Duisburg: Land gibt Zeltstadt offenbar wieder ab

Duisburg : Land gibt Zeltstadt offenbar wieder ab

Die Kosten für den Ausbau von Kanalisation und Stromversorgung seien zu hoch, so die Begründung. Das verwundert Sozialdezernent Reinhold Spaniel. Die Stadt muss die Einrichtung jetzt wohl erst einmal wieder übernehmen.

Das Land will die Zeltstadt am Kerskensweg in Walsum nun offenbar doch nicht als eigene Notunterkunft für 200 Flüchtlinge nutzen. Auf den Bau von winterfesten Leichtbauhallen zur mittelfristigen Unterbringung von einer wesentlich höheren Zahl von Menschen, den die Bezirksregierung Düsseldorf erst Anfang September angekündigt hatte, wird wohl ebenfalls verzichtet.

Darüber habe das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das die Einrichtung betreibt, am vergangenen Freitagnachmittag die Flüchtlingshilfe in Kenntnis gesetzt, berichtet Franz Tews, stellvertretender Bezirksbürgermeister von Walsum und ebenfalls ehrenamtlich als Helfer engagiert. Demnach werde sich das Land schon zum 1. Oktober aus dem Betrieb der Zeltstadt zurückziehen, die es erst vor vier Wochen übernommen hatte. Die Kosten für den Ausbau von Kanalisation und Stromversorgung seien zu hoch, habe die Begründung gelautet, berichtet Tews.

Die Duisburger Verwaltung hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine offizielle Kenntnis vom Sinneswandel des Landes. "Ich habe bisher nur davon gehört", so der zuständige Sozialdezernent Reinhold Spaniel gestern. Er erwarte, dass er heute über die geänderte Planung im Detail informiert werde.

Die Nachricht als solche überrasche ihn nicht sonderlich: "Mich kann bei diesem Thema nichts mehr erschüttern." Gleichwohl wundert sich der städtische Beigeordnete über die Begründung: "Die Bezirksregierung ist schließlich in Walsum nicht ins Niemandsland gekommen. Ihre Fachleute waren bei den Gesprächen dabei."

Wie es nun weitergeht mit der Walsumer Zeltstadt, auch darüber werden Stadt und Land in den nächsten Tagen sprechen müssen. Sollte die Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Behörde für die Verteilung der Flüchtlinge keine Alternative für die derzeit 200 Menschen in der Notunterkunft haben, wird möglicherweise die Stadt die Einrichtung zumindest vorübergehend wieder selbst übernehmen müssen.

Auch die Stadt, so Spaniel, habe kurzfristig keine eigenen Kapazitäten, um eine derart große Zahl von Menschen anderweitig unterzubringen. Über die Begründung für die Rückwärts-Rolle wunderten sich auch die 45 ehrenamtlichen Helfer, sagt Franz Tews. "Die elektrische Versorgung hat doch schon vom ersten Tag an nicht gereicht, dauern flogen die Sicherungen raus."

Für Irritationen bei den Helfern habe zuletzt gesorgt, dass der weitere Ausbau der technischen Infrastruktur ins Stocken geriet. Ihr Engagement werden die Ehrenamtlichen in Walsum auf jeden Fall fortsetzen. Wie es mit dem Zeltlager weitergeht, hoffen die Helfer am Dienstag beim Runden Tisch im Martin-Niemöller-Haus (19 Uhr) zu erfahren.

(RP)
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