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Duisburg: Konzert in Form einer Messfeier

Duisburg : Konzert in Form einer Messfeier

Das Chorkonzert zum Tag der Deutschen Einheit in der Abteikirche Hamborn vereinte den Madrigalchor Weimar und die Freie Kantorei Duisburg, zwei vorzügliche Laienchöre. Abteikantor Peter Bartetzky trug den Orgel-Rahmen bei,

Zum Tag der Deutschen Einheit 2010 war die Freie Kantorei Duisburg zu Gast in der thüringischen Kulturmetropole Weimar. Jetzt, auf den Tag genau drei Jahre später, erwiderte der Madrigalchor Weimar den Besuch. Bei der Feierstunde am Morgen im Rathaus wurde den beiden erstklassigen Chorleitern Annett Fischer (Weimar) und Bernhard Quast (Duisburg) die Ehre zuteil, sich namentlich - stellvertretend für die Sängerinnen und Sänger - in das Goldene Buch der Stadt Duisburg einzutragen.

Das gemeinsame Konzert am Nachmittag in der Abteikirche Hamborn hatte die Besonderheit, dass es formal einer katholischen Messfeier folgte. "Cantus missae" op. 109 für zwei vierstimmige Chöre von Joseph Gabriel Rheinberger (1839-1901) gilt als eine seiner schönsten kirchenmusikalischen Kompositionen. Auf der Suche nach dem reinen Klang, der bewussten Trennung der Musikempfindung gegenüber der profanen Musik des 19. Jahrhunderts, orientierten sich die Komponisten damals an den alten Vorbildern der Renaissance, in deren Zeit diese klangliche Trennung noch gar nicht praktiziert wurde. Als Vorbilder galten Giovanni Pierluigi da Palestrina, Giovanni Gabrieli oder Orlando di Lasso, Letzterer ein Vorgänger Rheinbergers an den Münchner Hofkapelle.

Aus Rheinbergers Messe sang der Madrigalchor Weimar in Hamborn das "ordinarium mussae" aus Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Benedictus, nur das Agnus Dei kam aus der temperamentvollen "Missa brevis" von Leonard Bernstein und von der Freien Kantorei Duisburg. Die Gastgeber trugen außerdem das "proprium missae" bei. Zunächst mit zwei doppelchörigen Werken der Renaissance von Gabrieli ("Jubelt dem Herrn") und Johann Pachelbel ("Singet dem Herrn ein neues Lied"), die favorisierend aufgestellt waren, da heißt eine Hälfte des Chores in der Apsis und die andere Hälfte auf der Orgelempore. Von dem vor 200 Jahren geborenen Giuseppe Verdi kam das "Pater noster" in der Nachdichtung von Dante Alighieri ("O Padre nostro") und von dem Romantiker Felix Mendelssohn die Motette "Jauchzet dem Herrn alle Welt (Psalm 100) op. 69 Nr. 2. Zum Abschluss gab es das - gleichfalls a cappella ausgeführte - "Dona nobis pacem" aus der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach, laut Bernhard Quast "unser aller Vorbild seit Generationen".

Als festlichen Rahmen setzte Abteikantor Peter Bartetzky an der Mönch-Orgel zwei Perlen der belgischen Orgelromantik, nämlich die "Marche Pontificale" von Jacques Nicolas Lemmesn und das "Carillon-Sortie" von Richard Traiteur.

Zur Zugabe, einem Echolied von Orlando die Lasso, vereinten sich die beiden Chöre aus den beiden Teilen Deutschlands schließlich. Das letzte Wort des durchweg vorzüglichen Konzerts war somit "Basta".

(hod)