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Duisburg: Konsens-Kandidat gesucht

Duisburg : Konsens-Kandidat gesucht

Das Abwahl-Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kirche und Initiative hat sich offiziell aufgelöst. Die Initiative "Neuanfang für Duisburg" will weitermachen – und bei der Suche nach einem OB-Kandidaten mitreden.

Das Abwahl-Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kirche und Initiative hat sich offiziell aufgelöst. Die Initiative "Neuanfang für Duisburg" will weitermachen — und bei der Suche nach einem OB-Kandidaten mitreden.

 Holger Ellerbrock hält die Abwahl für einen Sonderfall.
Holger Ellerbrock hält die Abwahl für einen Sonderfall. Foto: Archiv

Theo Steegmann ist ein Kämpfer. Wenn es sein muss, auch an mehreren Fronten gleichzeitig. Zuletzt hatte der Ausbildungsleiter bei ThyssenKrupp Nirosta bis zum Schluss dagegen gekämpft, dass die Edelstahlsparte des Thyssen-Konzerns an den finnischen Investor Outokumpu geht. Abends und an den Wochenenden engagierte sich der 56-Jährige im Abwahlkampf. Während es für den früheren Betriebsrat der Krupp-Werke in Rheinhausen nun bei Nirosta nur einen Teilerfolg gab, siegte das Abwahlbündnis überaus deutlich.

Doch das reicht nicht, Theo Steegmann will weitermachen. Und er erwartet, dass er und die Bürgerinitiative nun auch beim weiteren Fortgang Gehör finden. "Ralf Jäger hat mir am Sonntagabend zugesagt, uns bei der OB-Kandidatenfindung mit einzubinden", so Steegmann.

Als eine Galionsfigur des Arbeitskampfes in Rheinhausen ist er längst zum prominentesten und gefragtesten Vertreter der Sauerland-Gegner geworden. Anfang trat die Initiative mit dem Sprecher-Trio Steegmann, Werner Hüsken und Harald Jochums an. Jochums überwarf sich mit der Initiative und trat als Sprecher zurück, Hüsken blieb meist im Schatten Steegmanns, der sich mediengerechter zu verkaufen kann.

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"Wir werden Wahlprüfsteine erstellen, um daran festzumachen, ob wir einen anderen Kandidaten mittragen können." Der in Rheinhausen-Bergheim lebende Steegmann setzt dabei auf einen unabhängigen, parteiübergreifenden Kandidaten. "Der muss nicht aus Duisburg sein", sagte er. "Sollte kein Konsens-Kandidat gefunden werden, könnten wir auch Vorschläge aus der Initiative selbst unterbreiten. Die Bürgerinitiative hat fähige Köpfe, die dafür in Frage kommen." Wen? "Das will ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Nur soviel: Ich stehe als OB-Kandidat definitiv nicht zur Verfügung."

Die Initiative werde sich nun auch um andere Themen abseits der Loveparade kümmern, vor allem um Stadtentwicklung, um den städtischen Haushalt und die freie Kulturszene. "Das gilt zum Beispiel für das Factory Outlet Center. Es kann nicht sein, dass der Stadtrat etwas beschließt, und dann die Immeo vorschickt, um die Mieter zu vertreiben."

Keine Namen nennen

Hermann Dierkes, Fraktionssprecher der Linken im Duisburger Rat, hält an den Plänen für das "Douvil" genannte Center fest. Nicht zuletzt ginge es auch um die Stadtentwicklung in Hamborn, um Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen. "Wir können das alles bereden. Auch den Linken ist an einem unabhängigen Kandidaten gelegen", erklärte er gestern.

Disziplin ist nun gefragt. Das glaubt zumindest der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Rat, Jürgen C. Brandt. "Ralf Jäger hat die Marschroute vorgegeben, keine Kandidatennamen zu handeln, bevor nicht mit allen anderen gesprochen wurde — auch mit der Initiative." Die Politik müsse sich darauf einstellen, die Bürger und ihre Interessen ernster zu nehmen und verstärkt einzubeziehen. Vermutlich könne es nur einem parteiübergreifenden Kandidaten gelingen, ohne Stichwahl ins Amt zu kommen.

Dabei wären auch die Grünen gefragt. Doch auch das wird schwierig. Während Stadtdirektor Dr. Peter Greulich, der bis zur Neuwahl eines OB als Chef der Verwaltung fungiert, angesichts der deutlichen Zahl der Sauerland-Gegner von rund 130 000 Stimmen betroffen wirkte, freute sich Ralf Welters von den Walsumer Grünen sehr: "Vor der Abwahl haben wir uns bei den Grünen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt. Jetzt wird es in der Partei wieder viel Diskussionsstoff geben."

Der FDP-Kreisvorsitzende Holger Ellerbrock begrüßte die hohe Beteiligung der Duisburger am Abwahlverfahren. Er warnte aber auch vor allzu viel Basisdemokratie: "Diese Abwahl war ein Einzelfall. Wer ständig zu allen Fragen Bürgerentscheide fordert, legt die Axt an die Wurzeln der parlamentarischen Demokratie."

(RP)