Kunstverein „Mal-mal im Pott“ wird fünf Jahre alt

Kunstverein „Mal-mal im Pott“ : Sechs lebhafte Frauen sorgen für ein gepflegtes Durcheinander

Im Kulturzentrum an der Schwarzenberger Straße arbeitet der Kunstverein „Mal-mal im Pott“. Im kommenden Jahr wird er fünf Jahre alt. 

Da ist etwa Barbara Höpper. Sie hält die Welt mit der Kamera fest. Ihre Fotografien zeigen Duisburger Hochöfen, digital verfremdet. Daneben fällt der Blick auf Grönlands wilde Natur, gestochen scharf in Szene gesetzt. Man kann das Eis fast knacken hören. Ein anderes Beispiel ist Ursula Kemper. Sie arbeitet abstrakt, Farben und Lack verbinden sich bei ihr mit Treibholz aus dem Rhein zum Kunstobjekt. Oder Petra Bär. Sie malt farbenfrohe Acryl-Porträts von Rockstars wie Mick Jagger und David Bowie. Vielfalt zeichnet sie aus, die Gruppe Künstlerinnen, die im Obergeschoss des Kulturzentrums an der Schwarzenberger Straße zusammengekommen ist. 2019 feiert „Mal-mal im Pott“ das fünfte Jubiläum. Ortstermin bei Rheinhausens einzigem Künstlerverein – oder vielmehr: Künstlerinnenverein.

Im Atelier herrscht ein gepflegtes Durcheinander. Ein Geräuschpegel von sechs lebhaften Frauen plus Hund – ringsherum Tische voller Farbtuben. An der Wand hängen einige Collagen. Beim letzten Workshop dienten sie als Anschauungsmaterial, erzählt Vereinschefin Marlies Meier-Freuken. In dem Raum mit den hohen Fenstern wird nämlich nicht nur Kunst geschaffen, sondern auch vermittelt. Regelmäßig starten Workshops. Wobei die Frauen froh sind, dass überhaupt wieder irgendetwas starten kann. Bei einem Wasserschaden wurden im Sommer viele Arbeiten zerstört. Für die Künstlerinnen ein Schock. Inzwischen ist alles wieder halbwegs hergerichtet.

Geteiltes Leid, geteilte Freud’. 2014 entstand auf Marlies Meier-Freukens Initiative der Verein „Mal-mal im Pott“. Die Vorteile liegen auf der Hand. Zusammenhalt macht stark und mutig. Und er eröffnet Horizonte. „Man bekommt ein Feedback, das ist hilfreich“, erlebt Höpper, die Fotografin. Außerdem wirkt der Verein als Türöffner. Das beweist der gut gefüllte Ausstellungskalender - darunter kleinere Orte wie das H&W Abendcafé in Rumeln, aber auch größere Bühnen wie die Kruppvilla in Bliersheim oder die Villa Rheinperle. Gerade sind sie von einer Schau im Berliner Sony Center zurück, bei der sie schon 2017 gastierten.

Sieben Künstlerinnen waren es anfangs. Die Vereins-Mindestgröße. Heute hat sich die Anzahl verdoppelt, auch einige Männer kamen hinzu. Sie wirken aber eher im Hintergrund, helfen unter anderem beim Transport. Und überhaupt gönnen sich die smarten Ladys manchen Luxus. Drei Jahre verhängten sie einen Mitgliederstopp, da eine derart stimmige, homogene Gruppe entstanden war, dass man befürchtete, den Zusammenhalt aufs Spiel zu setzen. Jetzt sind Neulinge wieder willkommen. Zuletzt stieß Petra Bär mit ihrer Acrylmalerei und Terrier-Mischling Gina dazu. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt Petra Bär, die auch Tierporträts zeichnet und einen Teilerlös dem Tierschutz spendet. „Und die Seele muss lachen. Oder?“

Teilweise kennen sich die Frauen „ewig“. Sie sind zwischen 55 und 76 Jahre – alle sind aus Duisburg oder hier geboren. Einige waren früher Kolleginnen, erzählt Meier-Freuken. Sie ist gelernte Krankenschwester und hat später Malerei studiert. „Von der Kunst kann man leider nicht leben.“ Alle Frauen sind Profis und verdienen Geld mit ihren Werken, aber eben oft nicht genug. Dazu kommt eine bürgerliche Vita, die prägte. Renate Squarr, Schöpferin zarter, expressiver Malerei, ist Versicherungskauffrau. „Ich hätte gern Kunst studiert“, sagt sie, „musste aber von zu Hause aus etwas Vernünftiges lernen.“ Bildhauerei, Malerei, Fotografie – konkret, abstrakt oder beides: Ihre Verschiedenheit empfinden die Frauen als Vorteil.

Am 24. und 25. November beteiligen sich die Künstlerinnen von „Mal-mal im Pott“ an der Art Open in Eschweiler. Am 9./10. Dezember kann man die Frauen im Rahmen des Nikolausmarktes Kunst & Design im Binnenschifffahrtsmuseum in Ruhrort erleben.

(kui)