Rp-Serie Atelierbesuche: Künstlerin mitten im Leben der Stadt

Rp-Serie Atelierbesuche : Künstlerin mitten im Leben der Stadt

Elisabeth Höller wurde in Duisburg geboren und ist "sehr glücklich hier". Als Künstlerin engagiert sie sich auch gesellschaftspolitisch. Kultur hat in ihren Augen die Aufgabe, eine Stadt lebenswerter zu machen.

Es gibt wohl nichts in Sachen Kunst und Kultur in Duisburg, an denen Elisabeth Höller nicht irgendwie beteiligt ist, egal ob künstlerisch, kulturell oder kulturpolitisch. Sie stellt aus in Duisburg und darüber hinaus, ist Mitherausgeberin der Duisburger Kulturzeitschrift "Streif" und arbeitet mit bei der Erstellung eines ersten Kulturentwicklungsplanes für Duisburg. Das sind nur drei Beispiele, die stellvertretend stehen für ihr Engagement und ihre Vielseitigkeit mitzuhelfen, der Stadt eine liebenswerte und lebensfähige Kultur zu verschaffen.

Elisabeth Höller ist in Duisburg geboren und lebt gerne in der Stadt. "Ich bin hier sehr glücklich", betont sie ausdrücklich. Von 1967 bis 1980 wohnte sie mit ihren Eltern in Heiligenhaus, kehrte dann aber wieder zurück. Von da an habe sie parallel Kunst- und Musikkurse an der hiesigen Volkshochschule belegt. Ihre kulturelle Liebe galt zunächst ein wenig mehr der Musik. Von 1985 bis 1996 war sie nämlich Schlagzeugerin in diversen Amateurbands. "In meinem Herzen wäre ich vielleicht lieber eine gute Schlagzeugerin geworden, doch man muss seine wahren Talente irgendwann einmal lieben", räumt sie ein. Deshalb intensivierte sie ab 1989 stattdessen die bildende Kunst. Seitdem ist sie auf den Gebieten der Malerei und Zeichnung, der Objekte und Installationen, vor allem aber der Fotografie und Videokunst "alle Nase lang" unterwegs. Heutzutage ist sie aus der Duisburger Künstlerszene nicht mehr wegzudenken.

Ihre künstlerische Ausbildung genoss sie bei den Duisburger Künstlern Hans-Joachim Herberts, der 1992 gestorben ist, und bei Gisela Schneider-Gehrke, die 2001 verstarb. Letztere schrieb einmal über sie: "Elisabeth Höller bezieht die Dinge der Welt in vielerlei Hinsicht in ihre Malerei ein: als malerische Umsetzung individueller Befindlichkeiten, als konkretes Material, als grafisches Element und als Vanitas-Symbol. Die in verschiedenen Arbeitsgängen und malerischen Schichten entwickelten Bilder lassen unserem Auge Möglichkeiten illusionistischer Räume, ohne sich auf assoziierende Bereiche unserer Realität festzulegen."

Ihr Atelier hat Höller seit 2003 im Kultur- und Freizeitzentrum Rheinhausen. Dort arbeiten unter anderem auch Peter Steinebach, mit dem sie viele gemeinsame Kunstprojekte entwickelt und durchgeführt hat, und Britta Lauer, mit der sie ihre Liebe zur Fotografie teilt. Seit 1996 ist sie Mitglied in der Interessengemeinschaft Duisburger Künstler, seit 2003 Mitglied im Werkkreis bildender Künstler in Essen, seit 2005 Mitglied in der GEDOK, dem ältesten und europaweit größten Netzwerk für Künstlerinnen aller Sparten, und seit 2007 Mitglied im Duisburger Künstlerbund. Von 1999 bis 2007 war sie Sprecherin der Freien Duisburger Künstler, 2005 bis 2007 war sie Mitglied im Kulturbeirat der Stadt Duisburg und von 2007 bis 2013 Sprecherin der IG Duisburger Künstler.

Sie nimmt Stellung und kein Blatt vor den Mund, wenn es um Ereignisse in der Stadt geht, die (nicht nur künstlerisch) untragbar sind. So engagierte sie sich im "Bürgerkreis Gedenken", der sich anlässlich der Duisburger Loveparade-Katastrophe 2010 gegründet hatte, bezog öffentlich Stellung, als die Aufstellung der Kunstinstallation "Totlast" von Gregor Schneider, die eigentlich zur "Ruhrtrienale" 2014 im Lehmbruck Museum hätte erfolgen sollen, durch den Duisburger Oberbürgermeister abgesagt wurde und gehört zu den Erstunterstützern der Aktion "Duispunkt", die sich seit mehr als einem Jahr an vielen Montagen als Gegendemonstration zum sogenannten "Pegida"-Aufmarsch auf dem Vorplatz des Duisburger Hauptbahnhofs formiert hat. Künstlerisch wartet Höller immer wieder mit beeindruckenden Objekten und einzigartigen Installationen auf, teils verbunden mit außergewöhnlichen Performances, insbesondere solchen, bei denen es um neue Medien geht.

So hat sich ihr künstlerischer Schwerpunkt auf die Videokunst verlagert. Eine besonders eindrucksvolle Arbeit ist ihr mit der raumbezogenen Videoinstallation "On The Way" gelungen, die sie einst zu den Duisburger Akzenten im Kulturhauptstadtjahr 2010 erarbeitet hatte: Ein Mann schwimmt in einer unwirklichen grünlichen Flüssigkeit in Richtung Unendlichkeit. Er wird schneller und schneller, bleibt auf dem Weg, ohne jedoch sein Ziel zu erreichen.

Das 76 Sekunden dauernde Endlosschleifen-Video spielt mit dem Zeitfaktor: dem immer schneller werden, aber nicht ankommen und dem immer wieder von vorne beginnen.

(RP)
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