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Duisburg: Krippenblues in einer aktuellen Version

Duisburg : Krippenblues in einer aktuellen Version

Frank Goosen las satirische Weihnachtsgeschichten im gut besuchten Steinhof. Der Abend war urkomisch.

Frank Goosen hatte "den Blues". Eigentlich stellt sich der bei dem Bochumer immer im Zusammenhang mit der Weihnachtszeit ein. Diesmal hatte zusätzlich sein "VFL" mit dazu beigetragen, der am Sonntag, wenige Stunden vor seinem Auftritt im gut besuchten Steinhof, in Bielefeld mit 0:1 verloren hatte. Damit war er ja eigentlich in der richtigen Stimmung für sein "weihnachtliches" Programm "Krippenblues", mit dem er seit 2000 - jeweils mit aktualisierter Version - unterwegs ist.

Für den 50-Jährigen ist das Weihnachtsfest eigentlich nichts Besonderes, eher so eine Art Geburtstag, bei dem allerdings "das Geburtstagskind nicht mehr so oft vorbei kommt, um einen auszugeben". Goosen, selbst zweifacher Vater, trauert der Zeit nach, als er als Einzelkind im Mittelpunkt stand und zu Weihnachten "der Verwandtschaft Audienz gewährt" hat. Die Zeit sei lange vorbei, stellt er bedauernd fest, denn "heute bin ich der, der alles bezahlt". So richtig besinnlich wird es - erwartungsgemäß -nicht, wenn der Kabarettist Weihnachten auf seine ganz spezielle Art betrachtet. Urkomisch lustig aber schon. Dafür sorgen seine zusammengetragenen, oftmals gar nicht so festlichen Geschichten von "Omma" und "Oppa", Tante Anni, Onkel Paul und seinem eher schrillem Freundeskreis. Für den auch als Buchautor erfolgreichen Goosen begann früher die Weihnachtszeit bereits am Totensonntag. Da musste er immer mit "Omma" auf den "Fritthoff" und das Grab von "Oppa" besuchen. An seinen Großvater erinnert sich der Ruhrgebietskabarettist noch genau: "Biertrinken war für den wie Arbeit, man kann sagen, der hat sich praktisch tot gearbeitet." Kein Friedhofsrundgang ("Omma kannte da mehr Leute als draußen") endete dabei ohne "Ommas" Standard-Feststellung: "Jetzt is auch bald wieder Weihnachten." Und das ist die Zeit, die den Ex-"Tresenleser" - Goosen stand mit Jochen Malmsheimer acht Jahre lang als Kabarett-Duo auf der Bühne - so ziemlich nervt. Dazu gehören Weihnachtsmarktbesucher, die an Glühweinständen Karnevalslieder grölen genauso wie die aufdringliche blinkende und funkelnde Weihnachtsbeleuchtung in den Fenstern der Wohnhäuser. Am liebsten würde er gegen den "Lichtmissbrauch" eine Bürgerinitiative gründen. "Die Leute unterschreiben eh alle", ist er sich sicher und fragen, wenn überhaupt, hinterher erst "wogegen?".

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Für Lacher sorgten auch die kuriosen Erfahrungen, die der Bochumer in jungen Jahren als Aushilfe in einer Buchhandlung gemacht hatte: "Zu Weihnachten treiben sich Leute in den Buchläden rum, die nicht mal den Beipackzettel ihrer Psychopharmaka durchlesen." Zustimmung erntet er dabei vom Fachpersonal: "In Süddeutschland ist mal ein Buchhändler nach der Vorstellung zu mir gekommen und hat mir stumm die Hand gedrückt." Weihnachten ist für Frank Goosen allerdings auch die Zeit der Genugtuung, in der er immer wieder an seine "Verflossenen" denkt, die ihn damals haben "abblitzen" lassen: "Denen schicke ich dann statt Weihnachtskarten meine Kontoauszüge."

Ganz ohne das aktuelle Fußballgeschehen zu kommentieren verlässt Frank Goosen nie die Bühne. Den Auftritt im Huckinger Steinhof nutzte das Aufsichtsratmitglied des VFL Bochum, um die Publikumsreaktionen nach dem letzten Heimspiel des MSV zu kommentieren. "Als Spitzenreiter den Kopf des Trainers zu fordern, da muss man erstmal drauf kommen", zeigte der Fußballfan kein Verständnis für einen Teil der MSV-Fans.

Seit einigen Wochen läuft in den Kinos die Filmkomödie "Radio Heimat". Dem Film liegt Fran Goosens gleichnamiger Kurzgeschichten-Band zugrunde, der vom Erwachsenwerden im Ruhrgebiet der 1980er-Jahre erzählt.

(RP)