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Duisburg: Lange auf Jobsuche, jetzt IT-Experte

Duisburg : Lange auf Jobsuche, jetzt IT-Experte

Durch eine Einzelumschulung im Kaufmännischen Berufskolleg gelingt Andreas Milewski der Aufstieg vom Bürohelfer zum IT-Systemelektroniker. Der Förderverein kam für die entstandenen Kosten auf.

Andreas Milewski ist Ernährer einer dreiköpfigen Familie und geschätzter Kollege am Berufskolleg Duisburg-Mitte. So positiv klang die Lebensbeschreibung nicht immer: "Jahrelang habe ich einen Job gesucht. Bis zu 100 Bewerbungen habe ich in zwei Monaten geschrieben." Ihm mangelte es nicht an Motivation, sondern an einem soliden Berufsabschluss.

Mit zahlreichen Ein-Euro-Jobs konnte sich Andreas Milewski (35) über Wasser halten. Nach einer kurzen Zeit als Pfleger im Krankenhaus im St. Anna Krankenhaus hat der Duisburger die Institution wieder verlassen müssen, da der Umgang mit Sterbefällen sich für ihn als schwierig gestaltete. "Damals wurde mir eine Umschulung aufgrund meines Alters nicht genehmigt. Ich war so etwa 24." Daraufhin vermittelte das Jobcenter Duisburg den jungen Mann an das Berufskolleg Duisburg-Mitte, wo er als Bürokraft arbeiten sollte.

Dem Koordinator für Datenverarbeitung Peter Krause fiel Andreas Milewski durch seinen Fleiß und seine enorme IT-Affinität von Anfang an auf: "Einmal war Herr Milewski das ganze Wochenende in der Schule und hat bis Sonntagnacht die Computer repariert, damit sie am Montag wie gewohnt genutzt werden konnten." Auch Schulleiter Erich Sachnik erkannte das Potenzial und die Chance früh: "Mit über 200 Computern und 100 Lehrern besteht ein großer Bedarf an PC-Reparaturen. Uns fehlte einfach ein kompetenter Mitarbeiter." Und so entschieden sich die Beteiligten zu einem eher unkonventionellen Weg: Das Berufskolleg bot Andreas Milewski eine Ausbildung als Systemelektroniker an, die vom Förderverein finanziert wurde. "Ein solches Projekt hat sicherlich Modellcharakter.

Doch eine Einzelumschulung bei einem Arbeitgeber und keine außerbetriebliche Umschulung bei einem Bildungsträger ist schwer zu finanzieren, und es gibt zahlreiche bürokratische Hürden", sagt Norbert Maul, Geschäftsführer des Jobcenter Duisburg. Ab und zu helfe Andreas Milewski auch in der benachbarten Grundschule aus, denn diese könne sich eine interne Umschulung eines Mitarbeiters nicht leisten. Die 2011 begonnene und nun abgeschlossene Berufsausbildung habe insgesamt rund 70 000 Euro gekostet. Außerdem seien die Schulen, so Erich Sachnik, verpflichtet, die ihnen zustehenden Gelder nur für bestimmt Zwecke einzusetzen. Einen Topf für interne Umschulungen gebe es nicht.

Das Berufskolleg konnte von ihrem finanzkräftigem Förderverein profitieren: "Es ist eine Win-Win-Situation auf beiden Seiten. Wir haben nun einen fleißigen und kompetenten Mitarbeiter, an den sich unsere Lehrer gerne wenden — und Herr Milewski hat eine berufliche Perspektive und einen Arbeitsvertrag über drei Jahre in der Tasche."

Milewski selbst sagt dazu: "Ich bin sehr dankbar, dass mir so viel Vertrauen entgegen gebracht wurde. Am Anfang war ich etwas skeptisch, unter vielen jungen Leuten wieder die Schulbank zu drücken. Doch die vergangenen zwei Jahre waren sehr interessant und wertvoll. Und heute kann ich endlich in meinem Traumberuf arbeiten."

(RP)