Duisburg: Konzept als Auflistung geplatzter Träume

Duisburg : Konzept als Auflistung geplatzter Träume

Das Handlungskonzept Innenstadt scheint nach dem Aus für die MD-Hauptverwaltung an der Mercatorstraße endgültig zur Makulatur zu werden. So gut wie keines der wichtigen Innenstadt-Projekte wird noch kurzfristig umgesetzt.

Vor rund vier Monaten legte der Planungsdezernent der Stadt, Carsten Tum, ein "Integriertes Handlungskonzept Innenstadt Duisburg" vor. Unter anderem enthält es eine Auflistung der Maßnahmen, die zu diesem Zeitpunkt bereits in der Realisierungshase waren oder in den kommenden Jahren auf den Weg gebracht werden sollen. Bereits jetzt liest sich manches darin wie eine Auflistung geplatzter Träume. Der Bau der Hauptverwaltung des Projektentwicklers MD an der Mercatorstraße war im Sommer noch fest für dieses Jahr eingeplant. Das Unternehmen hat wie gestern berichtet abgesagt.

Der Bau von Verwaltungsgebäuden am Hauptbahnhof, das sogenannte "Nord-Quartier Duisburger Freiheit" steht ebenfalls für dieses Jahr auf der Liste. Der Startschuss in 2013 ist definitiv ausgeschlossen. Nicht einmal das angekündigte Parkhaus ist in Sicht. Aus dem Ärztehaus an der Steinschen Gasse, das eigentlich längst stehen sollte, wird nichts. Stattdessen sollen nun Wohnungen für Studenten dort gebaut werden.

Wann dort aber die Arbeiter loslegen? Irgendwann! Vielleicht! Vom neuen Hotel am Bahnhof ist ebenfalls nichts zu sehen. Hier soll es im Mai 2014 losgehen. Und mit der Übergabe des Stadtfensters, des neuen Domizils für VHS und Stadtbibliothek wird in diesem Jahr bekanntlich auch nichts. Nach monatelangem Baustillstand wurden zwischenzeitlich am Rohbau zwar Gerüste aufgestellt, um die Fassadenverkleidung anzubringen— doch das war's — vorerst zumindest.

Wird nun 2014 das Jahr der erfolgreich auf den Weg gebrachten Projekte? Dann soll am Ostausgang des Hauptbahnhofs ein neuer Fernbus-Bahnhof entstehen (war ursprünglich schon für dieses Jahr angekündigt). Das Stadtfenster soll endlich ausbaureif gemacht werden. Es ist geplant, die Innenhafenerweiterung in Richtung Marientor in Angriff zu nehmen und beim geplanten Neubau auf dem Gelände der heutigen Stadtbibliothek ein Stückchen weiterzukommen. Geht alles gut, könnte in einigen Monaten auch die Volksbank nebenan ihr Vorhaben, neu zu bauen, in Angriff nehmen.

Und dann sind da ja noch die Dauer-Träume aus Lord Norman Fosters Masterplan-Zeiten: Mercatorquartier auf dem Gelände der ehemaligen Berufsschule-Mitte (im Handlungskonzept frühestens für 2016 vorgesehen, das Eurogate am Innenhafen, Umbau der Altstadt zu einem Quartier für Kreative und Junge, Randbebauung am Burgplatz, Grachten, die die Innenstadt mit dem Innenhafen verbinden (alles frühestens ab 2016) und ein neues Möbelhaus sowie Bürogebäude auf dem Güterbahnhofsgelände. Dort hat sich seit dem Besuch von Foster vor fast zehn Jahren nur wenig Sichtbares bewegt, sieht man mal davon ab, dass Investor Kurt Krieger mitten in die Öde eine Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade hat bauen lassen — auf Wunsch der Stadtspitze und der Hinterbliebenen. Er hat zwischenzeitlich bekundet, erst mal in Neuss in eine Möbelstadt statt hier zu investieren. Vielleicht will er aber auch nur abwarten, bis die Bahnhofsplatte gestaltet wird (nicht vor 2015). Auf der grauen Betonfläche stehen bislang nur 21 rostrote Kübel mit je einer Magnolie. Sie sollen an die Loveparade-Opfer erinnern und werden immer mehr auch zu einem Mahnmal für eine daniederliegende Innenstadtentwicklung.

(RP)