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Duisburg: Kunst schweißt zusammen

Duisburg : Kunst schweißt zusammen

60 Studenten aus unterschiedlichen Fachrichtungen wetteifern in einem Projekt der Emscherkunst.

Durchaus misstrauisch wird der bunt zusammen gewürfelte Haufen der Kunststudenten im hinteren Teil der Werkhalle beäugt. Während die Auszubildenden von ThyssenKrupp im unternehmenseigenen Bildungszentrum streng nach Vorgabe werkeln, suchen die 60 Freigeister nach Inspiration und der einen, genialen Idee. Die Zeit drängt. Bis heute muss der Entwurf fertig sein, mit dem die Architektur- und Kunststudenten im Rahmen der internationalen Kunstausstellung Emscherkunst die Jury überzeugen wollen. Aus Amsterdam, Glasgow, Mailand und Newcastle sind sie nach Duisburg gekommen, um mit ihren Dozenten in neun interdisziplinären Teams an einem Konzept für den neuen Radweg des Stahlunternehmens an der Alsumer Straße zu arbeiten. Ihre Aufgabe: Den Ersatz für den Schimanski-Tunnel künstlerisch ansprechend und vielseitig zu gestalten. Der beste Entwurf wird umgesetzt, maximal 50 000 Euro stehen dafür zur Verfügung.

"Das ist eine tolle Möglichkeit für die Stundeten, in einer Reihe mit den ganz Großen ihrer Zunft zu stehen", sagt Professor Ferdinand Ulrich von der Kunstakademie Münster. Der Wettstreit an dessen Ende nur eine Gruppe und nur ein Konzept tatsächlich umgesetzt wird, passe zu dem Umdenken in der Ausbildung von Künstlern. "Die Professionalisierung schreitet voran. Wer Kunst studiert, muss sich langfristig immer fragen, wer die eigene Arbeit bezahlen wird", sagt Professor Wolfgang Weileder von der Universität Newcastle. Weileder lehrt dort zeitgenössische Bildhauerei. Die von den Dozenten ausgesuchten Studenten seien im letzten Abschnitt ihre Studiums angekommen. "Und sie haben gezeigt, dass sie teamfähig sind. Das war wichtig. Nur so kann ein solches Projekt mit vielen Menschen funktionieren", sagt Weileder.

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Tatsächlich taten sich die neun Gruppen durchaus schwer, gemeinsame Ideen auf den Weg zu bringen. "Wenn schon die Planung eine Woche dauert, bleibt irgendwann nicht mehr viel Zeit für das Handwerk und den ferigen Entwurf", sagt Holger Küpper und schmunzelt. Der Dortmunder hatte von allen Teilnehmern den kürzesten Anfahrtsweg. Und er fühlt sich durchaus im Vorteil: "Ich kenne die Region und die Menschen, die hier leben. Gleichzeitig lerne ich die Techniken und die Arbeitsweise der anderen Akademien kennen. Das zusammen hat für mich den Ausschlag gegeben, an diesem Wettbewerb teilzunehmen." Die Zusammenarbeit funktioniere überraschend gut und sei eine Herausforderung.

Seine Gruppe, die sich aus zwei angehenden Architekten und fünf Kunststudenten zusammensetzt. plant eine Neugestaltung des Bodenbelags. "Wir wollen die Strecke betonen. Mehr verraten wir noch nicht", sagt Küpper.

Da wird das Team von Ben Jeans Houghton aus Newcastle schon konkreter. Sie haben sich von den Geräuschen des nahen Thyssen-Werks inspirieren lassen. MIt Schallverstärkern wollen sie den KLang der Industrie einfangen, bündeln und auf die Radstrecke konzentrieren. Kunst muss eben nicht immer schön sein.

(RP)