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Duisburg: "Lange Leitung" im Angerbogen

Duisburg : "Lange Leitung" im Angerbogen

Die Bewohner der Siedlung im Huckinger Angerbogen sind mit der Geschwindigkeit ihrer Internetanschlüsse unzufrieden. Eine Aufrüstung auf "VDSL 50" wäre das Ziel – doch die Chancen stehen schlecht.

Die Bewohner der Siedlung im Huckinger Angerbogen sind mit der Geschwindigkeit ihrer Internetanschlüsse unzufrieden. Eine Aufrüstung auf "VDSL 50" wäre das Ziel — doch die Chancen stehen schlecht.

Mit Hochgeschwindigkeit durch das Internet surfen, online Videos anschauen, Chatten und Skypen — mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Das sollte man zumindest meinen. Es gibt jedoch immer noch Bereiche, die nicht von schnellen DSL-Leitungen profitieren. Dazu gehören die Anwohner der noch jungen Siedlung im Huckinger Angerbogen.

Wer die modernen Häuser, vielfach mit energiesparenden Elementen ausgestattet, von außen sieht, kann sich kaum vorstellen, dass die Bewohner nach heutigen Maßstäben durch das World Wide Web "tuckern" müssen. Der Breitband-Ausbau ist in diesem Bereich schlichtweg noch nicht angekommen. Um dies zu ändern, gründete Patrick Staczan Mitte September vergangenen Jahres die Bürgerinitiative "Schmalband-Insel Angerbogen". Über die eigens eingerichtete Homepage und Postwurfsendungen informierte er seine Nachbarschaft über sein Vorhaben und erhielt innerhalb kürzester Zeit Antwort von 60 Haushalten, die Interesse an einem schnelleren Internet haben.

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Als Vorbild dienten dabei Bewohner des Stadtteils Serm. Dort bestand bis Mitte vergangenen Jahres ein sehr ähnliches Problem. Der Bereich rund um die Ziegelei, das Areal zwischen den Straßen Breitenkamp, Dorfstraße und Am Klapptor, war nämlich seinerzeit bei der Verkabelung einige Jahre zuvor einfach vergessen worden. Damit waren viele Bürger von der schnellen Datenautobahn regelrecht ausgesperrt. Statt der mittlerweile garantierten Raten von 25 bis 50 Megabits wurden lediglich 348 Kilobits übertragen.

In den ersten Häuserreihen der Siedlung im Angerbogen kann laut Patrick Staczan DSL 6000 empfangen werden. "Ich arbeite oft von zu Hause aus. Wenn eine Konferenz ist, kann ich mich nur über die Stimme einwählen. Es gibt keine Chance, einen HD-Film zu schauen und auch in den Mediatheken hakt es", berichtet der studierte Informatiker. Bei vielen seiner Nachbarn käme lediglich DSL 3000 an. In einigen Häusern sei sogar zeitweise kein DSL-Signal messbar. Probleme gibt es auch mit Fernsehangeboten der Telekom. "Das geht erst ab DSL 16 000", so Staczan. Trotzdem habe die Telekom mit Bewohnern der Siedlung solche Verträge abgeschlossen, die sie aufgrund der geringen Bandbreite jetzt nicht erfüllen kann. Aus Kulanz wurden einige Häuser mit Satellitenschüsseln ausgerüstet.

Patrick Staczan stellte einen Kontakt zur Telekom her. Eine Arbeitsgruppe sollte die Kosten für die Nachrüstung berechnen und eine Informationsveranstaltung für die Bewohner durchführen. Nach sechs Wochen kam dann die ernüchternde Nachricht: Das Telekommunikationsunternehmen bezifferte den DSL-Ausbau auf rund 70 000 Euro und erachtete eine Investition in dieser Höhe als "unwirtschaftlich", teilte der Kontaktmann von Patrick Staczan zur Telekom mit. "Wir haben nie ein schriftliches Feedback bekommen. Unser Ziel ist immer noch eine Infoveranstaltung", so der Informatiker.

Die Sermer hatten damals mehr Glück. Der örtliche Bürgerverein schaffte es, mit der Telekom einen privaten Vertrag für 100 Kunden abzuschließen, so dass die Nachrüstung auf VDSL realisiert werden konnte. An diesen Strohhalm können sich auch die Bürger in der Huckinger Siedlung noch klammern. "Wir haben bisher 60 Leute zusammen, machen aber noch einmal kräftig Werbung. Da ist noch Potenzial nach oben", sagt Staczan. Bis zu 200 Haushalte könnte er mit seiner Initiative erreichen.

Eine Garantie für einen Vertragsabschluss nach dem Sermer Vorbild wäre dies jedoch nicht. Ein Telekom-Manager sagte damals, kurz vor der Inbetriebnahme der neuen Leitung in Serm: "Eigentlich kooperiert die Telekom auf diese Art nur mit Kommunen und ähnlichen Institutionen".

Zumindest auf eine Informationsveranstaltung des Unternehmens, in der die Huckinger die Möglichkeit haben, sich zu äußern, können die Bewohner der Siedlung im Angerbogen aber noch hoffen.

(RP)