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Duisburg: Klartext nach freundlicher Begrüßung

Duisburg : Klartext nach freundlicher Begrüßung

Detlef Wetzel, neuer Vorsitzender der IG Metall, wurde beim Unternehmertag in Buchholz sehr freundlich empfangen. Dann aber sprach auch Wim Abbing, Chef des Unternehmerverbandes, klare Worte.

Zum diesjährigen Unternehmertag des Unternehmerverbandes, dem Dachverband von sechs Einzel-Unternehmerverbänden der Region, hatte der Verbands-Vorsitzende Wim Abbing mit Detlef Wetzel, dem frisch gewählten neuen Vorsitzenden der IG Metall, einen ganz besonderen Gast ins "Haus der Unternehmer" an der Düsseldorfer Straße eingeladen. Der Chef der größten Einzelgewerkschaft Europas wurde "in der Höhle des Löwen" durchaus freundlich empfangen; das war auch den Begrüßungsworten Wim Abbings zu entnehmen, der mit Detlef Wetzel in früheren NRW-Tarifrunden oftmals gemeinsam am Verhandlungstisch saß.

Abbing schätzt an dem IG-Metall-Vorsitzenden seine Fairness und seine pragmatischen und konstruktiven Lösungsansätze, wie er in seiner Eröffnungsrede deutlich machte ("Detlef Wetzel gilt als kreativer Vordenker in der deutschen Gewerkschaftsszene"). Vor zahlreichen Ehrengästen, unter anderem IHK-Präsident Burkhard Landers und Stefan Dietfelbinger, dem Hauptgeschäftsführer der Kammer sowie der Mülheimer Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, redete Wim Abbing nach seinen freundlichen Begrüßungsworte dann aber doch Klartext.

Dabei sprach er die von der Politik beschlossene und von den Gewerkschaften geforderte Rente mit 63 an, die für die Unternehmen ein "Schlag in die Magengrube" darstellten. Er erwähnte in dem Zusammenhang den in den kommenden Jahren sich verstärkt bemerkbar machenden Fachkräftemangel und sieht die politische Entscheidung als "Schuss ins eigene Knie". Abbing plädierte dafür, den Eintritt ins Rentenalter flexibler zu gestalten und nicht mehr "in starren Altergrenzen" zu denken. Auch an dem Gesetzvorhaben, das den staatlich festgesetzten Mindestlohn künftig regelt, übte der Verbandsvorsitzende scharfe Kritik. Abbing fürchtet, dass nach Einführung des Gesetzes sich die Tariflandschaft fundamental verändern wird.

Als besonders fatal sieht er die Tatsache an, dass künftig ein "staatliches Gremium" über die Erhöhung der Mindestlöhne bestimmt und die Tarifpartner außen vor seien. Diese staatlich festgesetzte Erhöhungsrate könne dann eigentlich von keinem Branchen-Tarifvertrag mehr unterschritten werden, befürchtet der Vorstandsvorsitzende des Unternehmerverbandes. Nach seiner Rede gab Wim Abbing im wahrsten Sinne des Wortes den Ball an Detlef Wetzel weiter. Mit einem sauberen Pass bediente er seinen Gast mit dem original "Brazuca", dem aktuellen WM-Ball, den Detlef Wetzel als Gastgeschenk mit nach Frankfurt nehmen durfte.

Der IG-Metall-Chef betonte in seiner Rede die Wichtigkeit der bisher praktizierten Sozialpartnerschaft, die sich nachhaltig bewährt und wesentlich dazu beigetragen habe, dass Deutschland die Wachstumslokomotive in Europa sei. Aber auch Wetzel übte seinerseits Kritik. So sei es nicht hinnehmbar, dass mittlerweile die Hälfte aller Beschäftigten ohne Tarifvertrag arbeitet. Dazu trage auch bei, dass die Verbände verstärkt auch Mitglieder in ihren Reihen führten, die durch eine "OT-Mitgliedschaft" nicht an die ausgehandelten Tarifverträge gebunden seien. Zum Thema Mindestlohn meinte Wetzel: "Viele Jahre war man von Arbeitgeberseite nicht bereit, von einigen Branchen abgesehen, mit uns entsprechende Tarifverträge abzuschließen und da die Zivilgesellschaft dieses Problem nicht lösen konnte, ist nun der Staat aktiv geworden".

Seiner Meinung sollte das Problem der Mindestlohn-Anpassung in der Form gelöst werden, dass die jeweilige Erhöhung im Nachlauf einer Tarifrunde beschlossen werden und den Durchschnitt der zuvor abgeschlossenen Erhöhungen abbilden sollte. Nach einer anschließenden lebhaften Diskussion, die von der WDR-Fernsehjournalistin Anna Planken moderiert wurde, ging es unter freiem Himmel im Innenhof bei angenehmen sommerlichen Temperaturen weiter. Bei kühlen Getränken und Live-Musik durfte weiter diskutiert werden. Wer wollte, konnte seine fußballerischen Qualitäten an der Torwand beweisen.

(pol)