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Duisburg: Kokerei Schwelgern zehn Jahre in Betrieb

Duisburg : Kokerei Schwelgern zehn Jahre in Betrieb

Die Kokerei Schwelgern ist jetzt seit zehn Jahren im Betrieb. Ein jahrelanger Streit, vor allem über das anzuwendende Kühlverfahren und der damit verbundenen Umweltbelastung, ging dem Bau voraus.

Nass- oder Trockenkühlung? An diesem Streit schieden sich damals die Geister. Dass die alte, mittlerweile abgerissene Kokerei August Thyssen, Baujahr 1896, nicht mehr zeitgemäß war, war dagegen unstreitig. Bis zum Anfang dieses Jahrtausends wurde hier Koks für die nahe gelegenen Hochöfen von ThyssenKrupp Steel (TKS) gebacken. Die Kokerei lag unmittelbar an der Kaiser-Wilhelm-Straße und hatte wiederholt für Verstimmung bei der im benachbarten Stadtviertel wohnenden Bevölkerung gesorgt. Rauchschwaden und der typische Schwefelgeruch sorgten für ständig nahezu unzumutbare Verhältnisse für die Menschen, die direkt an der gegenüberliegenden Straßenseite wohnten.

 Die alte Kokerei wurde inzwischen abgerissen.
Die alte Kokerei wurde inzwischen abgerissen. Foto: ARchiv

Ersetzt wurde sie durch die Kokerei Schwelgern am anderen Ende des Werksgeländes. Vor genau zehn Jahren ging die erste Batterie der neuen Kokerei in Betrieb. Drei Jahre dauerte die Bauzeit, bis die neue Kokerei betriebsbereit war. Im Frühsommer 2003 ging dann auch die zweite Batterie in Betrieb. Die von der KBS Kokereibetriebsgesellschaft Schwelgern (KBS) betriebene Anlage, die damals rund 733 Millionen Euro gekostet hat, beschäftigt heute 320 Mitarbeiter und verfügt über eine Jahreskapazität von rund 2,6 Millionen Tonnen qualitativ hochwertigem Hochofenkoks.

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Sie stellt nach wie vor den Koksbedarf der beiden Großhochöfen von ThyssenKrupp Steel Europe in Schwelgern sicher – das sind derzeit rund 65 Prozent des gesamten Koksbedarfs des Unternehmens. Der Standort im Hafen Schwelgern bietet über den Rhein eine hervorragende Anbindung an den Hafen Rotterdam. Die günstigen Transportverbindungen stellen für die Importkohle – ähnlich wie beim Erz – einen Wettbewerbsvorteil dar. Durch ihren Abstand zu den Wohngebieten – ganz im Gegensatz zur alten Kokerei August Thyssen – bleibt die Belastung für Umwelt und Nachbarschaft geringer. Weiterer Pluspunkt: Die Kokerei Schwelgern wurde, im Vergleich zu ihrer älteren Vorgängerin, statt mit sechs mit nur zwei Batterien und statt 354 Koksöfen nur mit 140 betrieben. Die Zahl der täglichen Drückvorgänge ging von früher 560 auf 135 zurück. Zusammen mit der in einem Forschungsprogramm neu entwickelten Einzelkammerdruckregelung an den Koksöfen sowie besondere Dichtsysteme an den Koksofentüren wurden die Emissionen heruntergefahren. "Die Kokerei Schwelgern mit den größten Koksöfen der Welt wurde mit einer so genannten Koksnasskühlung ausgestattet, die als Coke Stabilizing Quenching (CSQ)-Technik ihre Umweltverträglichkeit über zehn Jahre hinweg bewiesen hat", erklärt Peter Liszio, technischer Geschäftsführer der KBS.

In den vergangenen zehn Jahren wurde weiter in die Kokerei investiert: "Sie hat eine hochmoderne, zusätzliche Feinaufmahlungsanlage erhalten, mit der wir die Importkohle auf die für die Verkokung optimale Korngröße von 1,5 Zentimetern bringen", so Liszio. Im vergangenen Jahr wurde eine Anlage zur Nutzung von Drainagewasser gebaut: Aufgewärmtes Wasser aus dem Werksbereich von ThyssenKrupp Steel Europe – es handelt sich um rund eine Million Kubikmeter pro Jahr – wird dadurch nicht mehr ungenutzt in den Rhein abgeleitet, sondern zur Kokslöschung wiederverwertet. Alle zehn Minuten übrigens benötigt die Kokerei 28 Kubikmeter dieses Wassers.

Die Investition in die neue Kokerei erwies sich innerhalb kurzer Zeit als goldrichtig. Die Kokspreise auf dem Weltmarkt explodierten binnen weniger Monate, so dass sich die Anlage in Schwelgern schneller als gedacht amortisierte.

(RP)