1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg: Kombibad: Stadt prüft 17.000 Unterschriften

Duisburg : Kombibad: Stadt prüft 17.000 Unterschriften

Die Bürgerinitiative zum Erhalt des Kombibades hat die Ordner am Montag an Stadtdirektor Reinhold Spaniel übergeben.

"Kombibad erhalten, Kombibad erhalten" skandierten Montagvormittag rund 100 Menschen vor dem Rathaus am Burgplatz. Begleitet wurden sie von lauten Trillerpfeifen; einige Damen hatten sogar Kuhglocken im Gepäck, um sich Gehör zu verschaffen. "Das Kombibad gehört den Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt", stand auf Plakaten geschrieben. Oder: "Wir trocknen hier für nächstes Jahr im Kombibad Homberg". Direkt neben diesem Schriftzug war eine Wäscheleine gespannt, an der Badeanzüge und Handtücher hingen. Einige Kinder liefen mit Schwimmflügeln umher. Die Bürgerinitiative hatte sich einiges ausgedacht für ihren Auftritt. Die Übergabe der 17.000 Unterschriften, die sie binnen vier Wochen für den Erhalt ihres Bades gesammelt hatte, sollte mit Nachdruck geschehen.

 Michael Horz (Mitte) vom Vorstand der Bürgerinitiative übergibt die Ordner mit den Unterschriften an Stadtdirektor Reinhold Spaniel (r). Max reicht Spaniel einen separaten Ordner, der viele Bilder und Briefe von Kindern enthält.
Michael Horz (Mitte) vom Vorstand der Bürgerinitiative übergibt die Ordner mit den Unterschriften an Stadtdirektor Reinhold Spaniel (r). Max reicht Spaniel einen separaten Ordner, der viele Bilder und Briefe von Kindern enthält. Foto: Probst

Michael Horz vom Vorstand konnte es am Montag noch immer nicht ganz fassen. "Ich hätte nicht gedacht, dass in so kurzer Zeit so viele Unterschriften zusammenkommen", sagte er. "Zuerst waren wir nur eine kleine Sammlerschar. Aber wir haben immer mehr Leute aktivieren können."

  • Kommentar : Worten müssen Taten folgen
  • Duisburg : Kombibad: Grüne vor Kehrtwende?
  • Duisburg : Kombibad: Stadtdirektor übt heftige Kritik

Eine davon ist Christa Daube. Die 78-Jährige hat in den vergangenen Wochen Straßencafés und Trödelmärkte abgeklappert, "und ich habe sämtliche Leute auf der Straße angequatscht", erzählte sie lachend. "So ein wunderschönes Bad. Meine Kinder haben dort schwimmen gelernt. Das kann man doch nicht schließen."

Auch Ellen Vangenhassend hat kräftig mitgesammelt. "Wir haben sehr viel Zeit investiert in den letzten Wochen", sagte sie. Aber es hat sich gelohnt." 17 000 Unterschriften — "das ist eine Zahl, die der Rat nicht ignorieren kann."

Harald Lenders hatte sich ein Schild mit den Worten "Freibad Homberg schließt für immer! Danke, SPD" umgehängt. "Die SPD ist hauptverantwortlich für den Ratsbeschluss. Sie hat das größte Gewicht in der rot-rot-grünen Mehrheit", sagte der Homberger. Er beklagte, dass die Bürger einfach übergangen worden seien bei der Entscheidung und jetzt auf jegliche Art von Kritik, auch konstruktiver, nicht eingegangen werde. "Am 22. September ist Bundestagswahl. Da werden wir wieder gebraucht — und dann erst wieder bei der nächsten Wahl. Dazwischen stören wir nur."

Michael Horz betonte, dass die Bürgerinitiative das anders gemacht habe: "Wir haben nicht nur einfach Unterschriften gesammelt, sondern auch intensiv mit den Menschen gesprochen." Das sei zum Teil sehr emotional gewesen. "Keiner kann verstehen, dass die Stadt ausgerechnet an dieser Stelle sparen will."

Diesen Schritt verteidigte Stadtdirektor Spaniel gestern noch einmal. "Alle Achtung. Was Sie an Unterschriften zusammengebracht haben, ist eine ganze Menge", sagte er zunächst in Richtung Horz. Im selben Atemzug betonte er aber auch, dass die Stadt nun mal gezwungen sei, "massiv zu sparen". Und der Rat habe einen Beschluss gefasst, das Kombibad in seiner jetzigen Form aufzugeben. Spaniel: "Diesen Beschluss setzt die Verwaltung jetzt um." Er zeigte sich aber offen für Alternativvorschläge seitens der Bürgerinitiative: "Sie sind herzlich dazu eingeladen, Vorschläge zu machen. Wir versperren uns da nicht."

Die Unterschriftenlisten werden jetzt geprüft. 8000 gültige Unterschriften sind nötig für einen Einwohnerantrag. Dann wird die Verwaltung eine Vorlage für den Rat erarbeiten. Die nächste Ratssitzung ist am 9. September. Wie ein Mitarbeiter des Rechtsamtes gestern erklärte, muss sich innerhalb von vier Monaten nach Abgabe der Unterschriften der Rat mit dem Einwohnerantrag befasst und eine Entscheidung getroffen haben.

(RP)