Duisburg: Koks aus Niederschlesien statt aus China

Duisburg: Koks aus Niederschlesien statt aus China

Durch einen Zehnjahresvertrag mit einer polnischen Kokerei im niederschlesischen Waldenburg hat die Essener ThyssenKrupp Min Energy den Duisburger Hafen als Logistikdrehscheibe gestärkt. Gestern kam bereits der zweite Zug nach einer 36 Stunden dauernden Fahrt über rund 900 Kilometer aus Polen im Rhein-Ruhr-Terminal in Neuenkamp an. Er hatte 50 schwarze Container ("Blackbox") mit jeweils 27 Tonnen Gießereikoks verladen. "Der Transport per Container hat mehrere Vorteile", erklärte gestern Kai-Norman Knötsch, Geschäftsführer von ThyssenKrupp MinEnergy. Früher wurde der Koks noch im Duisburger Hafen gesiebt und neu verladen – eine staubige Angelegenheit. Heute wird er vom Zug in Neuenkamp auf Lkw verladen und wird dann zu den Kunden in ganz Nordrhein-Westfalen transportiert. Der Rest geht in die Seehäfen Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam und wird von dort weiter verschifft.

Auf diese Weise sollen jährlich rund 70 000 Tonnen Gießereikoks im Rhein-Ruhr-Terminal ankommen und verteilt werden. Die Menge entspricht etwa einer Fläche von 30 Fußballfeldern, die einen Meter hoch mit Koks bedeckt sind. Bis zu 50 Koks-Züge pro Jahr sollen künftig auf der Ost-West-Strecke unterwegs sein.

Mit ihren Kunden hat die Thyssen-Tochter entsprechend langfristige Verträge abgeschlossen. Hinter dem Abkommen mit dem polnischen Lieferanten steht ein Strategiewechsel bei Thyssen. "Bisher haben wir den Koks aus China bezogen. Die Chinesen haben aber nun eine Exportsteuer eingeführt, so dass sich der Bezug von dort nicht mehr lohnt", so Knötsch. Deshalb konzentriert die Thyssen-Tochter ihre Aktivitäten in der Sparte des Gießereikokses nun verstärkt in Europa.

In Waldenburg (polnisch Walbrzych), etwa 65 Kilometer südwestlich von Breslau gelegen, stehe eine moderne Kokerei. Die benötigte Kohle wird allerdings in anderen Gegenden Polens und in Tschechien gefördert.

(RP)