Duisburg: Kritische Kunst im Schaufenster

Duisburg : Kritische Kunst im Schaufenster

Unter dem ironischen Titel "Die Welt ist so gut wie gerettet" hat das Künstlerpaar Susan Feind und Martin Gensheimer ein Eck-Schaufenster der Galeria Kaufhof gestaltet. Das Lehmbruck-Museum unterstützt das Projekt.

Viele Passanten, die in diesen Tagen an den Auslagen der Galeria Kaufhof vorbeischlendern, stutzen, wenn sie das Eck-Schaufenster an der Düsseldorfer Straße/ Ecke Friedrich-Wilhelm-Straße erreichen: Dort werden keine Taschen oder Textilien präsentiert; vielmehr ist an Wand und Boden ein vollgeschriebenes Werbebanner drapiert. Der Text, der da zu lesen ist, ist die Schilderung eines harmlosen Duisburger Volksfestes, bei dem es wohl ziemlich feucht-fröhlich zuging. ("Das Pils floss in Strömen.")

Die Galeria Kaufhof hat ihr großes Eck-Schaufenster für eine ironisch-kritische Ausstellung zur Verfügung gestellt. Dabei geht es indirekt auch um die Kunst-Absage von Oberbürgermeister Link. Foto: susan feind

Merkwürdigerweise sind immer wieder Worte unkenntlich gemacht. Vor diesem beschriebenen Banner sind an Schnüren Wimpel aufgehängt, die man von Kindergeburtstagen kennt. Jeder Wimpel ist mit einem Spruch versehen. Man muss stehenbleiben und lesen, damit man versteht, was das Künstlerpaar Susan Feind und Martin Gensheimer, die dieses Eck-Schaufenster gestaltet haben, im Sinne hatten.

Die Idee zu dieser Kunst-Installation kam den beiden nach der viel diskutierten und bis heute höchst umstrittenen Kunstabsage von Oberbürgermeister Sören Link, der bekanntlich sein Veto gegen eine Arbeit des renommierten Künstlers Gregor Schneider im Lehmbruck-Museum eingelegt hatte. Martin Gensheimer las zur gleichen Zeit den launigen Volksfest-Bericht, bei dem Link ein Fass anzustechen hatte. Von Link und anderen namentlich in dem Artikel erwähnten Personen, liest man aber jetzt nichts mehr: Alle Namen hat Martin Gensheimer übersprüht. Er übt damit Zensur aus, was angesichts der Harmlosigkeit des Textes geradezu lächerlich wirkt. Lächerlich wirkt auch der Titel der Installation: "Die Welt ist so gut wie gerettet."

Susan Feind hat die Wimpel aus Papier geschnitten und mit dem Computer beschriftet. Die Sprüche, die zu lesen sind, hat man allemal schon einmal gehört, beispielsweise: "Die sind auch selber schuld", "Ich kann mich nicht um alles kümmern", "Ich muss auch mal an mich denken" oder auch "Das geht auch ohne mich". Nicht schwer zu deuten, dass es sich bei allen Sprüchen um Ausreden handelt, bei denen es darum geht, nichts tun zu müssen. Johanna Groeneweg-de-Kroon, Geschäftsführerin der Galeria Kaufhof, findet es gut, dass in einem ihrer Schaufenster solch kritisch-ironische Kunst gezeigt wird. Bis Anfang November bleibt die sinnfällige künstlerische Gestaltung des Schaufensters erhalten. Johanna Groeneweg-de-Kroon möchte auch in Zukunft ab und zu die Schaufenster-Ecke für Werke oder Aktionen Duisburger Künstler zur Verfügung stellen. Mitarbeiter des Lehmbruck-Museums unterstützen diese Form der Kunst-Patenschaft.

Die beiden Künstler sind Mieter im Künstlerhaus an der Goldstraße 15. Susan Feind (Jahrgang 1970) ist gebürtige Duisburgerin. Sie studierte Architektur und Fotodesign. Für beide Studien besitzt sie ein Diplomabschluss. Ihr Geld verdient sie als freie Fotografin für große Unternehmen und Institutionen. Martin Gensheimer, der aus Frankfurt stammt, gehörte zu den Künstlern, die bei der Kulturhauptstadtjahr-Aktion "2-3 Straßen" von Jochen Gerz mitgewirkt hatten. Gensheimer war dabei aufgefordert worden, für ein Jahr kreativ in Hochfeld tätig zu sein und an einem Buch mitzuschreiben. Als Gegenleistung konnte er in einer schlichten Wohnung mietfrei wohnen. Als Paar stellten Susan Feind und Martin Gensheimer vor zwei Jahren im Künstlerhaus an der Goldstraße aus. Damals ging es u.a. um eine ironische Foto-Installation.

Am heutigen Dienstagabend stehen Susan Feind und Martin Gensheimer von 19 bis 21 Uhr auf der Straße vor ihrem Schaufenster-Werk und laden Passanten zum Gespräch und zum Meinungsaustausch ein.

(RP)
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