzung in NRW eine Vier minus, in Duisburg sei die Situation noch schlechter. Die Landesregierung habe das Problem, die Aufgabenstellung überhaupt nicht zu verstehen. Martin Fey, Sprecher der Schulleitungen in Duisburg, sprach von einer „Bankrotterklärung“ der Landesschulpolitik.

Die GEW fordert ein anderes Zuweisungssystem mit einer bedarfsgerechten Zuweisung: Lehrer sollten dort arbeiten müssen, wo sie am meisten gebraucht werden – ähnlich wie es bei der Polizei der Fall ist. Ein Sozialindex für alle Städte und Kreise könnte festlegen, wo der Bedarf am größten ist. Außerdem könne man Lehrer mit einer zusätzlichen Besoldung dorthin locken. Eine klare Absage gab es an das Seiteneinsteiger-Programm, bei dem zum Beispiel gelernte Techniker Fachunterricht erteilen. Dies löse nicht die wirklichen Probleme. „Wir brauchen qualifizierte Klassenlehrer“, so Martin Fey. An der Sekundarschule Rheinhausen ginge es ohne die vielen Seiteneinsteiger gar nicht mehr. Der Förderschullehrer Torsten Marienfeld beklagte die große Verteilungsungerechtigkeit bei Lehrerstellenbesetzungen: „Wir verstehen nicht, warum Duisburg so fallengelassen wird. Mir helfen keine Vertreter oder Seiteneinsteiger, ich brauche Sonderpädagogen.“ An der Motivation der Lehrer mangele es nicht: „Wir legen uns krumm, weil es ja schließlich um die Kinder geht. Was das für den künftigen Krankenstand und weitere Unterrichtsausfälle bedeutet, kann sich jeder denken.“

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