Duisburg: Kleinkind aus Fenster gehalten

Duisburg : Kleinkind aus Fenster gehalten

Sieben Streifenwagen rasten Dienstagabend nach Bergheim: In dem von Osteuropäern bewohnten Hochhaus hatte ein Achtjähriger seine zweijährige Schwester aus dem Fenster gehalten, möglicherweise, weil das Mädchen musste.

Polizeieinsätze sind für die Nachbarn schon lange nichts Besonderes mehr. Immer wieder rücken Beamte in Bergheim an, um für Ordnung in und um das hauptsächlich von Rumänen und Bulgaren bewohnte Hochhaus an der Straße In den Peschen zu sorgen. In der Regel geht es um Vandalismus, Randale, Ruhestörung. Schlimm genug. Wirklich dramatisch ist allerdings, was am Dienstagabend geschah.

Zweijährige ist nackt

Gegen 18 Uhr alarmierte der Sonderaußendienst des Ordnungsamts die Polizei. Die Mitarbeiter hatten beobachtet, dass ein Kind ein noch kleineres Kind aus dem Fenster hielt. Und zwar nackt. Sofort rasten sieben Streifenwagen nach Bergheim, um gemeinsam mit Mitarbeitern des städtischen Jugendamts Schlimmeres zu verhindern. Anwohner berichteten von Schreien aus dem Hochhaus, angeblich seien mehrere Personen in Handschellen abgeführt worden.

Nach Angaben der Polizei wurde allerdings nur der rumänische Familienvater (Jahrgang 1989) an den Händen fixiert, da er erheblichen Widerstand leistete. Sechs Personen (Vater, Mutter und vier Kinder) wurden auf die Wache gebracht. Wie sich herausstellte, hatte offenbar ein Achtjähriger seine zweijährige Schwester aus dem Fenster gehalten. Was genau passierte, ist unklar, weil alle Familienmitglieder kaum Deutsch sprechen. Die Duisburger Polizei mutmaßt, dass der Junge das Kleinkind ins Freie gehalten haben könnte, weil es Pipi machen musste.

Die Mitarbeiter des Jugendamtes, die auf Verdacht von Kindeswohlgefährdung vor Ort waren, ergriffen keine weiteren Maßnahmen. Nach Feststellung der Personalien konnten die Rumänen nach Hause. Es habe keinen Grund gegeben, die Kinder aus der Familie zu nehmen, sagte eine Stadtsprecherin. Dazu müssten "viel schwerwiegendere Dinge passieren".

Das bestätigte gestern auch der Deutsche Kinderschutzbund in Duisburg. Das Jugendamt handele im Einklang mit dem bestehenden Recht. Der Vorfall sei natürlich erschreckend, so die Vorsitzende des Duisburger Ortsverbands, Gerhild Tobergte: "Die Ohnmacht ist erdrückend und ich würde mir wünschen, dass solche Dinge nicht vorkommen." Aber sie wisse aus Erfahrung, "dass das Jugendamt mit Augenmaß vorgeht und im Sinne des Kindes handelt".

(RP/rl)
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