Komma-Theater in Duisburg feiert 25.Geburtstag 

Festwoche startet am Sonntag : Komma-Theater feiert 25.Geburtstag

Die erste Adresse für Kinder- und Jugendtheater in Duisburg liegt in Rheinhausen. Jährlich gibt es an der Schwarzenberger Straße 100 Vorstellungen mit 10.000 Besuchern.

Das wuchtige Backsteingebäude war als Mädchengymnasium errichtet worden, in dessen Aula nach dem Auszug der Schülerinnen die Stadt in hohen Regalen Tausende von Knöllchen archiviert hatte. 1994 zog hier das schon 1976 gegründete freie Ensemble Reibekuchentheater ein, das 2013 auch namentlich mit dem Standort verschmolzen ist: Duisburgs Kinder- und Jugendbühne Komma-Theater feiert ihren 25. Geburtstag mit einer Festwoche.

Damals seien sie wegen dieses von der Stadt mietfrei zur Verfügung gestellten festen Dachs überm Kopf von „allen anderen freien Theatern beneidet worden“, erinnert sich Mitbegründerin Renate Frisch. Heute ist sie sich mit Uwe Frisch-Niewöhner einig: „Es ist Glück und Bürde zugleich.“ Schließlich liegt hinter den Akteuren der ersten Stunde – der dritte ist Helle Hensen – auch ein lebenslanger Kampf um zahlende Besucher. Das bedeutet auch, weiterhin auf Tournee zu gehen. Das fällt im Alter von um die 70 nicht leichter, und an die spätere Mini-Rente will man lieber auch nicht denken. Mit um die 50 ist Martin Müllerhöltgen, der den Betrieb 25 Jahre verwaltet hat, Anfang 2018 ausgeschieden. Auch ein Grund für das achtköpfige Ensemble, sich Gedanken über die Zukunft des Komma-Theaters zu machen.

Aber viel lieber schauen die Schauspieler, die hier sämtliche Theaterberufe ausüben, natürlich auf die 50 Inszenierungen der letzten 15 Jahre, auf die 25-jährige Zusammenarbeit mit dem städtischen „Spielkorb“, der ungezählte Gastspiele nach Rheinhausen geholt hat, auf Festivals wie „Westwind“, die jährlichen „Spielarten“ oder das hauseigene Festival „Kaas & Kappes“, das von einem renommierten Autorenpreis gekrönt wird – Preisträger der ersten Stunde war übrigens der Weihnachtsklassiker „Ox und Esel“. Gern schaut man auf jährlich rund 100 Vorstellungen mit 10.000 Besuchern, darunter mindestens drei Schulklassen pro Woche. Oder auf den vor zehn Jahren gegründeten Jugendclub unter der Leitung von René Linke, dessen Produktionen es bis zum Theaterfest nach Berlin geschafft haben. Nächste Premiere ist „Sandmann“.

Über den Erfolg des vor zwei Jahren hinzu gekommenen Spielkorb-Junior-Clubs freut sich Elke Bruckmann besonders, die das Spielkorb-Programm betreut. Der Andrang sei so groß gewesen, dass zwei Gruppen gegründet wurden, sagt Renate Frisch. Während der Proben sitzen Väter am Laptop und Geschwister über ihren Hausaufgaben im Foyer vor der ehemaligen Hausmeisterwohnung, schildert Renate Frisch. Und die theaterbegeisterten Kinder, die sich um Schauspielerin Tina El-Fayoumi scharen, hätten oft keine Lust, nach Hause zu gehen.

Klassiker: Werner Wunderwurm, gespielt von Uwe Frisch-Niewöhner. Foto: Oleksandr Voskresenskyi

2013 wurde ein Abendprogramm für Erwachsene ins Leben gerufen, von denen viele schon als Kinder im Komma theatersozialisiert wurden. Ernste Schauspielformate „funktionieren allerdings nicht so leicht“, sagt Frisch-Niewöhner mit Blick auf anspruchsvolle Produktionen wie Kafkas „Prozess“. Unterhaltsameres wie „Kunst“ oder die Musiktheaterproduktion „Blind Date“ liefen dagegen gut. Ein Grund, die Reihe „Legenden der Musik“ aufzulegen, die Frisch-Niewöhner mit Jürgen Sarkiss, ehemals Theater Oberhausen, und Gitarrist Peter Engelhardt entwickelt hat: Abende mit Musik von und Texten über die Rolling Stones, Jimi Hendrix, John Lennon, Bob Dylan...

(A.H.)
Mehr von RP ONLINE