Duisburg: Kunstsicherung vor dem Durchbruch

Duisburg: Kunstsicherung vor dem Durchbruch

Im Museum Küppersmühle werden sämtliche Kunstwerke einem akribischen Zustandsprotokoll unterzogen, bevor sie aufwendig "eingehaust" oder gut verpackt ins Depot gebracht werden. In der nächsten Woche wird es "ernst".

Zum vorerst letzten Mal konnten wir jetzt die Ausstellungsräume im Museum Küppersmühle betreten. Ab sofort ist das Gebäude für Presseleute und auch für viele Mitarbeiter gesperrt. Die Vorbereitungen für den Durchbruch, bei dem der Altbau mit dem Neubau verbunden wird, kommen in die heiße Phase. Wer zu Hause schon einmal eine Wand hat durchbrechen lassen, weiß, dass damit viel Arbeit und Dreck verbunden ist. Allerdings ist der Aufwand in dem Museum Küppersmühle, wo zahlreiche großformatige Werke von den wichtigsten und (teuersten) Künstlern des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart hängen, im Vergleich zum privathäuslichen Umbau geradezu gigantisch.

Noch relativ harmlos sieht es im Erdgeschoss aus. Dort werden stets die Wechselausstellungen gezeigt. Und wie es nach Ende jeder Wechselausstellung üblich ist, werden die Werke nach und nach von den Wänden abgenommen und für den Transport von einer Spezialfirma gut eingepackt. Bei unserem Besuch waren die Wände im Erdgeschoss schon leer, die Arbeiten von Bernd Koberling, die bis zum 28. Januar gezeigt wurden, stecken in dicken Spezialkartons, zum Teil auch in bruchsicheren Behältern. Sobald die Werke auf dem Weg zu ihren Leihgebern sind, werden im Erdgeschoss die Böden mit Folien, Teppichen und Bodenplatten geschützt.

Foto: apr/Herzog & de Meuron

Das ist notwendig, da bereits in der nächsten Woche schweres Gerät für den Durchbruch zwischen Altbau und Neubau ins Museum geschafft werden muss. Die kleinen Bagger, Hubwagen und sonstigen Gerätschaften auf Rollen könnten den Boden beschädigen. Deshalb die Vorsichtsmaßnahmen auf einer Gesamtfläche von 2500 Quadratmetern.

In den beiden oberen Stockwerken des Museums hängen die Werke aus der ständigen Sammlung. Einige dieser Arbeiten von Markus Lüpertz, Georg Baselitz, Anselm Kiefer oder Gerhard Richter haben Versicherungswerte von vielen Hunderttausend Euro, bisweilen auch mehre Millionen Euro. Die Sammler und auch die Versicherungen wollen verständlicherweise sicher sein, dass sie während der Umbauphase nicht beschädigt werden. Deshalb wird von jedem einzelnen Werk ein akribisches Zustandsprotokoll erstellt. Mit einer Handlampe und einer Lupe bewaffnet, stand bei unserem Besuch eine Restauratorin auf einer Leiter vor einem Gemälde von Penck, um es zentimetergenau zu untersuchen. Zu jedem Werk gibt es einen schriftlichen Bericht und dokumentarische Fotografien.

Der Boden ist abgeklebt. Die Sicherungsmaßnahmen sind darauf abgestellt, dass auch kleine Bagger oder Hubwagen den Boden nicht beschädigen können. Foto: Christoph Reichwein

Der leitende Restaurator Thomas Brüning ist für die Sicherheit der Kunstwerke zuständig. Er entscheidet zusammen mit der Museumsleitung auch darüber, welche Werke während der Umbauphase ins Depot gebracht und welche "eingehaust" werden können. Bei den Werken, die in den Räumen unmittelbar vor den Durchbruchwänden hängen oder stehen, gibt es keine andere Möglichkeit als sie ins Depot zu bringen, das sich in einem hinteren, gut abgeschotteten Raum des Museums befindet.

Mindestens sechs kräftige Männer sind nötig, um beispielsweise das Gemälde "Die goldene Bulle" von Anselm Kiefer von der Wand zu nehmen und auf einen Spezialrollwagen zu hieven. Das Gemälde ist nicht nur sehr groß, sondern auch schätzungsweise 400 Kilogramm schwer. Dennoch ist Thomas Brüning zuversichtlich, dass alles gut geht und dass keine Schäden entstehen.

Links: Mit solchen Hubwagen wird derzeit gearbeitet. Rechts: Verpackte Bilder, zum Abtransport bereit. Foto: crei

In den hinteren Räumen, die von der Durchbruchwand weiter entfernt sind, schützt man die Werke vor Ort meist mit einer "Einhausung". Das ist eine Art festes Zelt aus Latten, Aluminium und reißfesten Kunststofffolien, die das Werk staubdicht schützen. Bisweilen muss Brüning abwägen, was zweckmäßiger ist: "Einhausung" oder der Transport ins Depot.

Foto: Christoph Reichwein

Wie groß der Staubbefall bei den Durchbrüchen wird, lässt sich nur erahnen. Gleichwohl ist man im Museum darauf bedacht, so viel Staub wie möglich zu bändigen. So werden, wo immer es geht, Staubwände installiert. Und zusätzlich sollen große Spezialstaubsauger während der Durchbrucharbeiten eingesetzt werden.

Foto: Herzog & de Meuron

Wenn im Juni der Altbau des Museums Küppersmühle wiedereröffnet wird, sollen die Besucher keinen Staub mehr einatmen müssen. Der Anbau soll dann bei geschlossenen Türen weiter fertiggestellt werden, bevor das komplette Museum dann irgendwann im kommenden Jahr eröffnet wird.

(pk)