Duisburg: Klinikkultur: zurück auf Anfang

Duisburg: Klinikkultur: zurück auf Anfang

Anja Lerch und Jupp Götz eröffneten die Reihe vor zehn Jahren.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich in Duisburg viel getan: Die Mercatorhalle wurde gebaut, eröffnet und wieder geschlossen, Bürgermeister gingen und kamen und die Duisburger entdeckten ihre Lust am Singen. Doch hätte Duisburg eine männliche und eine weibliche Stimme, sie wären damals wie heute die von Jupp Götz und Anja Lerch. Zum zehnjährigen Bestehen der Klinikkultur in der BG Unfallklinik traten die beiden Donnerstag gemeinsam auf — und schlossen damit einen Kreis. Hatten sie doch 2004 schon für die erste Veranstaltung der Erfolgsreihe gesorgt.

Die meisten Duisburger wissen ohnehin — wo Götz und Lerch draufsteht, sind Lieder und Musikalität in Reinform drin. "Wir sind aber reifer geworden", betonte Lerch vor dem Konzert. "Es sind ein paar Nummern von damals dabei, aber auch viel Neues", sagte die Sängerin und stimmte auf Covernummern "quer durch den Garten" ein. Jupp Götz hielt fest, dass sich "die Welt in zehn Jahren total verändert hat". "So tolle Projekte waren damals nicht einfach zu realisieren". Wie damals allerdings war Götz auch am Donnerstag Musiker und Entertainer zugleich. Die altbekannten Scherze, Neckereien und Anekdoten gehören beim Buchholzer einfach dazu, genauso wie die unverkennbare Stimme.

Zur Eröffnung gab es Hannes Wader und Prince, der Brückenschlag zwischen den beiden unterschiedlichen Künstlern war für die Duisburger kein Problem. Mit einer Leichtigkeit, die ihresgleichen sucht, sangen sich Götz und Lerch durch die Musiklandschaft, als hätten sie ohne Unterlass geprobt — was nicht der Fall war, wie Jupp Götz verriet. Die beiden begleiteten sich mit Gitarre, Klavier und diversem Schlagwerk selber und legten neben einer Menge Herzblut vor allem eine traumwandlerisch sichere und selbstverständliche Musikalität an den Tag.

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Das merkte auch das Publikum und ließ sich von Liedern von Kate Bush und Bob Dylan mitreißen. Ganz nebenbei kam so die Atmosphäre einer gemütlichen Probe im Wohnzimmer auf — Musikern und Gästen gefiel das sichtlich gut. Und obwohl die Polizei das Programm kurzfristig unterbrach, um nach einem vergesslichen Autobesitzer zu suchen, hielt diese Atmosphäre bis zum allerletzten Ton. Das lag vor allem an Klassikern wie "My Bonnie is over the ocean", einem der simpelsten, gleichwohl aber schönsten Lieder, die auf dem Erdball kursieren. Das Publikum sang und klatschte, was das Zeug hielt, gratulierte diversen Gästen zum Geburtstag und Veranstalterin Monika Langenberg zum gelungenen Jubiläum.

Mit Leonard Cohens "Halleluja" und Stings Übernummer "If you love somebody" näherte sich das Programm dem Ende, trotzdem hielt die satte drei Stunden lange Show noch einige Höhepunkte bereit. Lieder von Herman van Veen und Reinhard Meys "Wie vor Jahr und Tag" zum Beispiel, oder einen spontanen Ausflug zu den Stones und "Satisfaction".

(RP)
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