Duisburg: Klimawandel als Dritter Weltkrieg?

Duisburg: Klimawandel als Dritter Weltkrieg?

Dem Musiktheaterprojekt "2018. The world dies screaming" in der Gebläsehalle im Landschaftspark Nord zum Abschluss der 39. Duisburger Akzente "Nie wieder Krieg?" lag eine These des amerikanischen Publizisten Bill McKibben zugrunde, der zu Folge wir uns mitten im Dritten Weltkrieg befinden, dem Krieg gegen den Klimawandel. Um noch einen Sieg zu erringen, müssten wir schleunigst umdenken, uns mobilisieren und solidarisieren - was längst der Fall wäre, wenn nicht wir alle die Ursache für die Erderwärmung wären, sondern ein böser, feindlicher Diktator: "An der Nordfront lief letzten Sommer eine vernichtende Offensive. Feindliche Kräfte haben große Geländegewinne erzielt, jede Woche verlieren wir 35.000 Quadratmeter arktischen Eises. Im Pazifik gelang dem Feind auf Tausenden von Meilen ein großer Durchbruch, als er einen vollen Angriff auf die Korallenriffe startete. Und Tag für Tag, Woche für Woche, begehen Saboteure hinter den Linien brillante Attacken: Vor ein paar Monaten entfachte unser Feind eine Feuersbrunst in Kanada, die uns zur Evakuierung einer 90.000-Einwohner-Stadt zwang".

Jens Kerbel und Jennifer Whigham (Konzept und Regie) sowie Philine Bührer, Sabine Osthoff und Manuel Sieg (Schauspiel) machten uns hier eindringlich klar, dass wir nicht einfach so weitermachen können, wenn täglich 200 Tierarten aussterben. Videos von verzweifelten Eisbären, aber auch von der eigentlichen Schönheit unserer Mutter Erde unterstrichen die Botschaft. Letztlich emotional angesprochen wurden wir durch das Klangkraft-Orchester Duisburg unter seinem vorzüglichen neuen muskalischen Leiter Henry Cheng. Acht Sätze aus sechs anspruchsvollen Werken standen hier überwiegend für die Würde des Menschen und der Welt, beginnend mit dem bekannten Kopfsatz aus der fünften Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Das klang beachtlich für ein Laienorchester, vor allem bei dem kriegerischen "Mars" (ein Marsch im Fünf-Viertel-Takt!) aus der beliebten Suite "The Planets" von Gustav Holst, der auch als Zugabe wiederholt wurde. Wieder einmal zeigte das ehemalige Jugendorchester Duisburg, dass es auch Chor kann, diesmal mit "Peace I Leave With You" von Knut Nystedt. Die "Highlights from Jurassic Park" von John Williams erinnerten daran, dass das Massensterben diesmal nicht wie bei den Dinosauriern auf einen Asteroideneinschlag zurückzuführen ist. Am Ende war jeder Besucher unweigerlich zumindest zum Nachdenken gebracht, als zu dem grenzenlos optimistischen Finale von Beethovens Fünfter auf der Leinwand komplett zugemüllte und dadurch tote Gewässer zu sehen waren.

(RP)
Mehr von RP ONLINE