Duisburg: Klingende Perlen der Habsburger

Duisburg : Klingende Perlen der Habsburger

Der prominente Countertenor Valer Sabadus und das Barockensemble "nuovo aspetto" begeisterten im jüngstem fünften Kammerkonzert in der Philharmonie Mercatorhalle mit Musik von Antonio Caldara und anderen.

Die Pracht und der Glanz, den die Wiener Hofkapelle in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts verströmte, sind heute verblasst. Komponisten wie der Italiener Antonio Caldara (1670-1736), die zu Lebzeiten sehr angesehen waren, sind in den Schatten getreten und mussten anderen Musikern den Vorrang überlassen. Jetzt erinnerte das jüngste, fünfte Kammerkonzert in der Philharmonie Mercatorhalle an diese Blütezeit, mit acht Arien mit verschiedenen konzertierenden Instrumenten und vier Instrumentalwerken. Davon waren acht von Caldara, drei von dessen Schüler Johann Georg Reutter (1708-1772), der als Kapellmeister am Wiener Stephansdom 1739 auf einer Dienstreise nach Niederösterreich das musikalische Talent des siebenjährigen Joseph Haydn entdeckte, und eines von dem Wiener Hofkomponisten Francesco Bartolomeo Conti (1681-1732).

Das es sich bei diesen Kompositionen um subtil geschliffene Perlen handelt, bewies hier der prominente Countertenor Valer Sabadus, geboren 1986 in Rumänien und seit dem fünften Lebensjahr aufgewachsen in Niederbayern. Sein Klang und seine improvisierten Verzierungen sind klar und vor allem geschmackvoll, da jubeln nicht nur seine vielen Fans. Kongeniale Mitstreiter waren ihm in wechselnder Besetzung das Barockensemble "nuovo aspetto" aus Elisabeth Seitz (Salterio, also Hackbrett), Johanna Seitz (Barockharfe), Michael Dücker (Theorbe, also Langhalslaute, und Barockgitarre), Ulrike Becker (Barockvioloncello), Leonard Schelb (Traversflöte), Christian Leitherer (Chalumeau, ein Vorgänger der Klarinette), Mayumi Hirasaki (Dozentin für Barockvioline am Campus Duisburg der Folkwang-Universität der Künste), Frauke Pöhl (Barockvioline), Corina Golomoz (Barockviola), Francesco Savignano (aus den Reihen der Duisburger Philharmoniker, hier am barocken Wiener Kontrabass) und Wiebke Weidanz (Cembalo). Die Instrumente wurden hier in etwas ungewöhnlicher Reihenfolge genannt, weil viele von ihnen sowohl als Soloinstrument als auch als Begleitung auftraten.

Wie großartig diese Musik ist, zeigte gleich die Arie "Reggimi, o tu, che sola" für Alt, Salterio, Streicher und Basso continuo aus Caldaras Oratorium "Le Profezia Evangeliche di Isaia", oder später die Arie "Se mai dal crudo" für Sopran, Theorbe, Cello, Streicher und Continuo aus Contis Oper "Archelao, re di Cappadocia". Die suggestivesten Solistinnen waren Elisabeth Seitz, zum Beispiel in der Arie "Fra deserti" für Sopran, Salterio, Streicher und Continuo aus Reutters Oratorium "La Divina Provvidenza in Ismael" und Mayumi Hirasaki, zum Beispiel mit Reutters "Pizzicato", das ist ein Fragment eines Konzertes für Violine, Streicher und Continuo. Als Zugaben gab es noch je eine Arie von Conti (mit Traversflöte ganz links und Chalumeau ganz rechts) und Caldara.

Im nächsten, sechsten Kammerkonzert am Sonntag, 5. März, um 19 Uhr, in der Philharmonie Mercatorhalle spielt das Trio di Clarone (Sabine Meyer, Wolfgang Meyer und Reiner Wehle an Klarinette und Bassetthorn) mit dem Pianisten Kalle Randalu Werke von Felix Mendelssohn, Robert Schumann und Max Bruch. Karten gibt es am einfachsten unter der Telefon-Nummer 0203 283 62 100.

INGO HODDICK

(hod)
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