Duisburg-Ruhrort Kostenexplosion beim Brückenbau

Duisburg · Die Kosten für die Sanierung des Karl-Lehr-Brückenzuges zwischen Ruhrort und Kaßlerfeld explodieren. Ursprünglich waren sie für den ersten Bauabschnitt auf etwas mehr als 20 Millionen Euro taxiert worden. Inzwischen betragen sie rund 25,5 Millionen Euro.

Die Kostensteigerung um 37 Prozent stieß gestern bei den Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses auf großes Unverständnis, denn die Begründung der Verwaltung vermochte niemanden so recht zufrieden zu stellen.

Die Mehrkosten resultieren zum Teil aus Nachaufträgen, zum Teil aus zusätzlichen Beauftragungen. Warum Kanal- und Rohrleitungsbauarbeiten, Kampfmittebeseitigungen, die Aufstellung von Ampeln oder die Beseitigung von kontaminierten Böden erst im Nachhinein aufgeführt wurden, versuchte Randolf Unterberg vom Stadtentwicklungsdezernat zu erklären. Zum Teil habe sich der Untergrund ganz anders dargestellt als nach ersten Probebohrungen gedacht, zum Teil habe man die Notwendigkeit bestimmter Arbeiten erst im Nachhinein erkennen können.

Auch zusätzliche Leistungen wie Prüfingenieurleistungen in Höhe von 177 600 Euro oder eine Werbetafel für 35 700 Euro verursachten heftiges Kopfschütteln. "Eine Werbetafel ist doch nichts anderes als ein Baustellenschild. Wieso muss das so teuer sein?", fragte Elke Patz (SPD). "Baustellenstellenschilder bei geförderten Maßnahmen sind vorgeschrieben", erklärte Unterberg. Das Schild sei sehr solide. "Aus dem Material würden andere eine Garage bauen. Weil es so groß ist, mussten besondere Vorkehrungen für die Standsicherheit getroffen werden — und Sicherheit geht nun einmal vor."

Der Teil des Ausbaus, der die Stadtwerke betrifft, vor allem die Verlegung von Kabeln und Leitungen, wird auch von ihnen getragen. Bisher ist der Stadtwerke-Anteil auf 4,48 Prozent an den Gesamtkosten festgesetzt worden.

Wegen des langen und kalten Winters sind die Bauarbeiten inzwischen vier Monate hinter dem Zeitplan zurück. Wie lange die Bauarbeiten insgesamt dauern, ist von der Bewilligung der Gesamtmaßnahme abhängig. "Den Antrag bei der Bezirksregierung haben wir im September 2011 gestellt. Zuletzt hatte sich die Prüfung verzögert, weil ein Mitarbeiter der Bezirksregierung lange Zeit krank war", erklärte Planungsdezernent Carsten Tum. "Wir rechnen täglich mit der Bewilligung", sagte Tum und versprach, die Politik anschließend umgehend zu informieren. Im Haupt- und Finanzausschuss sollen die Gründe für die Kostensteigerung noch einmal detailliert erläutert werden.

Der CDU-Ratsherr und Fraktionsvorsitzende in der Verbandsversammlung des VRR, Frank Heidenreich, verwies darauf, dass auch die über den VRR beantragen Fördermittel erst fließen, wenn die Bezirksregierung die Bewilligung erteilt hat. "Das führt dazu, dass die Stadt die Maßnahme bis zum heutigen Tag vorfinanziert hat", monierte Heidenreich.

(RP/rl)
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