Duisburg Köhler-Rücktritt: "Ein herber Verlust"

Der gestrige Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler hat auch die Menschen in Duisburg schockiert und überrascht. Gerechnet hatte damit wohl kaum jemand.

Köhler weg: Duisburger sind schockiert
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Der gestrige Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler hat auch die
Menschen in Duisburg schockiert und überrascht. Gerechnet hatte damit wohl kaum jemand.

Oberbürgermeister Adolf Sauerland drückte sein Bedauern über den Rücktritt aus: "Horst Köhler hat immer ein offenes Ohr für uns gehabt und war für alle Belange ansprechbar."Der OB versteht es aber auch, dass Köhler sich wegen der herben Kritik an seinen missverstandenen Äußerungen zurückziehe. "Das ist ein herber Verlust für Deutschland", so der OB.

CDU-Fraktionschefin Petra Vogt hält den Rücktritt für einen "sehr ungewöhnlichen Vorgang". Die öffentliche Kritik an Köhler hält Petra Vogt allerdings auch für überzogen. "Erst Roland Koch, jetzt Horst Köhler — da hat die CDU innerhalb weniger Tage zwei gute Leute verloren." Thomas Susen, stellvertretender CDU-Fraktionschef erklärte auf Anfrage, Köhlers Äußerungen seien "etwas unglücklich" gewesen. "Andere haben aber schon schlimmere Aussagen gemacht und sind auch im Amt geblieben."
Wenig Rückendeckung

Für den Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Duisburger Stadtrat, Herbert Mettler, ist es zwar überraschend, aber keineswegs unverständlich, dass Köhler sein Amt zur Verfügung stellt: "Natürlich muss man zugeben, dass die Äußerungen Köhlers über den deutschen Einsatz in Afghanistan unglücklich waren. Allerdings hätte der Bundespräsident auch wissen müssen, dass Kritik folgen musste. Mich wundert nur, dass Köhler so wenig Rückendeckung von Seiten der CDU bekommen hat."

Der fehlende Rückhalt Köhlers gibt auch Matthias Schneider, Sprecher der Grünen in Duisburg, zu denken. "Unsere Partei hatten Köhler ja bereits in der vergangenen Woche für seine Äußerungen kritisiert. Dennoch war der Rücktritt überraschend", sagte Schneider.

Dieselbe Reaktion hat auch bei Willi Bies, Ratsherr der FDP, überwogen. "Ich bin nun gespannt, wer der Nachfolger des Bundespräsidenten wird."
Auch Dr. Jochen Hippler, Politikwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen mit dem Schwerpunkt Naher und Mittlerer Osten, bezeichnete den Rücktritt Köhlers als "unerwartet", dafür aber auch als nachvollziehbar: "Horst Köhler hätte vor seinen Äußerungen besser nachdenken müssen. Von wirtschaftlichen Interessen im kargen Afghanistan zu sprechen, ist einfach falsch. Außerdem wäre ein Mandat zum reinen Schutz wirtschaftlicher Interessen gar nicht mit dem Grundgesetz vereinbar."

Zudem hätte Köhler zu seinen Äußerungen stehen müssen, anstatt sich über angebliche Respektlosigkeit vor seinem Amt zu beschweren. Hippler zufolge sei der Rücktritt Köhlers "ein Ausdruck der Hilflosigkeit der Politik im Umgang mit der Afghanistan-Frage". Er sei aber auch ein weiteres Kapitel im Streit der Fraktionen untereinander.

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