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Duisburg: Krumpholz für neue Baumschutzsatzung

Duisburg : Krumpholz für neue Baumschutzsatzung

Seit der Abschaffung der Baumschutzsatzung Anfang 2016 haben laut Aussage der Grünen Privatleute 3000 Bäume gefällt. Umweltdezernent Ralf Krumpholz kann sich eine neue Satzung durchaus vorstellen.

Rund zwei Jahre ist es her, dass die große Koalition aus SPD und CDU im Rat die Baumschutzsatzung fällte. Seitdem heißt es in der Stadt de facto: Freie Bahn für freie Bürger. Soll heißen: Privatleute müssen dem Amt für Umwelt und Grün nicht mehr melden, wenn sie kranke oder missliebige Bäume auf ihren Grundstücken fällen wollen. Ohne Baumschutzsatzung ist die Pflicht zur Anmeldung, Beratung und Genehmigung entfallen. Zahlreiche Bürger nutzten die Steilvorlage aus dem Rathaus: Seit 1. Januar 2016 verarbeiteten Privatleute mehr als 2000 Laub- und Nadelbäume zu Kleinholz, die Duisburger Grünen gehen von mehr als 3000 aus. Offizielle Zahlen gibt es aber nicht, die gab es nur zu Zeiten der Baumschutzsatzung.

Inzwischen mehren sich in Duisburg die Stimmen, die Richtlinie für den Baumschutz wieder einzuführen. Entsprechend votierte die Bezirksvertretung Homberg/Ruhrort/Baerl (wir berichteten), die Linke sammelt Unterschriften. Jetzt gibt auch Umweltdezernent Dr. Ralf Krumpholz zu erkennen: "Ich schätzte eine Satzung. Ich würde einer Wiedereinführung der Satzung nicht negativ gegenüber stehen, vielleicht in anderer Form."

Es sei Ende 2015 eine politische Entscheidung gewesen, die Satzung ersatzlos zu streichen. Damit habe man den Bürgern entgegen kommen, ihnen Kosten und Bürokratie ersparen wollen. Zwei Jahre nach dem Aus für die Satzung habe sich "gezeigt, dass Bäume an vielen Stellen in der Stadt gefällt wurden", bestätigt Krumpholz, nicht aber, ob mehr als 2000 Bäume auf Privatgrundstücken gefällt wurden. "Wir haben das nicht mehr nachgehalten. Es gibt momentan keine belastbaren Zahlen." Sicher sei: Private Ersatzpflanzungen seien aber anders als vorher oft nicht mehr vorgenommen, Ausgleichszahlungen an die Stadtkasse nicht mehr geleistet worden. Auch die Pflicht zur Beratung mit einem Mitarbeiter des zuständigen Amtes sei entfallen. "Die Baumschutzsatzung war eine gute Möglichkeit, miteinander zu reden." Gerade die Beratung sei für die Bürger kostensparend gewesen, sie war kostenlos.

Die alte Baumschutzsatzung regelte nicht das Verfahren, in welchen Fällen kranke Bäume an öffentlichen Straßen und Plätzen gefällt werden durften. Aber auch bei Bäumen im öffentlichen Raum gab es genaue Spielregeln, so waren auch hier Ersatzpflanzungen vorgeschrieben. Umweltdezernent Krumpholz bestätigte, dass die Verwaltung sich in diesen Fällen am städtischen Straßenbaumkonzept orientiert. "Bei den Ersatzpflanzungen im öffentlichen Raum handele es sich um freiwillige Leistungen der Stadt. "Wir haben uns aber daran gehalten."

Kritiker werfen der Stadt immer wieder vor, Bäume im öffentlichen Raum zu großzügig, zu großflächig, ohne die notwendige Einzelfallbetrachtung zu fällen. Diesen Vorwurf erhob jüngst Klaus Radny, Sprecher der CDU-Fraktion und stellvertretender Vorsitzender des Beirats bei der Unteren Naturschutzbehörde Als Beispiel nannte Radny die gefällte Kastanienallee an der Mauerstraße in der Homberger Rheinpreußen-Siedlung. Dort hatten die Wirtschaftsbetriebe 2015 im Auftrag des Amtes für Umwelt und Grün 32 Rosskastanien gefällt (wir berichteten). Unstrittig ist, dass die meisten Bäume von einem Pilz befallen waren strittig ist, wie viele. Einige Baumstämme hätten auf Fotos gesund ausgesehen, argumentiert Radny. Nicht alle der 32 gefällten Rosskastanien seien offenbar krank gewesen.

Ersatzpflanzungen gebe es bis heute nicht, stünden erst ab Ende 2018 in Aussicht. Obendrein sei weder die Untere Denkmalbehörde noch der Naturschutzbeirat vor der Fällung informiert worden. Da es sich um eine Baumallee gehandelt habe, hätte die Stadt vorher beide Gremien informieren und ihre Genehmigung einholen müssen. Das sei hier nicht der Fall gewesen. Radny: "Der Beirat hätte nie eine Genehmigung ohne Auflagen erteilt."

(RP)