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Duisburg: Klangkraft begeistert das Publikum

Duisburg : Klangkraft begeistert das Publikum

Das Duisburger Orchester beschäftigte sich am Samstagabend mit Kabarettist Christian Hirdes mit der Sagenwelt. Märchenhaft war auch die Musik.

Mit der Adventszeit kommt auch die Zeit der gemütlichen Konzertabende. Eiskalte Winde, dichter Nebel und ein hochprozentiger Punsch sorgten am Samstag in der Liebfrauenkirche für ideale Grundvoraussetzungen für das Klangkraft-Orchester und sein Programm "Alles Märchen". Zusammen mit dem Mülheimer Musikkabarettisten Christian Hirdes stellte der Klangkörper um Dirigent Tobias Füller ein beeindruckendes Programm auf die Beine, das vom Thema "Märchen" zusammengehalten wurde.

Von Anfang an in Topform war das Orchester. Präzise und mit einer breiten dynamischen Spannweite spielten die Künstler Stücke von Grieg und Tschaikowski. Wer zwischendurch einen Blick in das Programmheft warf, konnte einige Musiker entdecken, die in der Duisburger Szene zu den festen Größen zählen. In einer kleinen Atempause versicherte Christian Hirdes dem Publikum, dass es "in Ordnung ist, wenn Sie die Musik aus der Fernsehwerbung kennen".

So konnten sich die Zuschauer beruhigt in einem Auszug aus Sergei Prokofjews "Peter und der Wolf" verlieren, nicht jedoch ohne einer beinahe wahren Geschichte zur Uraufführung des Werks zu lauschen. Mit verstellten Stimmen spielte Hirdes einen Dialog zwischen dem Komponisten und der Erzählerin der Uraufführung nach. Die Dame bemängelte einige Logiklücken im Plot des Stücks; außerdem herrschte Uneinigkeit darüber, ob die Ente denn nun im Magen des Wolfs landen solle, oder nicht. Mit den beinahe historischen Worten "Die Ente bleibt draußen" schlug der Kabarettist die Brücke zu Loriot und übergab wieder an das Orchester.

Dank der Überakustik des Saals kamen vor allem die Bläser, allen voran die hervorragenden Hörner und Posaunen, zur Geltung. Doch auch die Streicher verstanden es, durch subtiles, aber präsentes Spiel eine Grundlage für ihre Kollegen zu schaffen. Das Schlagwerk sorgte derweil für die wichtigen Akzente, sei es mit dem Glockenspiel oder den großen Pauken. Christian Hirdes steuert zudem ein Lied bei, das das Märchen von Rotkäppchen mit den Augen unserer von Biokost und Nachhaltigkeit geprägten Welt sah. So weigerte sich der Förster strikt, den "armen Wolf" aufzuschneiden, schließlich müsse man ja an das ökologische Gleichgewicht denken. Zuvor bekam schon Frau Holle ihr Fett weg, und zwar in einem Gedicht mit dem Titel "Frau Holle, meine Olle". Der Ehemann der Dame, wegen ihres Vollzeitjobs zum Hausmann gemacht, dichtete ein Klagelied darüber, wie sehr sich seine Liebste seit der Hochzeit verändert hat.

Die erste Konzerthälfte beendete das Orchester dann nicht nur mit dem Vorspiel des Weihnachtsklassikers "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck, sondern auch mit dem berühmten "Abendsegen" aus derselben Oper. Dazu wurde das Orchester kurzfristig zum Chor und bewies, dass der Gesang genau so hervorragend einstudiert wurde, wie die instrumentalen Stimmen des Abends.

Die zweite Hälfte stand eher im Zeichen der Filmmusik. Moderne Klassiker wie "Harry Potter" oder "Der Herr der Ringe" wurden gespielt, letzterer war eines der Highlights des Abends. Die enormen Unterschiede zwischen dem spielerischen Hobbit-Thema, dem imposanten "Return of the King" oder dem Mordor-Thema bewältigte das Orchester ohne Schwierigkeiten und weckte wohlige Erinnerungen an lange Filmabende.

Ganz anders, aber nicht weniger beeindruckend spielte das Orchester den Standard "Someday My Prince Will Come", vielen eher durch das Miles Davis Quintett bekannt denn durch ein großes Orchester.

(jos)