Duisburg: "Kraftwerk der Gefühle"

Duisburg: "Kraftwerk der Gefühle"

Die Rheinoper nahm den Doppelabend "Cavalleria rusticana" / "Pagliacci" wieder auf.

Die Opern-Stilrichtung des "Verismo" wollte mit den Mitteln des italienischen Belcanto die Wirklichkeit und die Gefühle "echter" Menschen auf die Bühne bringen. Besonders bekannt sind zwei hochemotionale, dramatische Einakter, in denen Eifersucht, Hass und Tod die treibenden Kräfte sind und die zumeist an einem Abend aufgeführt werden. In "Cavalleria rusticana" (wörtlich "Ländlicher Ehrenhandel", 1890) hintergeht Turiddu in einem sizilianischen Dorf Santuzza, die ihn aufrichtig liebt, mit seiner früheren Geliebten Lola. Als Santuzza Lolas Mann Alfio die Untreue seiner Frau verrät, tötet dieser Turiddu.

"Pagliacci" ("Der Bajazzo", wörtlich "Die Binsen", 1892) von Ruggero Leoncavallo handelt dagegen von Beziehungsproblemen in einer Komödiantentruppe: Nedda hat eine Affäre mit Silvio. Durch den unglücklich in Nedda verliebten Tonio erfährt ihr Ehemann Canio davon. Während einer Vorstellung vermischt Canio Realität und Theater und tötet sowohl Nedda als auch ihren Liebhaber.

Jetzt nahm die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg diesen Doppelabend in ihrem Duisburger Haus wieder auf - in der 15 Jahre jungen, weitgehend werkdienlichen Inszenierung von Christof Loy, die hier vier Jahre lang nicht auf dem Spielplan stand.

Esther Mertel hat das jetzt ebenso sorgfältig wie lebendig neu einstudiert. "Cavalleria rusticana" wurde zu einem Fest der Mezzosoprane - allen voran Sarah Ferede, die Santuzza mit Leib und Seele ist, dazu Urgestein Renée Morloc als Mamma Lucia und nicht zuletzt Kimberley Boettger-Soller als Lola. Ebenso stimmgewaltig, klangschön und ausdrucksvoll wirkten Sergej Khomov als Turiddu und Anooshah Golesorkhi als Alfio. Über "Pagliacci" ist vor allem das sensationelle Nedda-Debüt der Sopranistin Luiza Fatyol zu vermelden - kongenial für diese teils tragische, teils verspielte Figur.

Bei dieser Produktion muss auch die sehr runde Leistung des von Gerhard Michalski vorbereiteten Chors und Extrachors der Rheinoper sowie des von Mathias Staut einstudierten Düsseldorfer Mädchen- und Jungenchors erwähnt werden. Antonino Fogliani, Erster Gastdirigent und Mann für das italienische Fach der Rheinoper, entlockte den Sängern und den Duisburger Philharmonikern erstklassige Italianità, nur in der "Cavalleria" etwas zu hektisch.

Hier ist die Oper - wie die bekannte Formulierung von Alexander Kluge lautet - wirklich "das Kraftwerk der Gefühle". Den dreistündigen Abend muss man also erlebt haben. Das geht in dieser Spielzeit in Duisburg nur noch am 29. April, um 19.30 Uhr.

Karten gibt es am einfachsten unter karten@theater-duisburg.de per E-Mail.

(hod)