Konzert in der Mercatorhalle Duisburg: Stephen Tharp spielt virtuos auf der Eule-Orgel

Konzert : Die Eule-Orgel in ihrer vollen Pracht

Der New-Yorker Starorganist Stephen Tharp spielte in der Mercatorhalle die „Toccata 4“.

Der New Yorker Starorganist Stephen Tharp, Jahrgang 1970, gastierte jetzt um dritten Mal in Duisburg. Das erste Mal in der Abteikirche Hamborn war enttäuschend, das zweite Mal in der Salvatorkirche sensationell (die RP berichtete), nun bestritt er das vierte und somit für die laufende Saison 2018/19 bereits letzte thyssenkrupp-Orgelkonzert am Samstagnachmittag „Toccata“ in der gut gefüllten Philharmonie Mercatorhalle.

Er hatte fünf Werke mitgebracht, die besonders gut auf die im englischen Stil erbaute, ebenso klangstarke wie farbenreiche Eule-Orgel passten. Zu Beginn kam jener prachtvolle „Imperial March“ op. 32, den Edward Elgar 1897 zum 60-jährigen Thronjubiläum von Queen Victoria komponierte. Stephen Tharp hatte das Orchesterwerk für Orgel bearbeitet. Dann kam der melodiöse Fantasie-Choral Des-Dur (1931/33) von dem gleichfalls englischen Komponisten Percy Whitlock. Besonders bewegend wirkten jene „Deux Evocations“, die der US-Amerikaner George Baker vor zwei Jahren über gregorianische Themen schrieb – als Huldigung an die Musik an der Pariser Kathedrale Notre-Dame, gewidmet den dortigen Organisten Louis Vierne (gestorben 1937) und Pierre Cochereau (Bakers Pariser Lehrer). „Es trifft mich besonders, diese Musik heute hier zu spielen“, erklärte Tharp in der Mercatorhalle, „angesichts der jüngsten Ereignisse dort.“

Woher das stilistisch kommt, zeigte dann die virtuose Orgelsinfonie Nr. 2 op. 26, die Marcel Dupré – Cochereaus Lehrer, der von 1916 bis 1922 Vierne an Notre-Dame vertrat – 1929, also vor 90 Jahren, in New York uraufführte. Als krönender Abschluss schloss sich der Kreis mit einem weiteren von Stephen Tharpe für Orgel bearbeiteten Orchesterwerk, nämlich der Festouvertüre „1812“ op. 49 von Peter Tschaikowsky über Napoleons Niederlage in Russland.

Der Organist spielte das alles mit hörbarer Freude an den vielfältigen Möglichkeiten der Eule-Orgel, auch die „Kracher“ mehr als nur laut und mit weitgehender Genauigkeit. Nach „1812“ konnte eigentlich nichts mehr kommen, aber das restlos begeisterte Publikum bekam als Zugabe noch die beliebte Toccata aus der Orgelsinfonie Nr. 5 f-Moll op. 42 Nr. 1 (1887) von Charles-Marie Widor.

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