Duisburg: Kranich-Garten hat mächtig Federn gelassen

Duisburg : Kranich-Garten hat mächtig Federn gelassen

Fast 30 Jahre nach seiner Eröffnung ist der China-Garten im Duisburger Zoo sanierungsbedürftig.

Gut, dass üble Dämonen die Füße nicht heben können und sich nur schlurfend über den Boden bewegen. So hält zumindest die Schwelle am Haupteingang sie noch vom "Garten des Kranichs" im Zoo Duisburg fern. Denn die beiden marmornen Löwen können ihren Abwehrdienst schon lange nicht mehr versehen. Sie sind fast zahnlos, wobei nicht allein der Zahn der Zeit an ihren Fang-Beißerchen genagt hat. Vor Jahren haben Vandalen die Kugeln aus ihrem Maul gestohlen und dem rechten Löwen dabei auch die Zähne herausgebrochen. Eigentlich hätte der steinerne Löwe nach chinesischer Vorstellung da sofort zu- und dem dreisten Dieb die Hand abbeißen müssen. Doch die Mähnentiere können nur vor bösen Geistern schützen, nicht vor schlechten Menschen.

Solche haben sich auch an dem Bergpavillon und der Bogenbrücke zu schaffen gemacht. Im Pavillon haben Vandalen einen steinernen Hocker aus der Verankerung gerissen. "Wir wissen aber nicht, ob sie den mitgenommen haben, vielleicht in einem Kinderwagen, oder ob sie ihn in den See geworfen haben", sagt Pascal Körner, technischer Leiter im Zoo Duisburg.

Verschwunden ist auch eine der zwölf in mühevoller Handarbeit gefertigten kleinen Löwenstatuen, die auf der Bogenbrücke Halt beim Besteigen der absichtlich unebenen Treppen geben sollen und die die zwölf Monate eines Jahres symbolisieren. "Die haben keinen Sinn dafür, dass dies alles nicht ihr Eigentum ist. Sie schmieren auch alles voll. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat", ärgert sich Körner und weist auf zahlreiche Schmierereien im Bergpavillon hin.

Doch nicht nur gedankenlose Jugendliche und sinnlose Zerstörungswut haben dieses Kleinod im Zoo - ein Geschenk von Duisburgs chinesischer Partnerstadt Wuhan - beschädigt. In den fast 30 Jahren seines Bestehens hat auch die Zeit dafür gesorgt, dass der "Garten des Kranichs" mächtig Federn gelassen hat. Wer etwas morbiden Charme mag, kann die Anmut dieses Gartens immer noch genießen. Gerade im Winter sieht er aus wie ein verwunschener, aber auch verlassener Ort.

Die grün glasierten Ziegel, die nicht nur die Pavillons, sondern auch die Mauer um den Steingarten und das Eingangstor zieren, sind gebrochen, stellenweise weggeplatzt und von Pflanzen überwuchert. Die Kieselwege durch den Garten sind zu Stolperfallen geworden, weil sich einzelne Steine, an vielen Stellen auch mehrere, gelöst haben, die der Zoo mit Bordmitteln notdürftig geflickt hat. Schön sieht das nicht aus.

Ebenso wenig wie die grüne Patina, von der die Bogenbrücke, die Löwen und das Geländer vor dem Wasserpavillon überzogen sind. "Die komplette Wegeführung muss erneuert werden, aber auch die Beleuchtung des Gartens. Viele Kabel sind durch eingewachsene Wurzeln und eindringende Feuchtigkeit kaputt. Der Wasserfall am Bergpavillon kann nur noch per Hand angestellt und abgeschaltet werden", zählt Pascal Körner weitere Schäden auf, die einer dringenden Reparatur bedürfen.

Die fachmännische Sanierung soll im kommenden Jahr beginnen, wie der Zoo vor einigen Wochen verkündete. Vertreter aus Wuhan und des Duisburger Zoos haben im November dafür eine gemeinsame Erklärung zur Renovierung des Gartens unterzeichnet. "Aber wie das geschehen soll, was es kostet, und wie das finanziert wird, ist alles noch offen", sagt Körner. "Bisher ist das nur eine Absichtserklärung."

(RP)
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