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Kita-Streik Duisburg: Erzieherin über Respekt und Corona-Regeln

Duisburger Erzieherin berichtet vom Streik : „Es geht uns um viel mehr als Geld“

Iris Frank-Graefen weiß, wie Arbeitskampf geht. Die 62-Jährige leitet eine Kita in Duisburg und war immer dabei, wenn Verdi zum Streik aufgerufen hatte. Am Dienstag stand sie in einer Menschenkette und fragte: Wann werden wir endlich ernst genommen?

Erzieherin bin ich seit 40 Jahren. Wenn Verdi gestreikt hat, war ich immer dabei. 2015 haben meine KollegInnen und ich vier Wochen die Arbeit niedergelegt, doch es hat sich nur wenig für uns verbessert. Die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst sind schlecht, dabei macht der Job in der Kita richtig viel Spaß. Wenn die Kinder morgens ankommen und sich so sehr freuen, dass sie einem von uns in die Arme fallen – das ist einfach ein tolles Gefühl. Deshalb gehe ich jeden Morgen gern zur Arbeit. , Mittlerweile leite ich eine Kita im Duisburger Stadtteil Duissern.

Früher, als ich meine Ausbildung gemacht habe, war aber vieles in der Kita anders. Und manchmal auch ein wenig einfacher. Die Kinder sind nur bis 12 Uhr geblieben, nachmittags gab es nur in Ausnahmefällen eine Betreuung. Heute sind die Kinder bis 17 Uhr im Haus. Vorbereiten müssen wir auch viel mehr, gerade jetzt in der Corona-Krise. Da gibt es einiges zu organisieren, von Notgruppen bis zu Hygiene-Regeln.

Die Zeit im Lockdown haben wir ganz gut überstanden. Anfangs hatten wir nur zwei, drei Kinder in der Notbetreuung, später eine Gruppe mit 20. Das hat gut geklappt. Die Regeln können aber manchmal nerven. Die Eltern dürfen zum Beispiel die Kita nicht betreten, wir müssen die Kinder deshalb morgens und nachmittags alle anziehen und fertigmachen. Auch das ist zusätzliche Zeit für uns.

In meiner Einrichtung sind alle ErzieherInnen wieder im Einsatz, ich kenne aber andere Häuser, in denen das ganz anders aussieht. Dort arbeiten KollegInnen mit Vorerkrankungen, die dürfen keinen Kontakt zu den Kindern haben und das ist auch richtig so. Nur: Die Lücken im Dienstplan müssen irgendwie gefüllt werden. Es gibt ErzieherInnen, die kommen abends nach Hause und sind einfach dermaßen erledigt von ihrem Tag. Der Job ist neben all den schönen Momenten auch unglaublich anstrengend.

Es geht uns um viel mehr als Geld. Natürlich wäre es schön, mehr für unsere Arbeit zu bekommen. Die Mieten und Lebenserhaltungskosten sind ja auch gestiegen. Aber es fehlt auch die gesellschaftliche Anerkennung und das ist viel schlimmer. Es ist nicht so einfach, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz im echten Leben auch umzusetzen. Der Personalschlüssel gibt zu wenige Stellen her. Ich würde mir kleinere Gruppen wünschen und mehr Zeit für jedes einzelne Kind. Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahren weiß ich aber: Vermutlich wird sich nichts ändern an unserer Lage.

Wenigstens haben die meisten Eltern Verständnis für unsere Lage - und begrüßen auch den Streik. Trotz allem bin ich gerne Erzieherin. Nächstes Jahr kann ich in Rente gehen. Und das werde ich auch sofort tun. Ich habe meinen Teil getan.

(Protokolliert von Alexander Triesch)