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Duisburg: Lehrer fordern Gerechtigkeit

Duisburg : Lehrer fordern Gerechtigkeit

Gestern streikten die Lehrer bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Die GEW fordert acht Prozent mehr Lohn für die Angestellten. Der Verein Schall will mehr: Gleicher Lohn für Angestellte wie für Beamte.

Menschen mit knalligen, selbst bedruckten T-Shirts — das kennt man an Schulen eigentlich nur, wenn Abi-Scherz ist. Also wenn die Schüler ihre Abitur-Prüfungen hinter sich haben, ordentlich feiern und zur Freude ihrer Mitschüler die Lehrerschaft aufs Korn nehmen.

Gestern waren es rund 40 Lehrer, die sich mit knallblauen T-Shirts am Eingang des Friedrich-Albert-Lange-Berufskollegs in der Stadtmitte versammelt hatten. Aber ein Scherz sollte das in diesem Fall nicht sein. Im Gegenteil: "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" stand auf den T-Shirt-Rücken. Und vorne: "SchaLL". SchaLL ist die "Schutzgemeinschaft angestellter Lehrerinnen und Lehrer NRW". Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) habe die Forderung auf Gleichbehandlung der angestellten Lehrer jahrelang nicht übernommen, erklärte Heinz-Werner Müller.

Der Realschullehrer und SchaLL-Mitglied ist an diesem Vormittag extra aus Moers angereist, um an diesem Streiktag auf die Forderungen von Schall aufmerksam zu machen. Die Forderung der GEW nach acht Prozent mehr Lohn für die Angestellten reicht ihm nicht aus.

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Ärger über Ungleichheit

Die Ungleichheit ärgert auch Klaus Schönitz, Lehrer am Friedrich-Albert-Lange-Berufskolleg. Der studierte Bauingenieur hat nach dem Fachstudium an der Uni extra noch Pädagogik drangehängt, um seinen Schülern bestmöglich gerecht zu werden. "Im Alter von 36 Jahren und einem Monat wollte ich mich dann verbeamten lassen", erzählte er gestern. Geklappt hat das nicht: Denn 35 Jahre ist die Obergrenze für eine Verbeamtung. "Jetzt läuft die Einzellfallprüfung", sagte Schönitz.

Kollegin Renate Koch unterrichtet am Berufskolleg Maschinentechnik. "Fast jeder vierte Kollege an unserer Schule ist nicht verbeamtet", weiß sie. Sie glaubt: "Wir müssen in der Öffentlichkeit erst einmal darauf aufmerksam machen, dass wir die gleiche Arbeit für weniger Geld machen". In ihrem Fall machten das immerhin monatlich rund 500 Euro netto aus. Dass an diesem zweiten Streiktag der angestellten Lehrer "einiges an Unterricht ausfalle", dafür hätten sowohl Schüler als auch Kollegen viel Verständnis, lobte sie.

Schüler zeigen Verständnis

Der 18-Jährige Eugen Petrov beobachtet mit einigen Schulkollegen aus einiger Entfernung die Protestversammlung. Er bereitet sich an der Schule derzeit auf die Fachoberschulreife vor. "Ich verstehe meine Lehrer", sagte er, "Das ist, als ob du eine überbetriebliche Ausbildung machst, da kriegst du auch weniger Geld als die, die in betrieblicher Ausbildung sind."

Am Hauptbahnhof trafen die SchaLL-Lehrer dann zum Demonstrationszug in Richtung Rathaus auf die GEW-Kollegen. Mit Transparenten bewaffnet ("Warum sind Angestellte Lehrer zweiter Klasse?", "Education is not for sale") versammelten sie sich alle gemeinsam vor dem Rathaus.

Danach starteten die rund 150 Teilnehmer dann zum Besuch der streikenden Kollegen an der Heinrich-Böll-Hauptschule in Meiderich.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Lehrerstreik in NRW

(RP)