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Kultur in Duisburg: Musikprojekt zur „Frau als Schöpferin“

Kultur in Duisburg : Musikprojekt zur „Frau als Schöpferin“

Auf dem Programm standen zeitgenössische russische Komponistinnen, darunter Elena Firsova, die sogar anwesend war. Initiatorin der Veranstaltung in der Kulturkirche Liebfrauen war Sopranistin Alexandra von der Weth.

Duisburg lässt sie nicht los, umgekehrt aber auch nicht. Und das ist gut so! Von der Spielzeit 1996/1997 an war Alexandra von der Weth viele Jahre lang Ensemblemitglied an der Rheinoper Düsseldorf-Duisburg. Unvergessen bleiben Ihre dortigen Auftritte als Manon in Massenets gleichnamiger Oper oder als Violetta in Verdis „La Traviata“, in der Titelrolle der Oper „Lucia di Lammermoor“ von Donizetti oder als „Norma“ in der gleichnamigen Oper von Bellini. Große Rollen übernahm sie Anfang der 2000er Jahre aber auch an der Wiener Staatsoper und der Metropolitan Opera von New York.

Auf dem Höhepunkt ihrer internationalen Karriere versagte plötzlich ihre Stimme. Doch sie kämpfte sich bravourös zurück und verlagerte ihr Schaffen auf die Standbeine Musik und Wissenschaft. Dazu gehören seitdem neben dem Gesang ihre Tätigkeiten als Stimmbildnerin und Sprecherzieherin sowie als Gastdozentin an der Exzellenz-Universität Bonn wie auch als Gastprofessorin für Gesang an der Hochschule für Künste Bremen. Ihre Gesangsleidenschaft ist jedoch nicht mehr den großen Repertoire-Partien gewidmet, sondern steckt sie mittlerweile in ausgewählte Projekte insbesondere der zeitgenössischen Musik, die sie zum Teil selbst entwickelt.

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Dazu gehört auch das am vergangenen Sonntag in der Kulturkirche Liebfrauen veranstaltete szenische Konzert „Die Frau als Schöpferin“ mit seinem zweiten Teil. Dieses Konzert gehört nämlich zu einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe, die im Oktober im Palais Wittgenstein in Düsseldorf begann, jetzt in Duisburg Station machte und im Februar nächsten Jahres im Düsseldorfer Kunstforum NRW endet. In diesem Teil der Trilogie ging es um das Thema Transzendenz und Spiritualität. Dafür wurde Musik von drei der bedeutendsten zeitgenössischen russischen Komponistinnen ausgewählt, nämlich von Elena Firsova, Sofia Gubaidulina und Galina Ustvolskaja.

Als Ausführende waren neben Alexandra von der Weth als Sopranistin und Sprecherin, der Dirigent und musikalische Leiter Roland Techet dabei sowie als Kammerorchester das „Ensemble Presence Duisburg“, das sich aus Mitgliedern der Duisburger Philharmoniker zusammensetzt, und last but not least der Dramaturg und Regisseur Frank Schablewski. Zur großen Freude nicht nur von Alexandra von der Weth kam Elena Firsova eigens aus England (dorthin übersiedelte die 1950 in Sankt Petersburg geborene Komponistin nämlich 1991) am Sonntag persönlich nach Duisburg. Neben Musik, Stimmen und Perfomance der Vorstellung sorgte eine farblich ineinander verschmelzende mit schnell wechselnden Bildmotiven versehene Lichtkunst von Ivana Kleinertz für viele verschiedene Bühnenstimmungen.

Als besonders geeignet für dieses Musikprojekt erwies sich der ehemals sakrale Spielort in Duisburg mit der früheren Gemeindekirche Liebfrauen. Auch den musikdramaturgischen Bogen hat die Inszenierung der Aufführung vortrefflich eingelöst. Den Anfang des Konzertes machte die „Hommage an T. S. Eliot“ (1987) von Sofia Gubaidulina, eine Komposition in sieben Sätzen für Sopran und Oktett mit Texten aus Eliots Gedichtzyklus „Vier Quartette“. Die vier fünfteiligen Gedichte sind für Eliot biografisch und spirituell bedeutsame Schauplätze seines Lebens in der Zeit zwischen 1935 und 1942 und erzählen von einer Welt, wie sie im Geiste des Menschen überliefert und in den vier Jahreszeiten und den vier Elementen der Schöpfung sinnlich fassbar wird. Die von der Lyrik inspirierte Komposition Gubaidulinas thematisiert Zeit und Ewigkeit, Schuld und Sühne, Licht und Dunkel ebenfalls. Sie fasziniere an Eliots Texten „das intensive Erlebnis der Zeit“, wie es die 1931 in Tschistopol geborene Komponistin mit eigenen Worten einmal ausdrückte.

Auf dieses 40-minütige Werk folgte das Kammermusikstück „Amen der 5. Sinfonie“ (1990) von Galina Ustvolskaja (1919-2006). Die Komposition bildet den Schlusspunkt ihres Lebenswerkes und kann als besonders exponiertes Beispiel ihres kompositorischen und spirituellen Schaffens angesehen werden. Der Text zur Musik ist „Das Vaterunser“ auf Russisch. Den Abschluss des Konzertes bildete die Kammerkantate für Sopran und Orchester „Earthly life“ (1984) von Elena Firsova. Der Musik-Text basiert auf Versen ihres Lieblingsdichters Osip Mandelstam (1891-1938). In fünf Sätzen erzählt die Kantate vom irdischen Leben, von Pflanzen und Bäumen, Tieren und Menschen. „Seine Poesie ist genauso geschrieben, wie ich Musik komponiere“, sagte Firsova.

Fazit: Die Inszenierung schuf ein imposantes Gesamtkunstwerk aus Musik, Literatur, Theater und Kunst und bot auf diese Weise dem Publikum (von dem es ruhig ein bisschen mehr hätte sein können) enorm viel Seh- und Hörbares an, mit dem Ziel, die Denk-, Gefühls- und Sinneswelten der Besucherinnen und Besucher zu erreichen. Teils löste das Regiekonzept dies komplett ein, teils aufgrund eines Überangebotes an Reizen – vor allem wegen der Lichtkunst – allerdings auch nicht.